Erstellt am 22. März 2016, 04:24

von Doris Schleifer-Höderl

Sexuelle Belästigung: Verteidigungskurse boomen. Laut Polizei gab es in den letzten Jahren wenige sexuelle Belästigungen. Thema ist aber sehr präsent.

Hans Hellingers Selbstverteidigungskurse für Frauen werden derzeit regelrecht gestürmt. Foto: privat  |  NOEN, privat
Seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln, wo Frauen von Asylwerbern oder Asylanten belästigt wurden, herrscht auch in Amstetten eine gewisse Unsicherheit. Auch Bürgermeisterin Ursula Puchebner bemerkt diese. „Speziell die Frauen sind auch bei uns sehr stark sensibilisiert und beobachten ihr Umfeld sehr genau. Derartige Übergriffe wie sie in Deutschland passiert sind, verurteile ich auf das Schärfste.“

Humpl: „Generell haben wir wenige Fälle“

Die Bürgermeisterin hofft natürlich, dass es hier nicht zu derartigen Vorfällen kommt, rät aber den Frauen, sich schon bei den Anfängen zu wehren: „Sollte es nur ansatzweise zu einer Belästigung kommen, sich jemand bedrängt oder bedroht fühlen, ist es wichtig, sofort die Exekutive zu verständigen und unbedingt Anzeige zu erstatten. Denn nur dann kann die Polizei auch gezielt einschreiten“, sagt Puchebner.

Die Beamten der Bundes- und auch der Stadtpolizei seien aber ohnehin tagtäglich im Einsatz, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Und es werde auch sehr viel im präventiven Bereich gemacht.

Eine gewisse Unsicherheit bei Frauen ortet auch Öhlings Bürgermeisterin Michaela Hinterholzer. Sie will diese Ängste aber keinesfalls noch verstärken. „Die Flüchtlingsproblematik beunruhigt die Bevölkerung insgesamt. Laut Polizei gab es aber bislang keine Straftaten von Asylwerben oder Asylberechtigten im Bezirk“, betont die VP-Politikerin.

Chefinspektor Ferdinand Humpl vom Bezirkspolizeikommando bestätigt, dass kein Grund für gesteigerte Angst bestehe: „Generell haben wir im Bezirk Amstetten sehr wenige Fälle von sexueller Belästigung und das über Jahre hinweg gesehen“, sagt der Polizeibeamte.

Auch gäbe es keine bekanntgewordenen Fälle von Übergriffen durch Asylwerber, wie etwa in Salzburg oder Wien. „Natürlich können wir nicht ausschließen, dass aufgrund einer gewissen Scheu und Hemmschwelle nicht alle Opfer zur Polizei gehen und es daher eine hohe Dunkelziffer gibt. Wir raten, unbedingt Anzeige zu erstatten.“

Selbstverteidigung ist bei Frauen in

Humpl weist auf den „Grapscher-Paragraphen“ (eine Erweiterung des § 218 des Strafgesetzbuches), der „Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen“ unter Strafe stellt.

Der Obmann des Polizeisportvereins Amstetten, Hans Hellinger, verzeichnet seit Herbst des Vorjahres einen enormen Anstieg an Interessentinnen bei seinen Selbstverteidigungskursen. Es melden sich mehr Frauen, als er in seinen Kursen aufnehmen kann. „Das Sicherheitsgefühl ist durch diverse Medienberichte angeschlagen und die Frauen machen sich Gedanken darüber, wie sie sich im Ernstfall schützen können.“

Vor allem Mütter und Töchter sowie ältere Frauen besuchen vermehrt seine Kurse, auch um ihr Selbstwertgefühl und die Reaktionsfähigkeit zu steigern. „Im Grunde geht es vielfach um Verhalten und Körpersprache sowie um Erfassen und Abwehren einer Situation. Wir führen daher ein Szenarien- und Verhaltenstraining durch. Die Mädchen und Frauen lernen die Anwendung von effizienten Schmerzpunkt- und Grifftechniken. Wir trainieren auch mit dem Schlagpolstern und in einer speziellen Waffenkunde erlernen die Kursteilnehmerinnen, welche Gegenstände sich als Waffe eignen und auch, wie man Pfefferspray richtig einsetzt, denn auch das muss man üben. Notwehrrecht und Verhaltenspsychologie runden das Programm ab.“

Hellinger geht es nicht darum, Angst bei Frauen zu schüren, sondern ihnen klar aufzuzeigen, dass sie sich wehren können, dürfen und sollen. „Ein Angreifer will mir schaden. Als Opfer habe ich das Recht mich zu wehren!“


Der § 218

§ 218 StGB Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlung

(1) Wer eine Person durch eine geschlechtliche Handlung
1. an ihr oder
2. vor ihr unter Umständen, unter denen dies geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen,
belästigt, ist, wenn die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung mit strengerer Strafe bedroht ist, mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentlich und unter Umständen, unter denen sein Verhalten geeignet ist, durch unmittelbare Wahrnehmung berechtigtes Ärgernis zu erregen, eine geschlechtliche Handlung vornimmt.

(3) Im Falle des Abs. 1 ist der Täter nur mit Ermächtigung der belästigten Person zu verfolgen.