Amstetten

Erstellt am 11. April 2017, 04:03

von Hermann Knapp

Amstettner Zarlhaus wurde verkauft . Pläne des neuen Besitzers noch unbekannt. Kaufhaus Zarl war über Jahrzehnte hinweg ein Fixpunkt in Amstetten und hatte für seine Kunden Kultstatus.

Hans und Hermine Zarl im Jahr 2004. Täglich standen sie in ihrem Geschäft, um den Kunden auch die ausgefallensten Wünsche zu erfüllen.  |  NOEN, Plaimer

Das ehemalige Kaufhaus Zarl in der Linzer Straße hat einen neuen Besitzer. Er will vorerst anonym bleiben und hat auch seine Pläne mit dem Gebäude noch nicht offenbart. Es steht aber vermutlich auch ein Abriss im Raum, denn die Bausubstanz ist nicht mehr die allerbeste.

Von 1954 bis zum Jahr 2016 stand Hermine Zarl im Geschäft, um ihre Kunden zu bedienen, viele Jahre gemeinsam mit ihrem Mann Hans, der aber 2004 verstorben ist. Hermine Zarl folgte ihm im Vorjahr.

Der Lebensmittel- und Samenhandel Zarl war dafür bekannt, dass man dort alles bekam, was anderswo nicht erhältlich war – vor allem für die begehrten Faschingskostüme kamen die Leute von weither. „Geht‘s zum Zarl“ war in der Stadt lange ein geflügeltes Wort. Die Vielfalt des Angebots auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch eine Spezialisierung in gewissen Bereichen half dem Geschäft auch zu überleben, als die Supermärkte kamen.

Von Faschingsware bis zum Sprengmittel

Faschingsware, Samen- und Pflanzenprodukte, aber auch Sprengmittel und Feuerwerkskörper – dafür kamen die Kunden nach wie vor ins Kaufhaus Zarl. Milch und Milchprodukte hat es dort übrigens nie gegeben – man wollte schließlich dem nahegelegenen Milchgeschäft keine Konkurrenz machen. Die Supermärkte, die Mitte der 70er-Jahre Amstetten eroberten, hatten da natürlich keine Skrupel.

Apropos Sprengstoff: Im Vorjahr wurde auf dem Dachboden des Zarlhauses eine gefährliche Hinterlassenschaft entdeckt: Nitroglyzerin, Sprenggelatine und tausende Sprengkapseln. Da mussten zum Abtransport sogar Sprengstoffexperten anrücken.

Ab Anfang der 70er-Jahre geriet das Kaufhaus Zarl auch immer mehr ins Abseits. Wo jetzt der Kreisverkehr ist, befand sich damals der Gasthof Kickinger und es gab auch noch mehrere Geschäfte in der Umgebung. Doch im Laufe der Zeit nahm nur der Straßenverkehr zu, aber die Kunden wurden weniger. Ein Rest an Stammkunden blieb und für diese stand das Ehepaar Zarl nach wie vor Tag für Tag im Geschäft und ab 2004 Hermine Zarl mit ihrer Mitarbeiterin Annemarie Unger.

Geschichte reicht weit zurück

Von Montag bis Samstag wurden im Kaufhaus Zarl die ausgefallensten Wünsche erfüllt. Eine Anekdote dazu: Ein Amstettner wollte aus dem Urlaub eine Portugal-Fahne mit nach Hause bringen, fand auf der Reise aber nirgendwo eine. Also ging er zum „Zarl“ und dort wurde er fündig. Quelle: Die Zeitschrift, Nr. 1, 1998.

Die Geschichte des Hauses reicht aber viel weiter zurück. Urkundlich erwähnt ist ein Gebäude an diesem Platz erstmals im 15. Jahrhundert. Es scheint als eines der kleinsten 19 Häuser der Stadt auf. 1874 ging es in den Besitz von Johann Grell über, der dort eine Bäckerei und einen Gemischtwarenhandel führte. Im Jahr 1889 wurde das alte Haus abgerissen und das jetzige Gebäude errichtet. Im Jahr 1912 hat es die Familie Zarl erworben.