Erstellt am 17. November 2015, 00:23

von Daniela Führer

NÖN-Leopold für Leopold: „Ein Vorbild für andere“. Ein Mann glänzte besonders bei der 16. Verleihung des großen Preises der NÖN: Lebensretter Leopold Hehenberger erhielt den NÖN-Leopold in der Kategorie Courage.

Preisträger Leopold Hehenberger erinnert sich: „Mir half es sehr, als ich hörte, dass alle drei Verletzten am Weg der Besserung seien.“  |  NOEN, Erich Marschik

Kerzen und Blumen am Straßenrand erinnern heute noch an das tragische Unglück vom 6. Juni. Fünf Freunde im Alter von 16 bis 17 Jahren aus Neustadtl und Viehdorf machten sich an diesem Samstagnachmittag auf zum Ausee in Blindenmarkt. Doch sie kamen dort nie an.

Keine Sekunde gezögert, Feuerlöscher geschnappt

Der Pkw des jungen Fahrzeuglenkers geriet ins Schleudern, kam von der Fahrbahn ab und prallte an der L 6018 zwischen St. Georgen/Ybbsfelde und Blindenmarkt frontal gegen einen betonierten Verteilerkasten. Der Wagen überschlug sich, blieb am Dach liegen und fing sogleich Feuer. Für den Lenker und seinen Beifahrer kam jede Hilfe zu spät.

Doch die drei Burschen auf der Rückbank hatten einen Schutzengel: den Landwirt und pensionierten Pädagogen Leopold Hehenberger aus Prasdorf, Blindenmarkt. Er fuhr damals gerade mit seinem Traktor nach Hause.

„Ich habe den Knall vom Unfall gar nicht wahrgenommen. Als ich mich der Unfallstelle näherte, merkte ich zuerst nur, dass der Betonpfeiler ganz schief da stand. Das kam mir komisch vor“, erinnert sich Leopold Hehenberger. Dann sah er das brennende Unfallauto. „Da hatte ich schon Reisgang. Man sieht in Filmen ja immer wieder, wie brennende Autos explodieren“, sagt er heute.

Doch trotz dieser Bilder im Kopf zögerte er keine Sekunde, schnappte sich einen Feuerlöscher von zwei jungen Männern, die kurz vor ihm an der Unfallstelle eingetroffen waren, und begann, den Brand am Wagen zu löschen. Er erinnert sich noch gut an die beklemmende Stille: „Man hörte nur das Feuer. Ich sah zunächst niemanden im Fahrzeuginneren. Es war so dunkel durch den Schatten und völlig still. Dann hörte ich allmählich Hilferufe und ich sah Hände, die sich aus dem Fenster streckten“, beschreibt er.

Leopold Hehenberger: „Habe Auftrag gespürt“

Sofort zog er einen verletzten Burschen nach dem anderen aus dem Pkw. „Ich war aber eigentlich das zweite Glied in der Rettungskette. Das erste waren die Burschen selbst, denn sie haben sich noch selbst abgeschnallt. Hätten sie das nicht geschafft, hätte ich keine Chance gehabt“, erklärt Hehenberger. Er hob auch den Einsatz herbei eilender Menschen hervor: „So viele kamen gleich zu Hilfe.“

Für seine Tat, die er an jenem Samstagnachmittag als „Auftrag gespürt“ hat, wurde ihm nun der Große Preis der NÖN, der NÖN-Leopold, in der Kategorie Courage, verliehen.

Zur großen Freude des Preisträgers waren auch die Familien und zwei der verunfallten Burschen persönlich bei der Preisübergabe im Gasthaus Pitzl in Blindenmarkt dabei. Der Kontakt zu den jungen Männern und ihren Familien ist nach wie vor ein enger. „Und ich hoffe, dass wir immer in Verbindung bleiben werden“, sagte Hehenberger. Mit seinem Preis möchte er einmal mehr darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, zu helfen: „Man kann nichts falsch machen, wenn man nur hilft.“

„Du bist hingegangen und hast nicht weggeschaut“

„Wir stehen hier voll Demut vor den Schicksalen und voll Hochachtung vor der Zivilcourage von Herrn Hehenberger“, brachte es der erste NÖN-Chefredakteur, Harald Knabl, bei der Leopold-Verleihung auf den Punkt.

Auch Willi Sauer, Präsident des NÖ Roten Kreuzes, sprach seine höchste Anerkennung aus: „Es ist nicht selbstverständlich, dass man in solchen Situationen einschreitet“, weiß er und wandte sich direkt an den Preisträger: „Du bist hingegangen und hast nicht weggeschaut, dafür braucht es wirklich Courage. Vergelt‘s Gott, du bist ein Vorbild für andere.“

Der Vater eines der verstorbenen Burschen sprach Leopold Hehenberger stellvertretend für alle Betroffenen auch tiefsten Dank aus: „Es gab uns so viel Kraft, als wir hörten, dass drei Burschen überlebt haben. Und das nur, weil du so schnell gehandelt hast.“

NÖN.at hatte über den schrecklichen Unfall berichtet: