Amstetten

Erstellt am 28. Juni 2016, 05:07

von Hermann Knapp

Spital: „Nachbesetzungen dauern viel zu lange“. Betriebsräte beklagen hohe Belastung des Personals durch zu viele Überstunden und üben Kritik an der Holding.

Betriebsräte im Landesklinikum Maue sind unzufrieden mit der Personalpolitik der Landesholding. Nachbesetzungen beim Ausscheiden von Mitarbeitern oder langfristigen Krankenständen dauern ihnen zu lange.   Foto: Hudler  |  NOEN

Die Betriebsräte des Landesklinikums Mauer schlagen wegen Überlastung des Personals Alarm.

„Sowohl bei langen Krankenständen oder Karenzen als auch beim Ausscheiden von Mitarbeitern erfolgt eine Nachbesetzung erst nach Monaten. Das verursacht Stress beim verbleibenden Personal, das dann natürlich mehr Dienste machen muss, was unweigerlich wieder zu vermehrten Krankenständen führt und so zu einer Überstundenspirale“, kritisieren die Personalvertreter.

Sie argwöhnen, dass die Löcher erst deshalb verspätet gestopft werden, um die Budgets nicht zu belasten – obwohl eine Überstunde ja im Grunde teurer käme als eine zeitgerechte Nachbesetzung einer offenen Stelle.

„Fordern anerkannte Berechnungsmethoden“

„Zudem muss das Pflegepersonal auch noch vermehrt ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Das hat bisher aber im Dienstpostenplan zu wenig Berücksichtigung gefunden. Die Holding lässt sich zwar jährlich für eine hervorragende Patientenbefragung feiern, diese kommt aber nur auf dem Rücken der Mitarbeiter zustande“, kritisieren die Betriebsräte.

Die Überstunden und Mehrleistungen wirkten sich zunehmend auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus – und das werde sich bald auch auf die Qualität der Leistungen niederschlagen. „Wir fordern daher wissenschaftlich anerkannte Personalberechnungsmethoden, die diesen Namen auch verdienen – und dann die Umsetzung der Ergebnisse durch die Entscheidungsträger im Management und in der Politik, nicht nur bei den medizinischen Mitarbeitern, sondern beim gesamten Personal“, sagen die Personalvertreter.

Es genüge nicht nur, für bauliche Investitionen zu sorgen, man müsse dann auch den laufenden Betrieb sicherstellen. „Und das funktioniert nur mit entsprechender Planung und transparenter Personalpolitik!“

„Krauter: Es wird verlässlich nachbesetzt“

Regionalmanager Andreas Krauter hält dem entgegen, dass es für die Nachbesetzung bei Krankenstand genaue Regelungen gäbe, die natürlich eingehalten würden. „So einfach wie sich das die Mitarbeiter auf den Stationen oft wünschen, geht es nicht. Aber auch wenn es etwas länger dauert, wird verlässlich nachbesetzt.“

Bei den Pensionierungen gäbe es, so Krauter, in einzelnen Berufsgruppen noch genug Bewerbungen, da werde dann sofort oder sogar überlappend nachbesetzt, um auch den Wissenstransfer sicherzustellen. In anderen Bereichen herrsche aber einfach ein Mangel an qualifizierten Bewerbern.

Dass die Krankenstandszahlen steigen, liege an der Demografie des Personals in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. „Die Belegschaft wird älter. Gerade in Mauer bemüht man sich aber darum, dass ältere Kollegen mit chronischen Beschwerden aufgrund der jahrelangen Belastung auf Kur und Rehabilitation gehen können“, betont Krauter. Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung gäbe es außerdem Angebote für körperliches und gesundheitliches Training der Mitarbeiter.

Bei der Berechnung des Personalbedarfs der Kliniken beziehe man sich in der Holding auf europäisch anerkannte Methoden. „Da sind die Sichtweisen aber eben unterschiedlich“, sagt Krauter.

STELLUNGNAHME:

Aussendung der Landeskliniken-Holding zu Kritik an der Personalpolitik in den NÖ-Kliniken.

  • Die Verantwortlichen im Land setzen alles daran, damit die Mitarbeiter gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Sowohl im ärztlichen wie auch pflegerischen Bereich sind in den letzten Jahren die Überstunden deutlich gesunken, wodurch mehr Ärzte-, wie auch Pflegestunden für die Arbeit am Patienten zur Verfügung stehen.
  • Derzeit sind nur rund 2,3 Prozent aller Dienstposten in den Klinikstandorten unbesetzt (ein nicht außergewöhnlicher Wert unter Berücksichtigung der üblichen Fluktuation). Im Dienstpostenplan 2017 wird es 84 Dienstposten mehr für die Kliniken in NÖ geben.
  • Bei der Übernahme von neuen Aufgaben durch die Pflege handelt es sich um Aufgaben, die bisher von Ärzten abgedeckt wurden, daher bestehen die Personalressourcen für diese Dienstposten im Haus und müssen neu gewidmet werden. Prinzipiell handelt es sich nicht um zusätzliche und neue Aufgaben, sondern um eine Verteilung von Aufgaben, die durch unterschiedliche Berufsgruppen übernommen werden.
  • In allen klinischen Abteilungen, wo Arztdienstposten unbesetzt sind, laufen permanent Ausschreibungen. Es ist aber schon so, dass nicht ein Mehr an Studienabsolventen zur Verfügung steht, sondern dass mittlerweile die Bundesländer sowie die Regionen Europas im starken Wettbewerb um zukünftige Mitarbeitende im medizinischen Bereich stehen.