Erstellt am 17. November 2015, 04:33

von Hermann Knapp

Uneinigkeit über Personalmangel am Landesklinikum. Betriebsrat spricht von 25 Beschäftigten, die in der Pflege fehlen, die Holding nur von fünf. Auch viel zu wenig Turnusärzte da.

Auch am Klinikum Amstetten sind derzeit nicht alle Ärztestellen bestetzt. Besonders hoch ist laut Betriebsrat aber der Personalbedarf in der Pflege. Die Holding sieht das nicht so dramatisch. Foto: Kovacs  |  NOEN, Kovacs
Das Landesklinikum Amstetten bleibt von den Umstrukturierungen und Bettenreduzierungen, die Ende 2016 im Mostviertel geplant sind, verschont. Allerdings ist die Personalsituation – zumindest aus Sicht des Betriebsrates – nach wie vor sehr angespannt.

„Es gibt eine Bedarfsberechnungsmethode, die auch vom Land anerkannt ist, nach der wir im Jahr 2016 in der Pflege 25 zusätzliche Dienstposten am Klinikum benötigen würden“, sagt Betriebsratsvorsitzende Margit Huber.

„Burn-out-Gefahr bei Belegschaft sehr hoch“

Das Pflegepersonal habe im letzten Jahr aufgrund von Ärztemangel Tätigkeiten wie etwa das Legen von Infusionen übernehmen müssen. Eine durch diese Mehraufgaben notwendig gewordene Aufstockung des Dienstpostenplans in der Pflege habe aber nicht stattgefunden.

„Dass die Patienten sich so gut betreut fühlen, wie die Umfragen bestätigten, liegt am großen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch bei höchster Belastung immer freundlich und kompetent sind. Aber das zehrt natürlich an ihrer Substanz. Die Burn-out-Gefahr ist bei der Belegschaft sehr hoch“, warnt Huber. Die Holding müsse sich entscheiden, ob sie die Grundversorgung in der bisherigen Form aufrecht erhalten wolle. „Wenn nicht, muss man das der Bevölkerung sagen.“

Sorgen machen der Betriebsrätin auch die vielen unbesetzten Turnusärztestellen in Amstetten. Denn dies bedeute, dass auch künftig zu wenig Ärzte zur Verfügung stehen würden.

Turnusärzte sind ein Auslaufmodell

Regionalmanager Andreas Krauter bestätigt, dass von 26 Turnusarztdienstposten derzeit nur etwa 16 (60 Prozent) besetzt seien, rund zehn davon zum Teil von Mitarbeitern aus der Pflege. Allerdings sei der Turnusarzt ohnehin ein Auslaufmodell, denn diese Ausbildungsschiene werde in drei Jahren gänzlich verschwunden sein.

Schon Mitte 2015 ist nämlich eine neue Ausbildungsordnung für Ärzte in Kraft getreten, die diese auf neue Beine stellt (siehe unten). Von den rund 160 Ärzte-Dienstposten im Klinikum Amstetten sind derzeit fünf Prozent nicht besetzt.

„Im fachärztlichen Bereich sind zehn Posten ausgeschrieben“, berichtet Krauter. Die Gynäkologie im Landesklinikum Amstetten ist interimistisch besetzt. Für Primar Albert Reiter, Leiter der Abteilung Anästhesiologie und Intensivmedizin, der mit Jahresende in den Ruhestand geht, ist ein Nachfolger mit Jänner 2016 bereits bestellt.

Der Personalbedarf in der Pflege ist laut dem Regionalmanager wesentlich geringer, als vom Betriebsrat behauptet. „Nach Überprüfung des Berechnungsmodells hat sich die Zahl von 25 Dienstposten nicht bestätigt. Tatsächlich fehlen derzeit am Klinikum Amstetten fünf Dienstposten“, sagt der Regionalmanager.

Um die Tätigkeiten auszugleichen, die die Pflegebediensteten aus dem ärztlichen Bereich übernommen hätten, sei es notwendig, noch zweieinhalb zusätzliche Posten zu schaffen. „Wir haben schon Maßnahmen eingeleitet, um diese Aufstockung zu erreichen“, erklärt Krauter.

Ausbildungsmodell:

  • Im zukünftigen Ausbildungsmodus absolvieren frisch promovierte Ärztinnen und Ärzte zunächst eine neunmonatige Basisausbildung, in der die grundlegenden Fähigkeiten in Diagnostik und Therapie von akuten Erkrankungen, sowie den 14 wichtigsten WHO-Krankheitsbildern auf unterschiedlichen Fachabteilungen vermittelt wird.

  • Danach erfolgt die Entscheidung, ob eine Ausbildung für allgemeine Medizin oder eine fachärztliche Ausbildung begonnen wird. Bei der Ausbildung zum Arzt für allgemeine Medizin wird ein Teil der Ausbildungszeit im Krankenhaus absolviert, der Rest, um den Anforderungen im niedergelassenen Bereich gerecht werden zu können, in Lehrpraxen.

  • Die Fachärzte-Ausbildung umfasst nunmehr weitere fünf Jahre Ausbildungszeit und inkludiert Rotationen zu verschiedensten Ausbildungsplätzen, um jeweils bestmögliche Wissensvermittlung sicherzustellen.