Erstellt am 17. Dezember 2015, 00:00

Schnee.

 |  NOEN, Symbolbild
Treibt das Blatt am Apfelbaum
dann geht es schnell, nach erstem Flaum
Ist der Frühling erst erwacht
drängt er die Farben aus der Nacht
 
Blüht es dann am Apfelbaum
greift sie um sich, nimmt sich Raum
So kündigt sich der Sommer an
verscheucht so manches Wie und Wann
 
Fällt das Blatt vom Apfelbaum
färbt sich alles, bunter Traum
Wann wird der Herbst vergehen
der Regen, Sturm, das Wehen?

Ruht der Zweig am Apfelbaum
liegt Schnee auf ihm, ein feiner Saum
hat sich der Winter eingefunden
mit kurzem Tag und langen Stunden
 
Das Jahr ist nun vorüber
bin ich auch ein Jahr klüger?
Ich seh´ den Baum, er ist und war
das Leben bleibt verwunderbar
 

von Eric Niemann

Eric Niemann (Jahgang 1969), wohnhaft in Hamburg. Studium der Soziologie, Psychologie und Neueren deutschen Literatur in Hamburg, Leicester und Barcelona. Professor für Soziologie und Systemischer Paartherapeut. Monographien und zahlreiche Aufsätze zu religionswissenschaftlichen und methodologischen Themen. Lyrikbände „Wendepunkte“ und „Im Niemandsland“. Kolumnist Hamburger Abendblatt. Hörspiele für „Sherlock Holmes – die neuen Fälle“ und „Professor van Dusen“, Romane für die auflagenstärkste deutsche Krimiserie.

Zur Aktion:

Am Literaturbewerb des art.experience Festivals 2015 in Baden bei Wien haben sich viele hundert Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Österreich, Deutschland und der Schweiz – mit ihren Kurzgeschichten und Gedichten beteiligt. Die wenigen Finalistinnen und Finalisten haben wir um einen Beitrag für den NÖN-Adventkalender gebeten. Das Ergebnis finden Sie hier Tag für Tag. Es sind schöne, berührende, aber auch anspruchsvolle und verstörende Texte. Wie das Leben und die Menschen so sind, gerade zu Weihnachten.