Amstetten

Erstellt am 20. April 2017, 05:43

von Doris Schleifer-Höderl

„Herr Prosecco“ sagt Adieu. Nach zwanzig Jahren als Direktor der Regionalmusikschule Amstetten geht Robert Pussecker demnächst in Rente. Doch der Musik schwört er trotzdem nicht ab.

„Auch wenn ich bald als Musikschuldirektor in Pension gehe, werde ich das Musizieren nicht sein lassen“, verspricht Robert Pussecker seinen zahlreichen Fans.  |  Doris Schleifer-Höderl

„Ausgerechnet am Tag der Arbeit, am 1. Mai, lege ich meine Arbeit als Musikschuldirektor nieder“, berichtet Robert Pussecker schmunzelnd. „Aber natürlich werde ich auch in der Pension das Musizieren nicht lassen!“

„Für mich war Musik immer Teil der Allgemeinbildung“

Man erwartet sich auch nichts anderes von einem 62-jährigen Vollblutmusiker, der bereits im Alter von fünf Jahren seine ersten Kompositionen zu Papier gebracht hat. Ihn weiterhin in diversen Formationen hören zu können, beruhigt. Bereits Ende der 1970er-Jahre begann der gebürtige Scheibbser an der Regionalmusikschule zu unterrichten, 1997 wurde er schließlich deren Leiter.

Pro Jahr werden an die 700 Schüler von 33 ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet. Das breite Unterrichts- und Fächerangebot reicht dabei von Volksmusik bis Klassik, Pop, Rock- und Jazzmusik, über Ballett- und modernen Tanzunterricht, bis Gesangs- und Instrumentalunterricht, Ensemble- und Orchestermusizieren. Unter anderem werden auch Mangelinstrumente wie Oboe, Fagott, Kontrabass, Tuba und Zither angeboten.

„Für mich ist es immer außer Frage gestanden, dass Musik Teil der Allgemeinbildung ist“, so Robert Pussecker. „Auch die Stadtgemeinde hat dies erkannt und mich stets unterstützt. Dafür bin ich dankbar, denn ohne Musik wäre unser aller Leben ein Irrtum!“

Pussecker weiß viele Geschichten zu erzählen

Pussecker, der Blockflöte, Klarinette, Querflöte und Saxophon unterrichtet, wollte eigentlich Fußballer werden und ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Er bereute es nie, dann doch die Musikerlaufbahn eingeschlagen zu haben. „Der Spruch ,Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder‘ hat schon etwas für sich. Musik verbindet Kulturen, ohne viele Worte zu benötigen und das gefällt mir.“ Dieses Gefühl versuchte er auch der nachfolgenden Generation zu vermitteln.

Wie viele Schüler er im Laufe der Jahrzehnte unterrichtet hat, kann Pussecker nicht genau sagen. „Schön ist aber, dass ich auch die Kinder und Enkelkinder von vielen ehemaligen Schülern bei mir hatte. Das zeigt mir auch, dass sie Freude an der Musik mitgenommen haben und weitergeben!“

Der scheidende Musikschuldirektor erinnert sich an so manches nette und auch erheiternde Erlebnis: „Es ist schon einige Jahre her, da unterrichtete ich ein kleines Mäderl in Blockflöte. Sie war fünf Jahre alt und tat sich bei der richtigen Aussprache meines Nachnamens etwas schwer. So taufte sie mich kurzer Hand von Herr Pussecker in Herr Prosecco um. Mittlerweile ist sie erwachsen und spielt Querflöte in der Stadtkapelle. Über den Herrn Prosecco lachen wir noch heute gemeinsam!“

Auch der Nachfolger steht schon fest

Pusseckers will auch bei Bedarf seinem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite stehen: „Ich bin ja nicht aus der Welt!“ Wer neuer Direktor wird, steht übrigens schon fest: Markus Baumann hat das Hearing für sich entschieden. Der Wiener unterrichtet in Amstetten schon seit 31 Jahren Violine, Viola, Kammermusik und Orchester.

Robert Pussecker freut sich jetzt auf mehr Zeit mit Gattin Eva. Die beiden planen bereits Ausflüge und Reisen. „Aber nicht vor Juni, denn im Mai kommt unser drittes Enkelkind auf die Welt. Da kann ich unmöglich weg“, erklärt der begeisterte Opa.