Seitenstetten , Biberbach

Erstellt am 11. August 2016, 05:52

von Sabine Hummer

Gartenführung via App als Diplomarbeit. Mathias Weis hat sich zum Abschluss seines Lehramt-Studiums mit dem Hofgarten des Stiftes Seitenstetten beschäftigt und ein Informations-Konzept ausgearbeitet.

In seiner Diplomarbeit analysierte Mathias Weis unter anderem die Fragebögen einer Besucherbefragung. Die neue Beschilderung des Rosengartens, die Garten-App sowie die Attraktivierung des Eingangsbereiches sind Resultate seiner Arbeit. Foto: Sabine Hummer  |  Sabine Hummer

Seit 20 Jahren ist der Hofgarten des Stiftes Seitenstetten ein Publikumsmagnet. 2015 kamen mehr als 50.000 Besucher in das besondere Gartenjuwel, 2016 dürften diese Zahlen mit großer Wahrscheinlichkeit sogar überboten werden.

Professor betonte Wichtigkeit des Hofgartens in Österreich

Zum 20. Geburtstag wurde der Garten einem Attraktivierungsprogramm unterzogen. Der Eingangsbereich und die Sanitäranlagen wurden saniert, im Glashaus entstand ein Selbstbedienungs-Café, das auch für Veranstaltungen gemietet werden kann. Außerdem wurde das Informationssystem des Gartens aufgewertet – neue Schilder beschreiben die einzelnen Gartenbereiche und geben auch über die Geschichte der historischen Anlage Auskunft.

Grundlage für diese umfassenden Neuerungen war die Diplomarbeit eines Altseitenstettners. Mathias Weis aus Biberbach hat 2009 maturiert und im Rahmen seines Lehramtsstudiums Biologie und Englisch an der Universität Wien ein Konzept für die Attraktivierung des Hofgartens ausgearbeitet und unter dem Titel „Hofgarten Seitenstetten: Evaluierung der Potenziale für Vermittlungsprogramme sowie Entwicklung von Infrastruktur und Medien“ veröffentlicht.

„Während meines Studiums hat ein Professor die Wichtigkeit des Hofgartens in Österreich betont. In Zusammenarbeit mit dem Stift bot sich dann die tolle Möglichkeit, meine Diplomarbeit darüber zu schreiben“, erzählt Weis, der daraufhin ein Konzept zur Weiterentwicklung der Gartendidaktik und touristischen Aufbereitung des Hofgartens entwickelte.

Wünsche der Besucher wurden berücksichtigt

„Im Juni 2015 haben wir mit einer großen Besucherbefragung begonnen. Jeder konnte freiwillig die rund 30 statistischen Fragen beantworten und ein Feedback mit Wünschen und Anregungen abgeben. 330 Besucher haben abgegeben und unter anderem das Informationssystem im Garten bewertet. Die meisten waren damit unzufrieden und wünschten sich mehr Wissensvermittlung. Auch die Möglichkeit einer kleinen Verpflegungsstelle stand ganz oben auf der Wunschliste“, sagt Weis.

Die Hälfte der Besucher gab an, dass sie Gartenführungen buchen würden, 45 Prozent bemerkten, Audio-Guides nutzen zu wollen. „Auf Basis dieser Wünsche haben wir eine Hofgarten-App sowie Audio-Guides konzipiert“, erklärt der angehende AHS-Lehrer.

In seiner Diplomarbeit analysierte Mathias Weis unter anderem die Fragebögen einer Besucherbefragung. Die neue Beschilderung des Rosengartens, die Garten-App sowie die Attraktivierung des Eingangsbereiches sind Resultate seiner Arbeit.  |  Sabine Hummer, Sabine Hummer

„Hearonymus“ lässt sich für Smartphone-Besitzer ganz einfach über den App-Store herunterladen. Leihgeräte können aber auch im Klosterladen des Stiftes entlehnt werden. In 14 Stationen erfahren die Besucher über die Geschichte des Hofgartens – zum Beispiel auch über die Vorreiterrolle des Stiftes beim Kartoffelanbau im frühen 17. Jahrhundert –, über botanische Besonderheiten und über die einzelnen Gartenbereiche, wie zum Beispiel das Herzstück, den Barockgarten. Musikalisch untermalt wird die Reise von Barockmusik mit Noten aus dem Stiftsarchiv, aufgenommen vom Ensemble „Piccolo Concerto“.

„Unser Ziel ist es, den Garten mit allen Sinnen zu erleben“, freut sich Mathias Weis über das positive Feedback der Gartenbesucher. Für die Zukunft plant er ein eigenes didaktisches Programm für Schulen.

Die App

Die Handy-App ist für Smartphones unter http://www.hearonymus.com/guides/4502 sowie per QR-Code auf der großen Infotafel im Hofgarten kostenlos erhältlich.
Audio-Guides mit Kopfhörern können auch im Klosterladen entlehnt werden.
Die Diplomarbeit von Mathias Weis ist unter folgendem Link als PDF-Datei verfügbar: http://othes.univie.ac.at/42728.