Erstellt am 22. Mai 2015, 06:00

Kirchenführer: „Erzähle nicht gleich alles!“. Kirchenführer Anton Kimmeswenger über seine Beziehung zum Sonntagberg.

Anton Kimmeswenger: »Seit meiner Pensionierung mache ich Kirchenführungen.«  |  NOEN, Fahrengruber

Geboren im „Geigerhäusel“ am Sonntagberg war ich meine ganze Pflichtschulzeit Ministrant bei Pater Bonifaz. Mit elf Jahren wurde ich Mesner, dieses Amt bekleidete ich bis zum 14. Lebensjahr. Besonders in Erinnerung ist mir ein kleines „Lausbubenstück“, das wir öfter wiederholten.

„Es gibt immer Leute, die nachfragen"

Damals war das Dreifaltigkeitsbild noch zugängig, man konnte es hinter dem Altar über eine Treppe erreichen. Wenn einer der Ministranten gerade frei war, ging er zum Bild. Während der Messe öffnete und schloss er die Tür, was bei den Gläubigen große Verwunderung erregte.

Pater Bonifaz durfte natürlich davon nichts wissen, sonst hätten wir dieses Vergehen mit einem schmerzhaften Backenstreich gebüßt.

Während meiner Berufszeit konnte ich aus Zeitgründen in der Basilika nicht tätig sein, aber seit meiner Pensionierung mache ich Kirchenführungen. Mein Konzept ließ ich vom unvergesslichen Pater Benedikt durchsehen und korrigieren. Er gab mir auch einen taktischen Ratschlag, den ich bei Führungen anwenden sollte: „Erzähle nicht gleich alles, weil es gibt immer Leute, die nachfragen, und dann musst du auch noch etwas wissen.“

Eine theologische Auseinandersetzung hatte ich mit Herrn Bischof Laun, den ich mit 25 Priestern durch die Kirche führte. Als ich beim Kanzelrelief erklärte, dass Saulus bei seiner Bekehrung vom Blitzstrahl getroffen wurde und vom Pferd stürzte, korrigierte mich Seine Exzellenz und meinte, dass Saulus zu Fuß unterwegs gewesen sei.

Unvergessliche Kirchenführungen

Mein Einwand, dass auch in Maria Dreieichen und sogar in der sixtinischen Kapelle dieselbe Szene zu sehen sei, wurde ignoriert. Nach der Führung las ich in der Bibel nach, wo nur stand, dass Saulus auf dem Weg nach Damaskus war, nicht aber wie er unterwegs war. Ich ging zurück zur Kirche, um meine Klarstellung anzubringen, aber der Herr Bischof war schon weitergefahren.

Unvergesslich ist mir eine Kirchenführung, an der eine Dame teilnahm, die sich sehr interessiert zeigte. Nach der Führung bedankte sie sich. Etwa 14 Tage später kam sie wieder mit ihrer Familie. Sie erzählte mir, dass sie vorher noch nie hier war und dass sie von meinen Ausführungen über den Hochaltar so begeistert war, dass sie diesen auch ihrer Familie zeigen wolle. Solche Erlebnisse sind schon erfreulich.

In der Serie „Mein Sonntagberg“ präsentiert die NÖN ganz persönliche Geschichten über den Wallfahrtsort.


Aktuelle Termine

Am Pfingstmontag, 25. Mai, wird in der Basilika am Sonntagberg um 8 Uhr und um 10.30 Uhr das Sakrament der Firmung gespendet.