Mauer

Erstellt am 23. August 2016, 06:28

von Hermann Knapp

LK Mauer: Mitarbeiter murren über Konzeptänderung. Neuer Bettentrakt wird zur Akutpsychiatrie. Andere Stationen müssen damit noch länger auf bessere Raum- und Pflegesituation warten.

Der Bau des neuen Bettentraktes im Klinikum Mauer ist bereits angelaufen. Die künftige Funktion des Gebäudes wurde von der Landeskliniken-Holding nun allerdings kurzfristig geändert. Nach der Fertigstellung Ende nächsten Jahres soll die Akutpsychiatrie in das Haus übersiedeln.  |  NOEN, Hudler

Irritation herrscht derzeit bei vielen Beschäftigten des Landesklinikums Mauer. Grund dafür ist eine – nach Ansicht der Bediensteten fast überfallsartige – Änderung der künftigen Funktion des schon in Bau befindlichen neuen Bettentraktes.

„Denn in dieses Gebäude soll nun plötzlich die Akutpsychiatrie, die derzeit im Pavillon 1 untergebracht ist, übersiedeln. Wir haben davon erst vor etwa zwei Wochen erfahren“, sagt Betriebsrat Gerhard Litschl.

„In Pavillon fünf haben wir nur ein WC auf dem Gang“

Die Mitarbeiter könnten nicht verstehen, warum das Nutzungskonzept so plötzlich über den Haufen geworfen werde. „Und sie fragen sich natürlich auch, warum man sie überhaupt in die Planung und Konzeption eingebunden hat, wenn sich dann ohnehin alles wieder ändert.“

Laut Litschl ist die Verlegung der Akutpsychiatrie in das neue Gebäude aus Sicht der Belegschaft auch aus fachlichen Gründen nicht nachvollziehbar. Denn bisher habe man Akut patienten von der Aufnahme innerhalb des Gebäudes direkt in die Abteilung bringen können.

Künftig werde der Weg im Freien über das Krankenhausgelände zum neuen Trakt führen. „Bei möglicherweise sehr erregten oder aggressiven Personen stellt sich da natürlich die Frage, ob da die Polizei länger bleibt und den Transport zur Station begleitet“, sagt Litschl.

Nicht zuletzt ist die Umplanung vielen Mitarbeitern aber auch deshalb ein Dorn im Auge, weil damit andere Stationen, die dringend modernisiert werden müssten, noch länger auf der Warteliste stehen. „In Pavillon fünf haben wir nur ein WC auf dem Gang, das wurde schon von Patientenorganisationen beanstandet, in Pavillon 8 sind die Sanitäranlagen ebenfalls unzureichend“, nennt Litschl nur zwei Beispiele.

Aufregung für Holding völlig unbegründet

Für die Landeskliniken-Holding gibt es allerdings überhaupt keinen Grund für das Murren der Belegschaft. „Im Rahmen eines großen Projektes kommt es ständig zu kleineren und größeren Adaptierungsmaßnahmen – so wird eben auch im Rahmen des Neubaus im Landesklinikum Mauer die Raumstruktur durch den Architekten entsprechend des Bedarfs angepasst“, sagt Holding-Sprecher Bernhard Jany.

Da sich das Bauprojekt noch in einem frühen Stadium befinde, werde es dadurch nicht zu Mehrkosten kommen und auch ein Baustopp (wie im Klinikum gerüchteweise kolportiert wird) sei nicht erfolgt. „Es liegen keinerlei Gründe dafür vor“, betont Jany.

Der Grund für die überraschende Verlegung der Akutpsychiatrie in den neuen Bettentrakt sei in der strategischen Gesamtausrichtung des Landesklinikums zu suchen. „Es soll ja als seelisches und geistiges Gesundheitszentrum, sowohl der Versorgung in den verschiedenen psychiatrischen Subdisziplinen hervorragend positioniert sein, aber auch in der Rolle des Ausbildners und Entwicklers von Fachärzten sowie Fachexperten aus der Pflege für den stationären und den niedergelassenen Bereich führend werden“, sagt Jany.

Im neuen Haus mit 55 stationären Betten werde durch Einbindung der Experten des Klinikums und des neuen Abteilungsleiters künftig den modernsten Kriterien der Versorgung psychiatrischer Patienten entsprochen, betont der Holdingsprecher.

Pavillon 1 bekommt künftig andere Nutzung

Die bisherige Erwachsenenpsychiatrie soll bis zur Fertigstellung der geplanten 20-Betten-Akutpsychiatrie im Universitätsklinikum St. Pölten für die Unterbringung dieser Patienten dienen.

„Danach können der Pavillon 1 und der Pavillon 3 beispielsweise für die Abteilungen Alkoholentzug und stationäre Psychotherapie genutzt werden. Damit wird auch für diese beiden Fachbereiche eine verbesserte Hotelkomponente hergestellt und es können die von den Patientenvertretungsorganisationen aufgezeigten Mängel gelöst werden“, betont Jany.

Das Land schaffe mit der Investition von rund 78 Millionen Euro im Klinikum Mauer auf jeden Fall eine nachhaltig verbesserte Versorgungssituation für psychiatrische Patienten in Niederösterreich.

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