Erstellt am 25. Mai 2016, 05:54

von Hermann Knapp

Projekt „Sturmhof“ startet im August. Gemeinde investiert rund 2,1 Millionen Euro. Großer Saal wird errichtet. Auch die Firma Apro siedelt sich im Haus an.

Bei der Projektpräsentation am Mittwochabend im Sturmhaus: Zahnarzt Peter Hidasi, Josef Pressl (Firma Apro), Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer, Christian Plank (Firma Apro), Architektin Anne Mautner-Markhof, Vizebürgermeister Martin Kattner und Gemeinderat Mathias Hahn.  |  NOEN, Heribert Hudler
Lange wurde darum gerungen, nun ist das Projekt „Sturmhof“ aber auf Schiene. Konkret geht es um die Sanierung und teilweise Erneuerung des Hauses Oed 5 in dem ja auch die Polizei und die Gemeinde untergebracht sind.

„Sturmhof wollen wir es künftig deswegen nennen, weil ja die Familie Sturm es im Jahr 1957 der Gemeinde auf Leibrente überschrieben hat und weil das Haus ein Vierkanter ist und wir diesen Charakter auch künftig erhalten wollen“, erklärte Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer am Mittwochabend interessierten Bürgern bei der Projektpräsentation.

Das weitere Schicksal des Gebäudes mitten im Ort beschäftigt die Gemeindeverantwortlichen ja schon lange. Im Jahr 2004 gab es einen ersten Anlauf für eine sinnvolle Verwertung. Damals war eine Genossenschaft drauf und dran das Haus zu erwerben, doch das Projekt scheiterte am Veto eines Bewohners. 2010 wurde dann zumindest die Außenfassade renoviert.

x  |  NOEN, Gemeinde

Mehrere Fliegen mit einer Klappe

Mit dem nun vorliegenden Konzept will die Gemeinde gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Haus vor dem weiteren Verfall bewahren, einen Wirtschaftsbetrieb ansiedeln der Kommunalsteuer in die Kassa spült und außerdem einen großen Festsaal für die Gemeinde Oed-Öhling schaffen.

Das Projekt im Konkreten: Das Gewölbe im westlichen Gebäudeteil (Erdgeschoß) wird künftig die Ordination von Zahnarzt Dr. Peter Hidasi beherbergen. Der nördliche und ein großer Teil des östlichen Traktes werden abgerissen und neu gebaut. Im Erdgeschoss wird ein 233 Quadratmeter großer Saal mit Bühne und Platz für 150 Besucher samt Nebenräumen und WC-Anlage errichtet. „Wir brauchen dringend einen Saal. Denn wenn die Senioren schon in einen anderen Ort ausweichen müssen um eine Versammlung abzuhalten, dann geben wir uns als Gemeinde selbst auf“, betont Hinterholzer.

Firma Apro im Obergeschoss

Im Obergeschoß wird sich die Firma Apro ansiedeln, die momentan ihren Standort in Zeillern hat. Das Unternehmen bietet Registrierkassensysteme an und kann derzeit die Nachfrage kaum befriedigen. 17 Mitarbeiter hat die von Josef Pressl und Christian Plank geleitete Firma derzeit, aber es dürften noch mehr werden. Die neuen Räumlichkeiten werden Platz für 26 Beschäftigte bieten. Die Firma Apro errichtet ihren Gebäudeteil übrigens auf eigene Kosten.

Der Raum im Vorderteil des Gebäudes (zur Straße hin), wo derzeit noch die Gemeinde untergebracht ist, soll ebenfalls vermietet werden. „Ob Physiotherapeut, ob Café, ob ein kleiner Handels- oder Dienstleistunsbetrieb – wir sind da für alles offen“, sagt die Ortschefin. Die Polizei bleibt im Obergeschoß in jenen Räumen, die sie bisher schon genutzt hat. Da im Haus ein Lift eingebaut wird, wird die Inspektion künftig auch barrierefrei erreichbar sein. Der Arkadengang im östlichen Teil des Gebäudes soll erhalten werden. Geplant ist, den nordöstlichen Teil davon zu verglasen und im Zuge von Veranstaltungen im Festsaal als Foyer zu nutzen. Der Saal wird übrigens teilbar sein und den Bürgern gegen Miete für Feste, Hochzeiten etc. zur Verfügung stehen, auch eine Cateringküche wird vorhanden sein.

Beheizt werden soll das Gebäude mittels Fernwärme. Hinter dem Sturmhof werden 44 Parkplätze errichtet, wovon 25 allerdings für die Firma Apro reserviert sein werden.

Startschuss für die Bauarbeiten im August

Im Juli sollen die Abbrucharbeiten durchgeführt werden, im August wird dann der Startschuss für den Neubau fallen. Im Gewölbeteil wird ohnehin schon seit längerer Zeit gearbeitet: die Mauern wurden trocken gelegt, die Fenster ausgetauscht etc. Besonders eilig hat es übrigens die Firma Apro. Sie will schon Mitte nächsten Jahres die neuen Räume beziehen. „Mit dem Saal wird es aber nicht so schnell gehen. Vor 2018 werden wir den sicher nicht fertigstellen können“, sagt Hinterholzer.

Das Projekt bringt die Gemeinde ohnehin an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit. „Denn wir haben ja auch in Öhling mit Kindergarten und Musikheim ein Großprojekt laufen. Der Umbau des Sturmhofes wird uns 2,1 Millionen Euro kosten. Das bedeutet, dass wir in den nächsten drei Jahren sicher an kein anders größeres Vorhaben mehr denken können“, erklärt die Ortschefin.

Hinterholzer ist aber froh, dass der Sturmhof eine Zukunft hat. „Das Projekt ist ein Meilenstein für Oed und durch den Veranstaltungssaal auch für die ganze Gemeinde.“

Auf Leibrente

Das Gemeindehaus ist 1660 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1957 hat die Kommune es von der Familie Sturm auf Leibrente geerbt, weil deren beide Söhne im Weltkrieg gefallen waren. Die Familie wollte, dass das Haus der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Die Gemeinde hat sich dafür auch verpflichtet, die Gräber der Familie Sturm zu pflegen und unter anderem jedes Jahr zu Fronleichnam beim Haus einen Altar für die Prozession zu errichten.

x  |  NOEN, Hudler