Erstellt am 02. November 2015, 08:11

von Hermann Knapp

Sorge über Kassenpflicht. Kleine Betriebe - vom Caféhausbetreiber über den Marktfahrer bis hin zu Physiotherapeuten - stellt die neue gesetzliche Regelung vor beträchtliche Probleme.

Dieter Funke (Bundesgremialobmann des Eisen- und Hartwarenhandels), Christine Schreiner (Landesinnungsmeister für Kosmetiker, Fußpfleger und Masseure), Wirtschaftskammerobmann Reinhard Mösl, Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer und Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Andreas Geierlehner (v.l.) wissen, dass die Registrierkassenpflicht für viele Betriebe eine große Herausforderung bedeutet.  |  NOEN, Foto: Hudler

Die Registrierkassenpflicht, die mit Jänner 2016 in Kraft tritt, sorgt auch im Bezirk Amstetten für Aufregung. „Wir hatten bisher zwei Informationsveranstaltungen. Bei jener vor drei Wochen war die Stimmung unter den Teilnehmern sehr schlecht. Am Mittwoch der Vorwoche war sie dann schon besser. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Leute damit abgefunden haben und konstruktiv damit umzugehen versuchen“, sagt Wirtschaftskammerobmann Reinhard Mösl.

Die Ankündigung, dass im ersten Quartal 2016 noch nicht gestraft werde, habe auch Druck herausgenommen. Hart trifft die neue Regelung vor allem kleine Cafés und Konditoreien, aber zum Beispiel auch Bäcker die „ins Gei“ fahren. „Für sie bedeutet das Mehrarbeit. Denn sie müssen händische Aufzeichnungen führen und wenn sie heimkommen, diese sofort in der Kasse verbuchen“, sagt Mösl. Gerade für kleine Betriebe werde die Investition auch schwer zu refinanzieren sein.

Bezirkswirtevertreterin Melitta Ott ärgert vor allem, dass ihre Branche unter Generalverdacht gestellt wird, bisher nicht ehrlich abgerechnet zu haben. In der gepflegten Gastronomie hätten aber ohnehin schon rund 80 Prozent aller Wirte seit Langem eine Registrierkasse. „Wir selbst haben sie schon seit 1988, weil sie uns das Leben erleichtert und wir genau wissen wollen, was wir umsetzen. Außerdem hat der Gast ein Recht, auf eine Rechnung, auf der er sieht, wofür er zahlt.“

Jeder Betrieb braucht individuelle Lösung

Der Aktionsplan, den Landeshauptmann Erwin Pröll in der Vorwoche angekündigt hat, kommt für Ott viel zu spät. „Da hätte das Land viel früher tätig werden müssen. Ich habe auch schon vor einigen Jahren auf die Probleme hingewiesen, die da auf uns zukommen, aber damals wollte es niemand hören.“ Ott ist klar, dass sich kleinere Betriebe mit der Registrierkassenpflicht schwer tun – nicht nur in der Gastronomie. „Der kleine Masseur bekommt das sicher auch nicht so leicht in den Griff.“

Betroffen von der neuen Regelung sind natürlich auch die Mostheurigen. Der Obmann des Obstbauverbandes, Hans Hiebl aus Haag, empfiehlt allen Betreibern, einen Kurs zu besuchen. „Jeder Betrieb braucht eine individuelle Lösung. Bei den Heurigen gibt es oft weite Wege zurückzulegen. Ich selbst überlege daher die Anschaffung eines Odermen-Funkboniersystems. Die Bestellung wird vom Tisch weg an die Küche geschickt und wenn der Gast zahlt, kannst du mit einem Drucker am Gürtel die Rechnung ausdrucken“, sagt Hiebl. Der Vorteil des Systems sei, dass man sofort eine Tagesabrechnung habe und keine Stricherllisten mehr zu führen brauche, welche Getränke ausgegeben werden.

Allerdings bedeute die Registrierkassenpflicht natürlich eine beträchtliche Investition: „Da geht es nicht nur um die Anschaffung, sondern auch um die künftige Wartung der EDV. Ich gehe davon aus, dass die Betriebe ihre Speisen und Getränke neu kalkulieren und die zusätzlichen Kosten wohl auch an die Gäste weitergeben werden.“

Weitere Infos

Die Registrierkassenpflicht gilt für Unternehmer, die betriebliche Einkünfte erzielen ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro, sofern die Barumsätze 7.500 Euro je Betrieb im Jahr überschreiten. Darunter fallen neben dem Handel und Tourismus auch Ärzte, Tierärzte, Physiotherapeuten, Notare, Land- und Forstwirte, Taxler, Marktfahrer, Friseure, Optiker etc.

Das Finanzministerium schätzt die Kosten für die Anschaffung bzw. Umrüstung einer „einfachen“ Registrierkasse mit entsprechendem Sicherheitssystem auf 400 bis 1.000 Euro. Die Anschaffung wird mit 200 Euro gefördert (Antrag über Steuererklärung), die Kosten sind von der Steuer absetzbar. Zu beachten sind auch laufende Kosten.