Erstellt am 15. Februar 2016, 12:19

von Doris Schleifer-Höderl

Lebensmittel als Luxus. Im Vorjahr haben täglich im Schnitt 92 Kunden im Sozialmarkt eingekauft. Es werden also von Jahr zu Jahr mehr. Insgesamt hat man schon 1.347 Einkaufspässe ausgestellt.

Marktleiterin Inge Höblinger und Regionalmanagerin Anneliese Dörr mit den Tafeln, die die SOMA-Ware außer in Deutsch in vier weiteren Sprachen angibt. Denn seit Mitte des vergangenen Jahres frequentieren immer mehr Asylwerber den Amstettner Sozialmarkt. Foto: Doris Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl
Noch bevor sich die Türen des Sozialmarktes in der Wagmeisterstraße 7 öffnen, warten schon einige Kunden auf den Einlass. Täglich frequentierten 2015 an die 92 Personen den Markt, 2014 waren es noch 85. Insgesamt wurden bis 11. Jänner 2016 schon 1.347 Einkaufspässe ausgestellt.

23.965 Einkäufe wurden im Vorjahr getätigt

Die am stärksten vertretene Gruppe unter den Kunden sind mit 27 Prozent Pensionisten, gefolgt von der Gruppe der Menschen ohne Erwerbstätigkeit mit 26 Prozent. Insgesamt wurden im Vorjahr 23.965 Einkäufe getätigt und im Durchschnitt pro Einkauf 6,50 Euro ausgegeben. Fakt ist, offensichtlich werden für viele Mitmenschen Lebensmittel immer mehr zum Luxus.

„Im Vorjahr überwog die Gruppe der Sozialmarkt-Kunden im Alter von 31 bis 50 Jahren mit 43 Prozent, gefolgt von der Gruppe der 51- bis 65-jährigen mit 24 Prozent“, wie Anneliese Dörr, Regionalmanagerin der gemeinnützigen Organisation SAM NÖ, die Träger von sieben fixen SOMA-Standorten sowie zwei mobilen Sozialmärkten in Niederösterreich ist, berichtet.

56,50 Prozent der Kunden in Amstetten waren im Vorjahr Frauen und 63 Prozent österreichische Staatsbürger. „Aufgefallen ist uns ab der Jahresmitte, dass auch Asylwerber vermehrt bei uns einkaufen“, sagt Amstettens Marktleiterin Inge Höblinger.

Warenkennzeichnung in mehreren Sprachen

„Daher haben wir Tafeln erstellt, die unsere Waren außer in Deutsch auch in Englisch, Russisch, Arabisch und Türkisch angeben, damit die Kunden einen besseren Überblick erhalten.“

Noch immer gibt es Menschen, für die es mental eine große Hürde bedeutet, den Sozialmarkt überhaupt zu betreten. „Aber wenn sie diesen Schritt gewagt haben, dann merken sie rasch, dass sie bei uns niemand schief anschaut“, sagt Höblinger.

Im Gegenteil: Zeit für ein paar nette Worte ist im Markt immer und neben dem Einkauf gibt es auch die Möglichkeit im SOMA-Café das eine oder andere Plauscherl zu führen und mittags ein günstiges Menü zu genießen. Mittlerweile sind es zwischen 40 und 60 Portionen, die die fleißige Küchencrew kredenzt.

Die 32 ehrenamtlichen Mitarbeiter und die sieben Transitmitarbeiter rund um Inge Höblinger sorgen für eine familiäre Atmosphäre und lassen Ressentiments erst gar keine Chance. „In diesen angespannten Zeiten muss man zusammenhalten. Denn niemand ist heute davor gefeit, vielleicht morgen schon SOMA-Kunde zu sein“, gibt Inge Höblinger zu bedenken.
 

SOMA

  • Der Sozialmarkt versucht Personen mit geringem Einkommen unter dem Motto „Verteilen statt vernichten“ die Möglichkeit zu geben, dreimal pro Woche mit dem SOMA-Einkaufspass um maximal zehn Euro einzukaufen. Die Ware wird von Industrie und Handel zur Verfügung gestellt. 2015 wurden so durch die Tätigkeit des SOMA-Teams Amstetten an die 185.365 Kilogramm qualitativ hochwertiger Lebensmittel vor der Vernichtung bewahrt.

  • SOMA Amstetten sucht dringend ehrenamtliche Mitarbeiter.

  • Tel. 0676/88044666 .