Erstellt am 09. Februar 2016, 04:43

von Daniela Führer

Pionier Prenn: Flaute bei Windkraft. Franz Prenn aus Ertl betreibt seit 15 Jahren die einzige Windkraftanlage im Bezirk Amstetten. Ein Projekt aus Überzeugung, denn lukrativ ist es aktuell nicht.

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„Am 24. Mai 2000 um 15 Uhr: Da floss das erste Kilowatt“, erinnert sich Franz Prenn aus Ertl zurück. Seit stolzen 15 Jahren betreibt der Vollerwerbslandwirt eine private Windkraftanlage rund 250 Meter von seinem Bauernhof entfernt.

Damals wie heute war und ist er ein Pionier am Sektor Windkraft im Bezirk Amstetten. Denn von den 602 Windkraftanlagen, die 2015 in ganz Niederösterreich in Betrieb standen, gibt es im Bezirk Amstetten laut Bericht der IG Windkraft gerade einmal eine – und das ist jene von Franz Prenn.

Eigenbedarf der Familie wird bei Weitem gedeckt

Prenns Enercon-Windrad hat eine Nabenhöhe von 65 und einen Rotordurchmesser von 44 Metern. Bei einer Windgeschwindigkeit von 2,5 Metern/Sekunde startet die Anlage mit der Stromproduktion und mit 12,5 Metern/Sekunde produziert sie dann 600 Kilowatt (kW).

„Wie viel Strom erzeugt wird, ist natürlich immer unterschiedlich. Pro Jahr sind es so zwischen 650.000 und 850.000 Kilowatt“, erklärt Prenn. Zum Vergleich: Ein Haushalt benötigt durchschnittlich 3.000 bis 4.000 Kilowatt Strom pro Jahr.

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Der über die Windkraftanlage erzeugte Strom deckt also den Eigenbedarf der Familie Prenn bei Weitem. Der Großteil wird daher ins Stromnetz eingespeist. Das sei aber aktuell gar nicht lukrativ, denn der Strom aus Windkraft wird nach Ablauf der Förderperiode (aktuell läuft diese über 13 Jahre) zum Weltmarktpreis bezahlt – der extrem niedrig ist.

„Mit einem Tarif von 2 Cent pro kW, den wir jetzt haben, wird die erneuerbare Energie nicht gerecht bezahlt. Das muss sich ändern“, bemängelt der Landwirt. So fehle es natürlich auch an Anreizen für andere derartige Vorhaben. „Außerdem wurden in den letzten Jahren die Richtlinien so verschärft, dass es nicht mehr möglich ist, Projekte dieser Art zu realisieren“, weiß Franz Prenn.

Seinem Vorhaben, das er von 1995 bis 2000 geplant und im Mai 2000 dann in die Realität umsetzen konnte, stand damals das ganze Umfeld positiv gegenüber: „Es gab überhaupt keinen Widerstand, da bin ich heute noch allen sehr dankbar, dass sie das Projekt als vernünftig angesehen haben“, sagt Prenn, der neben seiner Windkraftanlage auch noch eine 50-kW-Photovoltaikanlage am Hof betreibt.

„Wir haben genug Wasser, Wind und Sonne.
Aber die erneuerbare Energie muss auch
etwas wert sein.“
Franz Prenn aus Ertl

Er sähe Österreich auch am besten Weg hin zu einem Land, in dem die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Anlagen erzeugt werden könnte. „Wir haben genug Wasser, Wind und Sonne. Aber die erneuerbare Energie, die ja gesund und nachhaltig ist, muss auch etwas wert sein“, fordert er.

„Da passt aber etwas ganz und gar nicht, wenn zum Beispiel mit 1. Jänner dieses Jahres die Netzgebühr für Strom aus Österreich erhöht wurde, für ausländischen Strom aber nicht“, zeigt er auf. Seiner Meinung nach werde die Atompolitik EU-weit auch mehr gefördert als die erneuerbare Energie.

Landtagsabgeordneter und Obmann des GVU Amstetten, Anton Kasser, versteht Franz Prenns Unmut: „Es ist eine schwierige Situation. Vor 13 Jahren hat man nicht damit gerechnet, dass der Weltmarktstrompreis einmal so niedrig sein wird. Das Thema haben wir auch bei den Photovoltaikanlagen. Nach 13 Jahren verlieren die Betreiber den Fördertarif, da man davon ausgeht, die Anlagen haben sich nach diesen 13 Jahren amortisiert, aber im Unterschied zur Photovoltaik haben Windkraftanlagen laufend hohe Wartungskosten. Wir haben noch keinen Hebel gefunden, mit dem wir das Problem lösen können. Wir kommen hier an die Grenzen des Systems“, weiß Kasser.

Dennoch ist er stolz, dass der Bezirk hinsichtlich erneuerbarer Energie top dasteht: „Wir sind bei der Biomasse absolute Spitzenreiter und auch in der Photovoltaik-Liga kommen die Sieger jedes Jahr aus dem Bezirk.“


Zu viele Hügel

Wenig Chance hat die Windkraft im Bezirk: Neben der schwierigen finanziellen Situation ist die Topografie mit vielen Hügeln und Bergen nicht optimal. Und die erforderlichen Abstände – 750 Meter zu landwirtschaftlichen Wohngebäuden und 1.200 Meter zu gewidmetem Wohnbauland – sind aufgrund der Streulage im Bezirk auch kaum wo gegeben.