Erstellt am 02. Januar 2016, 04:18

von Doris Schleifer-Höderl

RK-Mitarbeiterin Schlögl: „Flüchtlingshilfe ist Menschenpflicht“. Andrea Schlögl, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, war von Oktober bis November in der Flüchtlingshilfe engagiert und blickt auf arbeitsame Tage zurück.

Andrea Schlögl und Bezirksstellengeschäftsführer Andreas Teufel im Gespräch mit NÖN-Mitarbeiterin Doris Schleifer-Höderl. Foto: RK-Amstetten  |  NOEN, RK-Amstetten
Die Flüchtlingswelle ist abgerissen – vorerst. Das gibt den unzähligen freiwilligen Helfern, die sich bei der Versorgung engagiert haben, Zeit zum Durchschnaufen. Eine von ihnen war Andrea Schlögl, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, die im Transitquartier in Wieselburg mitarbeitete.

Disziplin sei beispielhaft gewesen

Mit etwas Abstand zieht sie für sich nun im NÖN-Gespräch auch Bilanz über ihren Einsatz. Für die diplomierte Kinderkrankenschwester und Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege war es eine Selbstverständlichkeit sich zu melden, als der Aufruf zum Helfen kam. „Durch meine Ausbildung habe ich mich für die Akutversorgung von Patienten gemeldet.“

Andrea Schlögl (52) machte immer nachts Dienst – in einer Zwölf-Stundenschicht. Ihre älteste Patientin war über 80 Jahre alt, die jüngste siebzehn Tage und irgendwo in Mazedonien geboren. „Bei der Kleinen war nicht einmal noch der Nabel abgefallen. Sie war auf der Flucht auf die Welt gekommen.“

Die Disziplin der Flüchtlinge, die sich zur Akutversorgung meldeten, sei beispielhaft gewesen, berichtet Andrea Schlögl. Eine Wartezeit von bis zu fünf Stunden mussten sie in Kauf nehmen. „Sie waren aber alle enorm geduldig, auch die Kinder. Vor allem, als es kälter wurde, litten viele Flüchtlinge unter Atemwegsinfektionen. Bei den Kleinen gab es oft Durchfall.“

„Geschichten, die einen sehr berühren“

Aber auch Hautausschläge bis hin zu Fußverletzungen wurden von Andrea Schlögl versorgt und chronisch Kranke, die keine Medikamente mehr hatten. Die Verständigung sei kein Problem gewesen, berichtet Schlögl.

„Wir hatten immer Dolmetscher zur Seite, mehr Arabisch als Farsi-Sprechende, aber es funktionierte auch mit Englisch gut. Die meisten der zu betreuenden Flüchtlinge kamen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Durch die Flucht hatten sie einen sehr konträren Tag-Nacht-Rhythmus. Da sind sie dann dagesessen und haben natürlich auch Kontakt gesucht.“

Andrea Schlögl versuchte immer, sich von den Schicksalen nicht zu sehr betreffen zu lassen, um nicht den Blick für die eigentliche Arbeit am Patienten zu vergessen. „Aber natürlich erfährt man Details, wenn man die Leute etwa ins Spital bringen muss. Von ihren Ängsten, wie sie wieder zu ihren Angehörigen finden sollen, die ja weiter müssen. Das sind schon Geschichten, die einen sehr berühren.“

Schlögl, selbst Mutter von fünf Kindern, kann sich gut in die Lage der Flüchtlinge hineinversetzen. „Ich habe mir immer vorgestellt, wie es wäre, wenn ich in dieser Situation wäre, alles zurücklassen und mit meiner Familie flüchten müsste. Da wird man demütig, dass man in so einem sicheren Land wie Österreich leben darf.“

Das Transitquartier Wieselburg wurde Ende November geschlossen, weil es nicht winterfest war. Andrea Schlögl würde jederzeit wieder helfen, wenn es erforderlich ist. „Es klingt vielleicht banal, aber das gebietet meine Menschenpflicht!“