Neuhofen an der Ybbs

Erstellt am 19. Juli 2016, 06:20

von Daniela Führer

Zivilcourage: 17-jähriger Retter in der Not. Einjähriger zog heißen Tee vom Herd und verbrannte sich heftig. Markus Wagenhofer war gerade noch im Feuerwehrhaus, da rief ihn der Vater des Kleinen zu Hilfe.

Stolz auf die Zivilcourage von Markus Wagenhofer (Mitte): vom Verein "Gemeinsam in Neuhofen" Johann Danzer und Margit Dorrer, Feuerwehrkommandant Leopold Gaizenauer, Kommandantstellvertreter Markus Nagelhofer und Bürgermeister Gottfried Eidler (v.l.).  |  Hudler

Es geschah am Dienstagabend gegen 21.15 Uhr: Feuerwehrmann Markus Wagenhofer kam gerade von einem Einsatz zurück. Bei Nachbarn stand der Keller unter Wasser, der 17-Jährige hatte bei den Auspumparbeiten geholfen. Bereits am Weg nach Hause bemerkte er, dass er seine Schlüssel im Feuerwehrhaus vergessen hatte und machte kehrt.

Zum Glück für die syrische Familie, die unweit des Feuerwehrhauses lebt. Zeitgleich ereignete sich nämlich ein schwerer Haushaltsunfall. Der kleinste Sprössling der Familie, gerade einmal ein Jahr alt, hatte einen Topf mit heißem Tee vom Herd gezogen und sich stark an Brustkorb, Hals und Armen verbrüht.

Kind musste notoperiert werden

Der Vater des Kleinen lief in seiner Verzweiflung nach draußen, da sein Handy nicht funktionierte. Er sah Licht im Feuerwehrhaus und klopfte ans Fenster. „Er schrie ‚Kind, heißes Wasser!‘ Ich habe ihn kaum verstanden, aber ich wusste gleich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Wir liefen hinüber und da hörte ich schon ein Kind laut schreien“, erzählt Markus. Noch am Weg in die Wohnung alarmierte er die Rettung. „Ich habe das Kind dann sofort mit nassen Tüchern gekühlt.“ In der Zwischenzeit kam auch eine Nachbarin zu Hilfe.  Gemeinsam versorgten sie das Kleinkind und beruhigten die verzweifelten Eltern.

Binnen weniger Minuten war auch schon die Rettung vor Ort. Der Einjährige wurde zunächst ins Landesklinikum Amstetten, dann weiter ins Spital St. Pölten gebracht, wo er noch in der Nacht notoperiert wurde.

Mittlerweile geht es dem Einjährigen den Umständen entsprechend gut. „Alle sind sehr zuversichtlich und positiv eingestellt“, teilt der Verein „Gemeinsam in Neuhofen“, der sich um die Flüchtlingsfamilien in der Gemeinde kümmert, mit. „Der Kleine hat auch schon wieder ein wenig gespielt.“

 „Ich habe ihn kaum verstanden, aber ich wusste gleich, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.“

Markus Wagenhofer über die Begegnung mit dem Vater 

Voll des Lobes für die Zivilcourage von Markus Wagenhofer sind seine Feuerwehrkameraden: „Wir sind stolz auf Markus’ Leistung. Allzeit bereit zu sein und den Mitmenschen in Not bedingungslos zu helfen, ist einer der wichtigsten Werte in der Feuerwehrausbildung. Es ist schön, zu sehen, dass dieser Grundsatz nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt wird. Im Namen der Feuerwehr sprechen wir der Familie unser Mitgefühl aus und wünschen dem Patienten alles Gute und eine schnelle, vollständige Genesung“, sagen Kommandant Leopold Gaizenauer und sein Stellvertreter Markus Nagelhofer.