Erstellt am 08. April 2016, 06:04

von Hermann Knapp

Nach 41 Jahren im Polizeidienst: „War eine wunderbare Zeit“. Nach 41 Jahren im Gendarmerie- und Polizeidienst geht Friedrich Esletzbichler in Pension: Ein Rückblick auf bewegte Jahre, Hainburger Au und eine unfreiwillige Ruderpartie.

Kontrollinspektor Friedrich Esletzbichler ist mit 31. März in den Ruhestand getreten. In seinen 42 Jahren im Gendarmerie- und Polizeidienst hat er viel erlebt. Sein Resümee fällt positiv aus: »Es war eine wunderbare Zeit.« Foto: Hudler  |  NOEN, Heribert Hudler
Kontrollinspektor Friedrich Esletzbichler hat in seinen langen Jahren als Gendarm und Polizist viel erlebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der 19. Dezember 1984 in der Hainburger Au. „Es war mein erster Einsatz als Diensthundeführer. Ich sollte mit anderen Kollegen dafür sorgen, dass die Demonstranten Abstand von den Schubraupen halten.“

Das war allerdings ein aussichtsloses Unterfangen. „Denn als um 6 Uhr die Motoren aufheulten, waren die Leute nicht mehr zu halten. Sie brachen durch und kletterten auf die fahrenden Fahrzeuge. Es wundert mich bis heute, dass es da keine Verletzten oder gar Tote gab“, sagt Esletzbichler.

„Bei Lichterprozession Nitschs persönlicher Bewacher“

Live mit dabei war der in St. Georgen am Ybbsfelde lebende Polizist im Jahr 1984 auch bei den ersten Mysterientheatern von Hermann Nitsch. Wieder war er mit seinem Hund im Einsatz und es galt, die Demonstranten mit Pornojäger Martin Humer an der Spitze von den Teilnehmern der Mysterienspiele fernzuhalten. „Bei einer mitternächtlichen Lichterprozession fungierte ich sogar als Nitschs persönlicher Bewacher“, erzählt Esletzbichler.

Gern erinnert er sich an jenen Tag zurück, an dem er und sein Hund zu Lebensrettern wurden. Sie entdeckten in einem Waldstück eine junge Frau, die schon seit einem Tag abgängig war. Sie war Epileptikerin, hatte einen Anfall erlitten und das Bewusstsein verloren. Für diesen Einsatz wurde Esletzbichler auch ausgezeichnet.

Nach Oed kam Esletzbichler im Jahr 1999 als Kommandantstellvertreter. 2013 übernahm er schließlich die Leitung der Dienststelle. Schon im Jahr darauf wurde sie aufgewertet. Die Polizeiinspektion Aschbach wurde aufgelassen und die Zahl der Beamten in Oed daher auf zehn aufgestockt.

Autobahnanschluss sorgte für mehr Arbeit

Esletzbichler berichtet, dass sich der Arbeitsaufwand im Laufe der Jahre gewaltig gesteigert hat. Dazu trug vor allem der Autobahnanschluss bei, der 2004 eröffnet wurde, aber auch die Errichtung der Oldtimer-Großtankstelle mit Rund-um-die-Uhr-Betrieb: Tankbetrüger, Zechpreller, Fahndungstätigkeit und Einbruchserien durch ausländische Banden gehören seitdem zum Berufsalltag der Oeder Polizisten.

Im Vorjahr sorgte auch die Flüchtlingskrise für große Herausforderungen. Einmal wurden gleich 32 Menschen ausgesetzt und irrten auf der B1 umher. Sie alle nach dem Dublin-3-Abkommen zu registrieren, bedeutete einen gewaltigen Arbeitsaufwand.

Esletzbichler zeichnete sich gerade in schwierigen Situationen immer durch überlegtes Handeln aus, wie ihm seine Kollegen bescheinigen. „Wenn man eine so lange Dienstzeit hinter sich hat, gibt es kaum noch etwas, was man nicht erlebt hat“, hat er auch eine einleuchtende Erklärung dafür.

Adler-Schreibmaschine und Stangl-Puch

Enorm waren die technischen Veränderungen während der 42-jährigen Dienstzeit des gebürtigen Lackenhofers. „Als ich 1975 in Maria Enzersdorf anfing, tippten wir auf einer Adler-Schreibmaschine und hatten noch nicht einmal ein Handfunkgerät. An Fahrzeugen standen uns zwei Stangl-Puchs und ein VW-Käfer zur Verfügung. Der war aber das Heiligtum des Postenkommandanten“, erinnert sich Esletzbichler schmunzelnd.

Er hat seinen Beruf bis zum letzten Tag geliebt und würde sich sofort wieder dafür entscheiden: „Es ist eine sehr abwechslungsreiche und interessante Aufgabe. Natürlich birgt der Dienst auch ein gewisses Gefahrenpotenzial, aber damit lebt man einfach.“

In Oed hat der Kommandant zuletzt ein sehr junges Team geführt, dabei war er noch bis zu seinem 56. Lebensjahr selbst der jüngste Beamte auf der Inspektion. Doch dann kam eine wahre Pensionswelle. „Und zu meinem 60er war ich dann plötzlich schon der Älteste.“ Seinen Kollegen stellt Esletzbichler ein gutes Zeugnis aus. „Sie sind mit viel Elan dabei. Mir war aber immer auch wichtig, dass sie im Einsatz größte Vorsicht walten lassen.“

Am 31. März nahm Friedrich Esletzbichler offiziell Abschied und lud die Bürgermeister der Rayonsgemeinden und Kollegen zu einer kleinen Feier ein. In seiner Laudatio lobte Bezirkskommandant Horst Schmutzer Esletzbichler als „guten, menschlichen Gendarmen.“

Bei Zillenfahrt ging einmal der Sprit aus ...

Dann kam er auch auf eine heitere Episode in der 42-jährigen Dienstzeit des scheidenden Inspektionskommandanten zu sprechen. Der Posten Oed hatte vor etlichen Jahren auch eine Zille, weil ja Wallsee zum Überwachungsgebiet gehört. Esletzbichler war als Bootsführer vorgesehen, doch bei einer Fahrt, die er mit Schmutzer und einem dritten Kollegen auf der Donau unternahm, ging ihnen plötzlich der Sprit aus.

Im Schweiße ihres Angesichts retteten die Beamten sich mit behelfsmäßigen Rudern ans Ufer. Damit, dass der Posten bald darauf die Zille abgeben musste, hatte der Vorfall aber nichts zu tun – behaupten zumindest alle Beteiligten.

Für seine Verdienste hat Esletzbichler hohe Auszeichnungen erhalten – erst im Vorjahr das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.

Hundeführer

Hundeführer war Friedrich Esletzbichler von 1982 bis 2000. Von 1993 bis 1999 fungierte er sogar als Landesausbildungsleiter der Diensthundeführer in NÖ. 1999 stieg er aus gesundheitlichen Gründen aus.

Sein Hund Rico begleitete ihn nach Oed, wo Esletzbichler am 1. Jänner 1999 Postenkommandantstellvertreter wurde. Im Jahr 2000 verabschiedete der damalige Innenminister Ernst Strasser Rico persönlich in die Pension. Natürlich bekam der Schäferhund bei seinem Herrchen das Gnadenbrot.