Erstellt am 12. Oktober 2015, 08:32

von Claudia Stöcklöcker

"Pullover über den Kopf gezogen". Zerwürfnisse in Apothekerfamilie gipfeln vor Richter: Diebstahl und Körperverletzung.

Landesgericht St. Pölten  |  NOEN, http://www.justiz.gv.at/

Es dürfte in der Apothekerfamilie zu einem sehr bösen Streit gekommen sein. Plötzlich sind Fehlbestände aufgetreten, immer wieder. Die Putzfrau und andere Mitarbeiter wurden bereits verdächtigt und schon Anzeige gegen unbekannt erstattet“, sagt ein Staatsanwalt im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Als Langfinger habe sich schließlich, so der Ankläger, ein Familienmitglied entpuppt, Medikamente, Parfums, Gutscheine im Wert von rund 160.000 Euro sollen den Besitzer gewechselt haben.

Bei einer freiwilligen Nachschau soll beim vermeintlichen Dieb Beute gefunden worden sein. Geständig zu Diebstahl ist er nicht, sondern fühlt sich als Opfer einer Intrige. „Hanebüchene Ausreden“, meint der Staatsanwalt.

Prozess wurde vertagt

Auch am Tresor der Apotheke soll der mutmaßliche Langfinger aus einer Gemeinde des Bezirkes Amstetten hantiert haben, und dabei soll es zu einem handfesten Gerangel mit einem anderen Familienmitglied gekommen sein. „Da hat der eine den Strom ausgeschaltet, um die Videokameras abzuschalten, und dem anderen den Pullover über den Kopf gezogen, ihm Schläge verpasst, um ihn davon abzuhalten, die Polizei zu verständigen. Verletzt wurden beide“, so der Ankläger.

Beide sitzen nun vorm Richter. „Da wird das Opfer zum Täter gemacht“, sagt ein Verteidiger. Und zum Vorwurf des Diebstahls meint der Richter: „Ein Sachverständiger muss Inventur vornehmen.“ Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt.