Amstetten

Erstellt am 04. August 2016, 04:42

von Daniela Führer

Haag: „Wenn ich das höre, zieht‘s mir alles zusammen“. Stadt, seine innere Ruhe, die Präsidentschaftswahl und die Zusammenarbeit mit der SPÖ. Grüne-Umweltstadtrat Gerhard Haag über die Streitthemen in der

Seit Anfang Juni hat Grünen-Stadtrat Gerhard Haag seine Funktion als Sprecher der Bezirks- und Am-stettner Ortspartei an Sarah Huber abgegeben: „Ich sehe auch schon, seit ich die Aufgaben abgegeben habe, kommen mir Ideen, die hätte ich vorher nicht gehabt. Dafür braucht es einen freien Kopf“, begründet der Stadtrat den Wechsel. Foto: Daniela Schlemmer  |  Daniela Schlemmer

NÖN: Sie haben Ihre Gruppensprecherfunktion der Grünen auf Bezirks- und Gemeindeebene an Sarah Huber abgegeben. Warum?

Gerhard Haag: Ja, weil ich ressourcenmäßig als Stadtrat sehr eingespannt bin. Für die Funktion als Sprecher braucht es jemanden, der mehr Zeit hat, damit sich die Partei weiterentwickelt. Ich selbst war bislang in einer Schiene drinnen, ich habe Sachen gemacht, die anfallen, aber hatte keine Zeit mehr, links und rechts zu denken. Es braucht einen freien Kopf, um neue Ideen zu entwickeln. Privat nehme ich mir gerne Zeit zum Meditieren. Ich sehe auch schon, seit ich die Aufgaben abgegeben habe, dass mir Ideen kommen, die hätte ich vorher nicht gehabt. Daher ist das sicher die beste Lösung: Ich bleibe Stadtrat und Sarah Huber ist interimsmäßig Gruppensprecherin auf Orts- und Bezirksebene. Im September wird sie bei den Wahlen legitimiert. Dominic Hörlezeder wiederum ist Fraktionssprecher der Amstettner Grünen. So hat jeder ein klar definiertes Aufgabengebiet.

Nach einer verlorenen Wahl gibt es immer einen Aufschrei

Die Amstettner Grünen sind seit knapp eineinhalb Jahren nun mit der SPÖ in der Stadtregierung vertreten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der SPÖ?

In meinem Umweltbereich funktioniert diese sehr gut. Das merkt man auch an den Projekten, die wir mittlerweile auf Schiene haben und die wir planen. Schwierig sind die altbekannten Themen Verkehr, Hauptplatzgestaltung oder Anbindung der Ortsteile mittels Anrufsammeltaxi. Das dauert zu lange, bis sich da etwas bewegt. Da sind aber alle Parteien gefordert. Nach einer verlorenen Wahl gibt es immer einen Aufschrei und es wird gesagt, die Leute haben genug von den Streitereien, man muss mitei-nander arbeiten. Aber in Wahrheit sind das immer nur leere Phrasen, denn jeder schaut, das Optimum für sich und seine Partei rauszuholen. Oft sind auch viele Befindlichkeiten dabei, die das Arbeiten nicht gerade leichter machen. Anscheinend ist es für viele immer noch schwierig, über ihren Schatten zu springen und zum Wohle der Sache zusammenzuarbeiten. Ich bin für das Gemeinsame und werde deswegen oft auch kritisiert. Ich möchte aber nach fünf Jahren zurückschauen und sagen können: Das haben wir alles für unser Amstetten erreicht. Im Großen und Ganzen bin ich aber recht zufrieden mit der Amstettner Stadtpolitik. Bei den Angelegenheiten, die uns als Grüne wichtig sind, funktioniert die Kommunikation gut.

Wie Sie bereits angesprochen haben, ist eines der großen Streitthemen die Hauptplatzgestaltung und -belebung. Was sind Ihre Vorschläge dazu?

