Erstellt am 15. März 2016, 05:09

von Hermann Knapp

Neustart für die Elisabethwarte. Der Aussichtsturm wird von innen wieder begehbar gemacht – und von außen bekletterbar.

Ziehen alle an einem Strang zur Erhaltung der Elisabethwarte: Kürnbergs Ortsvorsteher Alois Seirlehner, Weistrachs Bürgermeister Erwin Pittersberger, Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer, Alpenverein-Sektionsobmann Hermann Sonnleitner und St. Peters Ortschef Johannes Heuras. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
Seit fast zwei Jahren liegt die Elisabethwarte am Plattenberg nun schon im Dornröschenschlaf. Doch der Prinz, der sie wachküssen wird, naht – und zwar in Gestalt eines Leaderprojektes.

Die Gemeinden Weistrach, St. Peter in der Au, der Alpenverein Sektion St. Peter in der Au und die Moststraße haben sich zusammengetan um das touristische Juwel den Mostviertlern wieder zugänglich zu machen.

Bürgermeister suchte das Gespräch

Tausende Wanderer sind jährlich am Plattenberg unterwegs und viele davon würden gerne von der Aussichtsplattform aus das atemberaubende Panorama genießen.

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Derzeit ist das vor allem aus bau- und sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich. Der Alpenverein, dem die Warte gehört, wollte sich eher auf seine Kernaufgaben konzentrieren (Erhaltung der Alpenvereinshütten und Pflege der Wege) als auf die Sanierung eines touristischen Ausflugsziels.

„Es gab von unserer Seite aus zwar Bemühungen die aufgelisteten Mängel unbürokratisch und mit geringem Aufwand zu beheben, aber diese sind leider gescheitert, weshalb eine Wiedereröffnung nicht mehr zur Diskussion stand“, berichtet Alpenvereins-Sektionsleiter Hermann Sonnleitner.

Das war aber vor allem Weitrachs Bürgermeister Erwin Pittersberger ein Dorn im Auge. „Der Plattenberg ist die höchste Erhebung in der Gemeinde und die Warte ist so etwas wie das geheime Wahrzeichen Weistrachs. Daher ist es mir wichtig, dass sie den Wanderern zugänglich ist“, sagt der Ortschef.

Er suchte deshalb auch im Spätherbst 2015 wieder das Gespräch mit dem Alpenverein und tatsächlich gelang eine Einigung. Die Gemeinde Weistrach pachtete die Elisbethwarte auf unbestimmte Zeit.

Baulicher Zustand schlechter als erwartet

Pittersbergers Hoffnung war es, die Warte zu sanieren und schon in diesem Frühjahr wieder für die Wanderer zu öffnen. Doch einer Begutachtung durch zwei Baumeister folgte prompt die Hiobsbotschaft: Die baulichen Mängel sind weitaus größer als ursprünglich vermutet.

„Die Kosten, um die Warte wieder in einen Zustand zu versetzen, der eine touristische Nutzung möglich macht, liegen weit jenseits der 50.000 Euro“, sagt Pittersberger. Da war guter Rat teuer.

Doch nun ergriff Hermann Sonnleitner wieder die Initiative und versuchte über den Alpenverein, der ja nach wie vor Eigner der Warte ist, Fördermittel für die Sanierungsmaßnahmen zu lukrieren. Vorerst vergeblich. „In der Ablehnung hieß es immer, dass förderungswürdige Projekte neu, publikumswirksam und touristisch wertvoll sein müssten“, berichtet der St. Peterer Alpenvereins-Sektionsleiter.

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Nach einer Nachdenkpause wurde daher im Jänner eine Idee reaktiviert, die schon länger in den Köpfen herumspukte – nämlich die Warte nicht nur von innen begehbar zu machen, sondern auch von außen bekletterbar.

Und unter dem schmissigen Namen „Rock the Sissi“ und einem passenden Logo (siehe links) wurde das neue Konzept den Förderstellen präsentiert. Und diesmal gab es Zustimmung. „Es wurde uns eine Subvention im Rahmen eines Leaderprojektes der Moststraße in Aussicht gestellt – in Höhe von 65 Prozent der Projektkosten“, freut sich Bürgermeister Pittersberger.

Kürnbergern ist Warte auch ein Anliegen

Mit im Boot ist neben der Gemeinde Weistrach und dem Alpenverein auch die Gemeinde St. Peter in der Au.

„Die Warte steht ja unmittelbar neben unserem Gemeindegebiet und die Kürnberger identifizieren sich damit. Wenn es eine Möglichkeit gibt, sie zu erhalten, dann beteiligen wir uns auch daran“, sagt Bürgermeister Johannes Heuras.

Abgewickelt wird das Projekt vom Alpenverein mit Unterstützung der Gemeinde Weistrach.
Im Frühjahr nächsten Jahres soll die Warte in neuem Glanz erstrahlen und auf drei Seiten auch bekletterbar sein. Das macht sie natürlich für den Alpenverein selbst auch attraktiver, der künftig zum Beispiel auch Kletterkurse bei der Warte anbieten könnte.

Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer begrüßt das Projekt: „Die Elisabethwarte ist eine touristische Besonderheit im Mostviertel. Ihre Instandsetzung hat nachhaltigen Wert!“

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Die Elisabethwarte:

  • Schon im 19. Jahrhundert hatte es auf dem Plattenberg eine hölzerne Warte gegeben, die vor allem militärischen Zwecken diente.

  • Die Elisabethwarte in ihrer heutigen Form, einem zinnenbekrönten Turm mit fünf Geschoßen, wurde vor der Jahrhundertwende errichtet und am 23. September 1900 feierlich eröffnet. Benannt wurde sie nach Kaiserin Elisabeth, die ja 1898 ermordet worden war. Über dem Eingang befindet sich auch eine Büste der Kaiserin.

  • Insgesamt 82 Stufen führen auf die Aussichtsplattform, von der man einen einzigartigen Blick über das Alpenvorland hat: Vom Toten Gebirge im Süden bis ins Donautal reicht die Sicht, und bei gutem Wetter kann man Linz sehen.

  • Die Warte ist im Eigentum des Alpenvereins Sektion St. Peter. In den Jahren 1979 und 1999 fanden Sanierungen statt. Schon von 1997-1999 war die Warte aus baulichen Gründen geschlossen, seit Februar 2014 ist sie wieder zu.