Erstellt am 30. Oktober 2015, 05:22

Pädagogin Kindslehner: „Symphonie der edelsten Künste“. Gertrud Kindslehner über ihre ganz persönliche Beziehung zum Sonntagberg.

Die Waidhofner Pädagogin Gertrud Kindslehner macht die barocke Prachtentfaltung in der Basilika am Sonntagberg staunend. Foto: privat  |  NOEN, privat
„Host heit no ka guade Stund g’hobt? Dann geh auf’n Suntaberg, do gehst a guade Stund!“ So lautet ein bekannter Ausspruch der Waidhofener und ihrer Nachbarn.

Und tatsächlich: von Böhlerwerk aus erklimmt ein halbwegs geübter Wanderer den weithin sichtbaren Sandsteinhügel spielend in einer Stunde, wo er für die kleine Mühe durch einen großartigen Ausblick belohnt wird: Im Norden erstreckt sich die bunte Ebene Richtung Amstetten, im Süden verschlägt einem der Anblick der Voralpen vom Ötscher bis zum Großen Priel den Atem.

Der liebevoll gestaltete Panoramaweg vom oberen Parkplatz bis zur Kirche mit Brunnen und geologisch-historischen Merktafeln lässt den Wanderer verstehen, warum dieser einst keltische Kraftplatz für den Bau einer der prächtigsten Jakob Prandtauer-Basiliken gewählt wurde.

Und nicht wenige Erholungssuchende kommen im Sommer eigens nach einem anstrengenden Arbeitstag auf die Rampe vor der Kirche, um das Schauspiel eines majestätischen Sonnenunterganges zu erleben.

Wer dann das Glück hat, das Innere der Basilika zum ersten Mal vom sonst verschlossenen Westportal zu erblicken, dem stockt noch einmal der Atem bei so viel barocker Prachtentfaltung: die harmonische Architektur der riesigen Halle, die vielsagenden Deckenfresken des Daniel Gran („della torre Viennensis 1743 fecit“), die überlebensgroßen, holzgeschnitzten, weißgestrichenen und jetzt unter Wurmbefall und Feuchtigkeit leidenden Statuen am Hochaltar, die man für Marmorfiguren hält, (um nur einiges aufzuzählen), dies alles ist eine Symphonie der edelsten Künste, leidend am Zahn der Zeit.

Und wer einmal in diesem Gotteshaus ein Oratorium wie Händels „Messias“ oder Mendelssohns „Elias“ gehört und erlebt hat, gespielt vom Waidhofener Kammerorchester, gesungen von den Allhartsberger Cantores Dei, der möchte diese Symbiose der Künste für immer erhalten wissen.

Den Kelten ein Kraftplatz, den Christen ein Schutz in krieg’rischen Zeiten, den Feinden zum Trutz; ein Bollwerk des Glaubens, weit sichtbar im Land, gar kunstreich erbauet von kundiger Hand. Die Mauern sind feucht, und das Dach ist nicht neu, die Statuen splittern und werden zu Spreu, wird hier nicht geholfen und viel restauriert - Es bleibt sehr zu hoffen, dass dies bald passiert.

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Nächster Termin:

Am Sonntag, 1. November, lädt der „Klangraum im Herbst“ um 18 Uhr in die Basilika am Sonntagberg zu einem besinnlichen Konzertabend. Der Chorus sine nomine und Sopransaxophonist Michael Krenn führen das „Miserere“ von Gregorio Allegris auf.