Es braucht einfach eine Attraktivierung, die die Leute vom CCA zum Hauptplatz rüberzieht. Zum Beispiel kam beim Workshop „Amstetten wächst“ von Max Mayerhofer der Vorschlag, etwas mit Wasserspielen zu machen. Das wäre denkbar, da wir ja dort auch einen Brunnen haben. Man muss verschiedene Nutzungsmöglichkeiten einfach breit diskutieren. Will man auch Wohnraum schaffen? Da drehen wir uns zur Zeit noch im Kreis. Ich denke, es braucht im Hinblick auf die Geschäfte und die Fassaden am Hauptplatz auf jeden Fall Subventionierungen von der Gemeinde, zum Beispiel eine Investitionssubventionierung für Gebäudebesitzer, damit diese ihre Häuser renovieren. Da muss man mit den Gebäudebesitzern an einem Strang ziehen. Der Vorschlag etwa, statt der Einbahnregelung wieder Gegenverkehr am Hauptplatz zuzulassen, wird meiner Meinung nach nichts bringen. Ein Mehr an Autos und Verkehr bedeutet nicht gleich mehr Belebung und Konsumation.

Die aktuelle Umleitung aufgrund der Sperre der Alten Zeile über den Hauptplatz lässt ja wieder Gegenverkehr über den Hauptplatz zu ...

Ja genau, und diese Situation, wie wir sie jetzt am Hauptplatz haben, wünsche ich mir nicht. Bislang herrschte ein Gleichgewicht zwischen Autos, Fahrradfahrern und Fußgängern. Es war angenehm. Jetzt ist die Situation beengt, man muss beim Ausparken sehr gut aufpassen und auch in die Gastgärten am Hauptplatz will ich mich persönlich jetzt nicht setzen. Aber ich denke, vielleicht wird jetzt dadurch auch bewusst, dass die Verkehrssituation vorher gar nicht so schlecht war. Ich bin gespannt auf die Reaktionen im Verkehrsausschuss.

Gerhard Haag ist gegen den Vorschlag, den Hauptplatz wieder zweispurig einzurichten: „Ein Mehr an Autos und Verkehr bedeutet nicht gleich mehr Belebung und Konsumation. Im Gegenteil: Der Hauptplatz verliert an Flair.“  |  NOEN

Aktuell wird auch das Freibad wieder heiß diskutiert. Was ist Ihre Meinung dazu?

Jetzt liegen die Zahlen am Tisch, was ein neues Projekt kosten könnte. Wir hatten mittlerweile eine Begehung und jetzt müssen wir darüber diskutieren, wohin die Reise geht. Wir werden uns als Bezirkshauptstadt ein Freibad leisten müssen, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, es geht in die oder in die Richtung. Da muss man sich Frequenz, Auslastung und eventuelle Förderungsmöglichkeiten genau ansehen.

Zur Bundespräsidentenwahl: Mit Alexander Van der Bellen tritt der langjährige Grünen-Chef wieder zur Stichwahl an. Die erste Wahl hat er ja knapp gewonnen. Glauben Sie, dass er wieder siegt?

Ich gehe davon aus, dass wir es ins Trockene fahren, da die Wahl ja nur aufgrund Formalfehler wiederholt wird. Es war aber auch gut, dass die Fehler aufgezeigt wurden, denn es darf nicht der Eindruck bleiben, dass etwas geschoben wurde.

Was von den Großparteien SPÖ und ÖVP auch bemängelt wurde, betrifft die wenigen Wahlbeisitzer der kleineren Parteien, wie der FPÖ und den Grünen. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Bis jetzt haben wir als kleinere Partei natürlich auch das Problem, weniger Wahlbeisitzer stellen zu können, aber dafür muss man sich nicht schämen. Es ist für die Menschen nach wie vor schwierig, sich öffentlich zu einer Kleinpartei wie den Grünen zu bekennen.

Wie sehen Sie die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt?

Was man so wahrnimmt und von den Leuten hört, dürfte es gut funktionieren. Mir sind auf jeden Fall aus den Flüchtlingsquartieren Mauer und Waldheim keine negativen Vorfälle bekannt. Es ist auch interessant zu sehen, wie anders sie plötzlich mit dem Thema umgehen, wenn die Leute direkten Kontakt zu Flüchtlingen bekommen und dann jemanden kennen. Dasselbe gilt auch für das subjektive Sicherheitsgefühl. Wenn man den Leuten drei Wochen ein Medienverbot erteilen würde, hätten wir ein ganz anderes Sicherheitsgefühl in Amstetten. Wenn ich höre, man kann in der Nacht nicht mehr durch Amstetten gehen, zieht’s mir alles zusammen. Da muss man die Kirche im Dorf lassen.