Erstellt am 18. August 2016, 04:06

von Daniela Führer

NEOS-Kuhn: „Jetzt haben wir gerade: ‚Wünsch dir was‘“. Wunsch, Mitstreiter zu finden, und die Notwendigkeit eines Grundkonzepts für Amstetten. NEOS-Gemeinderat Roman Kuhn über seine politische Arbeit, seinen

„Ich wünsche mir mehr Qualität im Stadtbild“, sagt NEOS-Gemeinderat Roman Kuhn. Dafür sollte sich die Stadtgemeinde auch überlegen, selbst Objekte zu kaufen und zu verwerten, erklärt er. Fotos: Daniela Schlemmer  |  Daniela Schlemmer

NÖN: Sie schafften es für die NEOS bei der Gemeinderatswahl im Jänner 2015 in den Amstettner Gemeinderat – als Ein-Mann-Partei. Haben Sie mittlerweile politische Mitstreiter an Ihrer Seite gefunden? – NÖN-Sommergespräch

Roman Kuhn: Sympathisanten ja, aber noch niemanden, der tatkräftig mitarbeitet. Ich würde mir wünschen, dass ich jemanden finde, der sich zum Beispiel mit mir auf den Hauptplatz stellt und die Anliegen der Bürger gemeinsam diskutiert. Ich bräuchte eine Person, die hier geboren und aufgewachsen ist und die Strukturen genau kennt. Ich habe wiederum als nicht gebürtiger Amstettner den Vorteil des Blicks von außen, habe keine Abhängigkeiten und bin daher noch flexibler.

Wann und wie verschlug es Sie als gebürtigen Deutschen nach Amstetten? Fühlen Sie sich hier schon zu Hause?

Ja, ich fühle mich schon zu Hause. Seit fünf Jahren lebe ich hier mit meiner Frau. Sie ist aus Wallsee und arbeitet in Amstetten. Daher zogen wir hierher – auch deshalb, weil es uns wichtig ist, dass unsere Kinder, wenn wir einmal eine Familie gründen, auch eine Oma haben, die hier ist. Wir haben uns überlegt: Wo wollen wir hin? Und haben uns dann eine Grundlage geschaffen. Mit Amstetten ist es dasselbe: Man muss sich auch zuerst überlegen, wo will Amstetten hin? Darauf aufbauend braucht es eine Grundlage.

„Ich habe als nicht gebürtiger Amstettner den Vorteil des Blicks von außen, habe keine Abhängigkeiten und bin daher noch flexibler“, sagt Roman Kuhn.  |  Daniela Schlemmer

Ihre Aufgabe im Gemeinderat ist keine unwesentliche. Sie sind seit Februar des Vorjahres Obmann des Prüfungsausschusses. Wie geht es Ihnen dabei?

Ich fühle mich sehr wohl in dieser Funktion. Die Zusammenarbeit klappt hervorragend und wir werden im Ausschuss sehr gut vom Prüfungsamt unterstützt. Ich bin auch offen, wenn den Bürgern etwas auffällt, können sie sich gerne direkt an mich wenden. Prinzipiell können wir jederzeit eine Ausschusssitzung einberufen.

Womit beschäftigt sich der Prüfungsausschuss?

Zum Beispiel kontrollieren wir Kanalbauten und Bauprojekte. Oder beim City-AST haben wir geprüft, ob die Wege tatsächlich eingehalten wurden und so weiter. Wir führen auch immer wieder unvermutete Kassenprüfungen durch.

Wie funktioniert die Arbeit und Kommunikation bei den NEOS?

Prinzipiell gebe ich der Partei bekannt, was ich mache und wenn ich zum Beispiel Veranstaltungen plane, wie jetzt werde ich im Herbst eine Veranstaltungsreihe organisieren. Dann gibt es wieder Aktionen der NEOS, die an uns Gemeindepolitiker weitergeleitet werden. Zum Beispiel haben wir die Aktion „business reloaded“, im Rahmen der ich zu Unternehmen und Geschäften gehe und frage, wie es ihnen geht. Das ist auch wirklich eine gute Sache, wo man ins Gespräch kommt. Was ich nicht mache, sind diese zwanghaften Dinge. Zum Beispiel kam jetzt in vielen Gemeinden von der FPÖ das Thema Burkiniverbot in Bädern. Sicher, bei den NEOS werden auch Themen von oben gestreut, aber wenn man bei etwas nicht mitmacht, wird man auch nicht an den Pranger gestellt. Vielleicht, weil die Partei noch jung ist und sich eher als Bürgerplattform sieht. Für mich bedeutet das große Flexibilität.

