Erstellt am 14. April 2016, 11:30

Impflücken in Österreich. Utl.: Dritthöchste Zahl an Masernfällen im Europa-Vergleich

Wenn es um die Verhütung von Krankheiten geht, stellen die Impfungen das wirksamste Mittel dar. In Österreich gibt es auf diesem Gebiet allerdings teilweise erhebliche Lücken, hieß es am Donnerstag beim Gesundheitsforum Seitenstetten „Praevenire“.

„Wir hatten in Österreich im vergangenen Jahr 309 Masernfälle. Das ist die dritthöchste Fallzahl in Europa. Österreich hat die zweithöchste Inzidenz (Häufigkeit pro 100.000 Einwohner und Jahr; Anm.) der Masern in Europa“, Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien im Rahmen der Veranstaltung im Stift Seitenstetten in Niederösterreich (bis 16. April).

An sich sollten mehr als 95 Prozent der Menschen gegen die potenziell gefährliche Erkrankung per Impfung geschützt sein, um die Krankheit zurückzudrängen. Doch das ist nicht der Fall. „Wir haben hier Lücken bei den Kindern. Das betrifft aber auch die jungen Erwachsenen. Wir haben ein ähnliches Problem bei Keuchhusten“, sagte die Expertin.

Laut einer Umfrage dürften vier Prozent der Österreicher „Impfgegner“ und 57 Prozent „Impfskeptiker“ sein. Nur 39 Prozent der Bevölkerung sind ohne Einschränkungen für Immunisierungen, führte Ursula Wiedermann-Schmidt an. Dabei konnte man beispielsweise an Hand der 2008 in Österreich in das Gratis-Impfprogramm für Kinder aufgenommenen Rotavirus-Immunisierung den Wert der Impfprophylaxe eindeutig belegen. Die Expertin sagte: „Die Zahl der Hospitalisierungen von Kindern wegen der Erkrankung sank binnen kurzer Zeit von 4.000 Fällen pro Jahr auf rund 1.000 Fälle.“ Das hätte auch zu einer deutlichen Kostenersparnis geführt.

In Finnland mit 5,4 Millionen Einwohnern dürfte laut Seppo Meri, Immunologe an der Universität Helsinki, das Impfwesen zum Teil besser als in Österreich funktionieren. Dort werden die Impfungen auf Staatskosten angeboten. „Wir haben bei Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten im Jahr 2012 eine Durchimpfungsrate von 97,2 Prozent gehabt, bei Masern, Mumps und Röteln eine von 95,4 Prozent“, sagte der Wissenschafter.

Der finnische Staat wendet derzeit für sein Impfprogramm für Kinder und Erwachsene rund 22 Millionen Euro auf. „Man kann sagen, dass ein Euro für Impfungen rund zwei Euro an Ersparnissen bringt“, sagte Meri. Finnland habe beispielsweise deutlich weniger Masernerkrankungen als Österreich.

Im Rahmen des Gesundheitsforums Seitenstetten soll ein Konzept entworfen werden, wie man in der Modellgemeinde Pöggstall in Niederösterreich innerhalb eines Jahres die Impfraten überprüfbar erhöhen könnte. Die Gemeinde hat 2.400 Einwohner und weist rund 900 Haushalte auf. Zwei niedergelassene Allgemeinmediziner, drei Fachärzte und eine Apotheke bilden den Kern der medizinischen Versorgung. Das Projekt wird unter dem Titel „Pöggstall sucht den Impfkalender“ laufen.