Erstellt am 15. Mai 2017, 12:23

von Claudia Stöcklöcker

Ausgerastet: Drohung mit der Axt. 62-Jähriger fühlte sich von Partygästen gestört und griff zur Axt. Richter verhängte sechs Monate bedingte Freiheitsstrafe.

Symbolbilld  |  Shutterstock, Perutskyi Petro

„Ich hab’ mich im Finstern nie gefürchtet. Jetzt dreh ich mich fünf Mal um“, erzählt eine junge Frau vorm Richter. Geburtstag feierte sie im Garten ihrer Eltern, als plötzlich zu später Stunde ein Nachbar neben ihr mit einer Axt auf einen Tisch einschlug. Gefährliche Drohung und Sachbeschädigung begangen im Zustand der vollen Berauschung wird dem 62-Jährigen nun vorgeworfen im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Rund zwei Promille hatte der Pensionist damals im Blut. Gestört in seiner Ruhe hätten ihn die Partygäste, erklärt er, meint, dass er sich an den Vorfall nicht mehr genau erinnern könne und sagt: „Ich hab’ mich dort nicht verständlich machen können, ich hab’ nicht mehr reden können.“ Alkohol konsumiere er regelmäßig. „Wegen der Lebenssituation. Ich trinke aus Frust“, sagt er. „Weil die Pension zu wenig ist, ich Schulden habe und einsam bin.“

Vorfall löste beim Opfer Belastungsstörung aus

Beim Opfer saß der Schrecken tief. „Als der betrunkene Nachbar hat er sich vorgestellt und aus allen Gläsern getrunken. Ich habe ihn nach Hause geschickt, er ist mehrmals wiedergekommen. Später habe ich die Gläser weggeräumt, da hat er neben mir mit der Axt auf den Tisch geschlagen, mein Cousin hat sie ihm aus der Hand gerissen“, so die Frau.

Der Vorfall bereitet dem Opfer schlaflose Nächte. „Meine Mandantin leidet an posttraumatischer Belastungsstörung, hat es als Mordangriff gesehen, das hat Dramatisches ausgelöst“, meint der Opferanwalt.

Der Richter verhängt über den 62-Jährigen sechs Monate bedingt. 1.200 Euro Schmerzensgeld muss der Pensionist an das Opfer berappen. Weiters wird die Weisung erteilt, sich zuerst einer stationären, danach einer ambulanten Alkoholentwöhnungstherapie zu unterziehen. Kontaktverbot zum Opfer wird erteilt. Nicht rechtskräftig.