Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:32

von Daniela Führer

Raika-Schließung: Ein Infoabend voll Emotion. Raiffeisenbank-Vertreter erklärten, warum Bankstelle mit 1.1. geschlossen wird. Bürger äußerten Kritik und Sorgen. Erhalt des Bankomats ist zwar fix, Standort bleibt ungewiss.

Das Interesse am Informationsabend der Raiffeisenbank im Gasthaus Korn war groß. Raiba Region Amstetten-Geschäftsleiter Andreas Weber (ganz vorne) und Raiba-Obmann Hans Luger erklärten die Beweggründe ihrer Bank, die Außenstelle in Viehdorf zu schließen.  |  NOEN, Schlemmer
Der Ärger über die Schließung der Raiffeisenbank Viehdorf mit 1.1.2016 lag am Dienstagabend im Gasthaus Korn förmlich in der Luft.

„Wir müssen mit der Zeit gehen,
denn wenn wir uns nicht selbst
verändern, dann verändert sie uns.“
Raiba Region Amstetten
Geschäftsleiter Andreas Weber

Doch noch bevor die rund 70 Teilnehmer des Informationsabends ihren Ärger kundtaten, erklärten Raiffeisenbank Region Amstetten-Geschäftsleiter Andreas Weber und Raiba Region Amstetten-Obmann Hans Luger, die Beweggründe der Regionalbank für die Schließung.

Die Bankgeschäfte der Kunden verlagern sich immer mehr ins Internet. Die Bankstellen werden so immer weniger aufgesucht.

„In Viehdorf gab es Tage mit sechs bis neun Transaktionen pro Tag“, machte Weber die Dimension deutlich. „Wir verzeichnen um 40 Prozent weniger Transaktionen, der Aufwand bleibt aber der gleiche. Vor allem die technischen Aufwände und Regulatorien werden sogar mehr.“

Bankomat bleibt fürs Erste

Geringe Wachstumsaussichten, die Niedrigzinsphase ohne Zinswende in Aussicht, höhere Erwartungen der Kunden, die Spezialisierungen der Mitarbeiter erfordern, aber auch die Kleinbanken nahe der Autobahn als Ziel für Bankräuber hätten in der Entscheidung, die Bankstelle in Viehdorf zu schließen, mitgespielt.

„Es war wirklich ein schwerer Schlag, als wir am 6. Juli erfahren haben, dass die Bank geschlossen wird“, erklärte daraufhin Bürgermeister Franz Zehethofer. Er forderte die Verantwortlichen der Raiba dazu auf, eine langfristige Betreuung der Kunden, auch mit persönlichem Kontakt vor Ort, zu sichern, ebenso wie den Bankomaten.

Dieser bleibt auch vorerst. So viel ist fix. Doch nicht im Raiffeisenbankgebäude, denn das wird verkauft. Aktuell gibt es laut Andreas Weber zwei Kaufangebote. „Bis Jahresende werden wir eine Entscheidung fällen“, erklärt er.

Finanzierung noch zu klären

Mittlerweile hat sich aber schon ein favorisierter Standort für das Gerät herauskristallisiert. Beim Kaufhaus Rafetseder könnte nächstes Jahr ein neues Outdoor-Standgerät – der Bankomat in der Bankstelle ist nicht geeignet – angebracht werden.

„Die Zustimmungen des Hauseigentümers Bertl und von Kaufmann Rafetseder liegen vor. Jetzt müssen wir noch die Finanzierung mit der Raiffeisenbank klären“, berichtet Bürgermeister Zehethofer. „Es wäre ein schönes Abschiedsgeschenk, wenn die Gemeinde die Kosten für ein paar Jahre nicht tragen müsste“, meint er.

Durch die Anschaffung eines neuen Bankomaten, sei der Erhalt auch über Jahre gesichert. „Natürlich muss er aber auch genutzt werden“, betont Weber. Die Frequentierung werde überprüft.

Werbeausgaben in der Kritik

Bürgermeister Franz Zehethofer ist jedoch überzeugt, dass eine direkte Anbindung an das Kaufhaus Rafetseder eine hohe Frequenz sichert, wenn er diese nicht sogar erhöht. „Die Lage ist zentral und könnte auch zur Belebung des Geschäfts beitragen“, ortet Bürgermeister Franz Zehethofer auch einen möglichen positiven Nutzen für den Nahversorger.

Neben der Diskussion um den Bankomaten hagelte es aber auch viel Kritik vonseiten der Bürger: „An alte Leute habt ihr nicht gedacht“, empörte sich etwa ein anwesender Herr. „Nicht die kleinen Banken haben die Probleme verursacht, sondern Raiffeisenbank International mit ihren Expansionsgeschäften. Es braucht wieder einen g’sunden Hausverstand!“, erklärte ein weiterer.

Kritisiert wurden auch das künftige Fehlen der Stempelstelle oder die Werbeausgaben der Raiba für Testimonials.

Andreas Weber und Hans Luger gingen auf die Kritiken ein und Geschäftsleiter Weber gab abschließend zu bedenken: „Wir bemühen uns sehr um Kundennähe, aber wir müssen mit der Zeit gehen, denn wenn wir uns nicht selbst verändern, dann verändert sie uns.“