Erstellt am 17. März 2016, 06:44

von Hermann Knapp

Mostbaron: Auch mit 60 Jahren noch ein Visionär. Der Zeillerner Mostbaron Josef Zeiner blickt auf arbeitsreiche und erfolgreiche Jahre zurück. Die Mostkultur bietet für ihn im hohen Segment noch immer große Chancen.

Mostbaron Josef Zeiner feierte den 60. Geburtstag. Der jahrelange Vorreiter in Sachen Mostkultur hat noch viele Ideen. Dennoch will er künftig ein wenig leiser treten und sich mehr auf den Betrieb zuhause konzentrieren. Foto: Hudler  |  NOEN, Hudler
Auch wenn er mit 60 ein wenig leiser treten will, wird Mostbaron Josef Zeiners Stimme in Sachen Mostkultur im Bezirk bestimmt weiterhin großes Gewicht haben. Aus gutem Grund: Denn er gehörte zu den ersten, die schon vor mehr als 25 Jahren das Potenzial des Mostes erkannten – als qualitativ hochstehendes Getränk und auch als touristischer Faktor.

Bis zu 150 Reisegruppen jährlich

Schließlich hängte Zeiner seinen Job bei der Molkerei an den Nagel und beschloss, seine wirtschaftliche Existenz ganz auf die Karte Most zu setzen. „Die Idee einen Heurigen zu eröffnen, hatte eigentlich mein Vater. Er meinte, dass der Stall sich dafür gut eignen würde“, erinnert sich der Mostbaron. 1991 hatte er einen Unfall und im Spital reifte endgültig der Entschluss das Mostg’wölb zu erschaffen.

Daraus entwickelte sich eine Erfolgsgeschichte. Bis zu 150 Reisegruppen kommen jährlich nach Zeillern, viele davon aus Deutschland. Und die Einheimischen wissen sowieso, dass im Most’gwölb immer hervorragender Most und eine schmackhafte Jause auf sie warten.

Dafür bürgen auch Zeiners Frau Aloisia, die für ihre gute Küche bekannt ist, und Sohn Manfred, der mit seinem Speck schon hohe Auszeichnungen einheimste. Überhaupt zieren zahlreiche bei der Ab-Hof-Messe in Wieselburg errungene Medaillen das Mostg’wölb: Deutliches Zeichen dafür, dass bei den Zeiners Qualität großgeschrieben wird.

Zum 60. Geburtstag stellten sich natürlich auch die Mostbarone als Gratulanten ein, was Zeiner sehr freute: „Am Anfang hat es Rivalität zwischen uns gegeben, aber inzwischen sind wir längst gute Freunde geworden, weil wir wissen, dass einer allein nichts bewegen kann. Nur gemeinsam sind wir stark“, sagt er. Auch das Verhältnis zu den Moststraßenwirten sei sehr gut.

„Mostkultur ist eine gewaltige Chance“

Natürlich weiß Zeiner auch die eine oder andere Anekdote zu erzählen – etwa wie es zum Namen Gödn-Most kam. „In meiner Kindheit hat mich mein Vater in den Keller mitgenommen und dann haben wir das beste Fass Most herausgesucht. Da wusste ich, dass am nächsten Tag der Göd kommen würde und der Most für ihn ist. Gödn-Most und Godn-Most stehen also für Qualität. Das wissen auch unsere Kunden.“

Die Mostbarone haben aber längst auch noch eine andere Qualitätsschiene ins Leben gerufen: Die Gourmetmoste Brous, Preh und Exibatur machen qualitativ auch Spitzen-Weinen Konkurrenz.

Zeiner sieht die Mostkultur im obersten Segment nach wie vor als gewaltige Chance für die Region und glaubt, dass sie noch mehr Produzenten vertragen würde. „Gerade in Zeiten, in denen die Milch- und Fleischpreise so niedrig sind, könnte sich da mancher ein zusätzliches Standbein schaffen.“

Zudem würde, so der Mostbaron, durch mehr Produzenten auch der Birnbaumbestand gesichert. Für Zeiner wäre es höchst an der Zeit, die Bäume genau zu kartieren und zu analysieren: „Denn wenn wir die Produktionsmengen besser einschätzen könnten, wäre es auch möglich, die Erwartungshaltung großer Verarbeiter zu erfüllen und internationale Märkte aufzureißen.“

Doch diesen Schritt sieht der Mostbaron nicht mehr als seine Aufgabe an. Da muss die Jugend ran. „Ich will mich mehr auf den Betrieb zuhause konzentrieren. Ich habe mit meiner Familie die Möglichkeit zu arbeiten und zu wohnen, wo tausende Leute alle Jahre ihre Freizeit verbringen. Etwas Schöneres kann ich mir nicht wünschen.“