Bei Leerständen muss man als Stadt womöglich auch zu ultimativen Mitteln greifen

In Amstetten wird viel diskutiert – über Hauptplatzgestaltung, Verkehr oder das Naturbad. Wo sehen Sie die größten Baustellen?

Was wir brauchen, ist ein Grundkonzept basierend auf den bereits bestehenden Leitlinien/Leitbild samt wissenschaftlicher, objektiver Auswertung der Ist- und Soll-Situation. Für so ein professionelles Grundkonzept muss man halt Geld in die Hand nehmen, aber bevor ich debattiere, ob ein neues Schwimmbad 16 oder 20 Millionen kostet, fang‘ ich mit dem Konzept an. Jetzt haben wir gerade: ‚Wünsch dir was‘. Definiert werden sollte zuerst die Zukunftsvision: Wo soll Amstetten in 20 Jahren stehen? Danach würde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen in der Stadt, Marketing und Leistungsträgern der Verwaltung weitere Aufbauarbeit geleistet, woran dann Ideen und Projekte andocken können, die von Parteien, Vereinen, Interessensgruppen und Einzelpersonen bereits eingebracht wurden. Es gab schon einen ersten Workshop zur Marke und Zukunft von Amstetten. Ich hoffe, dass dieser weiterführend zu einer professionellen Studie führt.

Was sind Ihre Wünsche für die Stadt?

Ich wünsche mir mehr Qualität im Stadtbild. Zum Beispiel würde ich diese blinkenden Neon-Schilder verbieten. Die Stadt hat schon Möglichkeiten, in das Bild von sich einzugreifen. Man kann zum Beispiel zwischenmenschlich Unternehmer anhalten, dass sie an ihrem Erscheinungsbild arbeiten und zum Beispiel neue Stühle kaufen, damit sich die Leute wohlfühlen und gern hinsetzen. Bei Leerständen muss man als Stadt womöglich auch zu ultimativen Mitteln greifen, ein Objekt kaufen und es selbst verwerten. Ich würde mir das zumindest mal anschauen, ob man manche Gebäude kaufen und entwickeln kann. Es ist nicht primär Aufgabe der Stadt, aber sonst hat man wenig Einflussmöglichkeit, ob zum Beispiel noch ein weiterer Kebap-Laden wo hineinkommt. Als Stadt hätte man die Möglichkeit, sich die Mieter auszusuchen. Und wenn man etwas gar nicht vermieten kann, gibt es noch Künstleraktionen oder Ausstellungen, die man dort organisieren könnte.

Im Zuge der Baustelle in der Alten Zeile gibt es nun wieder Gegenverkehr über den Hauptplatz. Eine dauerhafte Möglichkeit?

Man kann bei der ganzen Debatte um Gegenverkehr am Hauptplatz nicht subjektiv, auf wenige Aussagen fußend, eine Entscheidung treffen. Das muss man sich wissenschaftlich anschauen. Bei einer 30 km/h-Zone kann ich mir persönlich keinen Gegenverkehr vorstellen. Kaum einer fährt da tatsächlich mit 30 km/h durch. Das ist zu ungemütlich, laut und nicht schön. Was man sich schon überlegen könnte, ist, nachdem man die Alte Zeile wieder öffnet, eine Art Probegegenverkehr laufen zu lassen um zu sehen, wie es funktioniert. Prinzipiell muss man sich aber beim ganzen Thema Verkehr überlegen: Soll ich jetzt Millionen ausgeben, dafür, dass ich in der Rush Hour irgendwo dann fünf Minuten weniger stehe? Das genau abzuwägen ist mir wichtig.