Seitenstetten

Erstellt am 05. August 2016, 05:21

von Sabine Hummer

Starsängerin Regina Riel: „Will Menschen berühren“. Regina Riel ist der Publikumsliebling bei den Lehár-Festspielen in Bad Ischl und hat als „Rosalinde“ in der „Fledermaus“ von Johann Strauß großartige Kritiken bekommen.

Regina Riel ist noch bis 4. September als „Rosalinde“ in „Die Fledermaus“ bei den Lehár-Festspielen zu sehen. Weitere Informationen über die Künstlerin sind ihrer Homepage www.reginariel.com zu entnehmen. Foto: privat  |  privat

NÖN: Sie singen heuer die dritte Saison in Bad Ischl. Was ist das Besondere am Lehár-Festival?

Regina Riel: Ich konnte hier schon mit meinen Rollen als „Angele Didier“ in „Der Graf von Luxemburg“ und „Janka“ in „Die ungarische Hochzeit“ punkten. Als Janka durfte ich einen Riesenerfolg feiern, deshalb komme ich gerne hierher zurück. Hier passt es einfach für mich – das Publikum, das Ensemble und vor allem auch Intendant Michael Lakner. Ich bin ihm so dankbar dafür, dass er mir damals als „No Name“ die Chance gegeben hat, mit großen Partien einzusteigen. Das ist nicht selbstverständlich, manche Kollegen bekommen diese Chance nie. Er hat mein Talent erkannt und gefördert.

Mein Anspruch an die Rolle ist, meine eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen

Ist die „Rosalinde“ eine Traumrolle für Sie?

Definitiv ist die „Rosalinde“ eine der Traumpartien schlechthin im Operettenfach. Sie verlangt einem alles an künstlerischem Können ab. Ich habe mich ein Jahr intensiv auf diese Rolle vorbereitet. Mir ist es generell wichtig, gut vorbereitet zu einem Engagement zu gehen, das gehört zur Professionalität einfach dazu. Mein Anspruch an die Rolle ist, meine eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen. Deshalb habe ich auch die Arbeit mit dem Regisseurteam Volker Wahl und Michaela Ronzoni sehr geliebt, denen es gelungen ist, die Persönlichkeit jedes Sängers herauszustreichen. Das macht das Stück unglaublich facettenreich und lustig. Wir hatten eine schöne, entspannte Probenzeit – das Produkt spiegelt das wider.

Wollten Sie immer schon Opernsängerin werden?

Mein Elternhaus ist zwar sehr musikverbunden, mit klassischer Musik kam ich als Kind aber nicht viel in Berührung. Als Neunjährige durfte ich bei einem Konzert mit Highlights aus Oper und Operette erstmals hineinschnuppern und hab zu den Sängerinnen aufgeschaut und mir gedacht, das ist etwas Besonderes. Später – durch den Gesangsunterricht bei Edith Kaltenböck und Anton Steingruber an der Carl-Zeller-Musikschule sowie berufsbegleitend am Konservatorium St. Pölten – bin ich in die Materie mehr und mehr eingetaucht.

Sie haben Ihre Ausbildung an der Anton Bruckner Privatuniversität absolviert und bei zahlreichen Engagements Bühnenerfahrung gesammelt. Was machen Sie abseits des Lehár-Festivals beziehungsweise welche Produktion steht als Nächstes am Plan?

Die Ausbildung ist das Eine, aber erst die Praxis formt einen dann. Auf der Uni habe ich oft gehört, ich sei ein „Rohdiamant“. Den letzten Schliff bekommt man durch die Praxis. Ich war für jede Chance dankbar und durfte schon bei einigen Produktionen mitwirken. Am Stadttheater Bad Hall zum Beispiel als „Pamina“ und „Erste Dame“. Ein Engagement führte mich als „Fiordiligi“ ans Volkstheater Rostock, wo ich auch als „Pamina“ zu hören war. Viel bin ich auch im Konzertfach unterwegs – ein wichtiger Pfeiler für mich, da ich mich hier auch mit einzelnen Arien und Liedern auseinandersetze. Lieder sind eine Leidenschaft von mir. Ich bin überhaupt sehr breit gefächert in meinem Repertoire, das macht es abwechslungsreich. Ab Jänner 2017 singe ich die „Fürstin Fedora Palinska“ in „Die Zirkusprinzessin“ von Emmerich Kálmán an der Oper Graz. Ein neues Haus, ein neues Ensemble – es freut mich besonders, weil Graz ein wichtiges Haus in Österreich ist. Dann hoffe ich, dass die Reise weitergeht.

„Um am Theater zu bestehen, braucht man viel Ausdauer, Willensstärke und einen breiten Rücken

Sie kommen aus St. Michael am Bruckbach und haben privat Ihre Zelte in Seitenstetten aufgeschlagen. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie und Heimat?

Gerade am Theater ist es wichtig, dass man seine Wurzeln behält. Ich bin dankbar für meine Familie, die mich immer auf meinem Weg unterstützt hat und den Wunsch dieser Ausbildung immer mitgetragen hat. Dass sie stolz auf mich sind, ist das größte Lob für mich.

Sie unterrichten ja selbst an der Musikschule Oberes Mostviertel in Haag und St. Valentin. Welches Rezept geben Sie Ihren Schülern mit?

Unterrichten ist natürlich etwas ganz anderes, eine Arbeit im Hintergrund und quasi die Kehrseite von dem, was ich auf der Bühne mache. Ich versuche, meinen Schülern das richtige Handwerkszeug mitzugeben. Doch, um am Theater zu bestehen, braucht man viel Ausdauer, Willensstärke und einen breiten Rücken. Man bekommt immer wieder Steine in den Weg gelegt. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Mich haben diese Hürden nur noch stärker gemacht, oft ist es aber auch extrem hart. Es hängt so viel dran, das keiner sieht.

Gibt es eine Traumrolle, die Sie eines Tages singen wollen?

Ja, die „Tosca“. Das ist natürlich ein ganz anderes Kaliber. Ich habe keine Ahnung, wie meine Stimme in zehn Jahren klingen wird. Sie entwickelt sich ständig, wenn man sie hegt und pflegt, die richtige Rolle zur richtigen Zeit singt, ist eine gute Entwicklung zu erwarten. Ich liebe Herausforderungen und es ist toll, dass es derzeit aufgeht. Dass es Sinn macht, was ich tue und ich vielen Freude bereiten kann. Wenn ich mit meiner Stimme Menschen berühre und ihre Herzen öffnen kann, dann ist das mein persönlicher Erfolg.