Erstellt am 30. November 2015, 08:50

von Josef Penzendorfer

Stiller Beter blickt zurück. Dankbar / Pater Raphael Schörghuber feierte seinen 95. Geburtstag und darf auf ein bewegtes, aber erfülltes Priesterleben zurückblicken, dass in durch die ganze Welt führte. WOLFSBACH/SEITENSTETTEN /  Am 18.

Pater Raphaels Hobby ist die Fotografie.  |  NOEN, Penzendorfer

Am 18. November hat er bei guter Gesundheit und rüstig sein 95. Lebensjahr vollendet, „mit Gottes Hilfe, ich kann nichts dafür!“ So spricht der Seitenstettner Benediktinerpater Raphael Schörghuber in seiner Bescheidenheit, wenn man ihm zum Geburtstag gratuliert. Geboren wurde Walter Schörghuber am Hause Kirchweg in Wolfsbach als zweites von zehn Kindern. Schon in jungen Jahren musste er in der Landwirtschaft mithelfen.

Eines Tages stellte der Vater bei der Heuernte dem kaum zehnjährigen Walter die überraschende Frage, ob er nicht Priester werden wolle. Sechs Jahre fuhr er daraufhin mit dem Fahrrad zur Klosterschule nach Seitenstetten, ehe diese 1938 ihre Pforten schließen musste. Im bayrischen Metten konnte er die 7. Klasse absolvieren, am Akademischen Gymnasium in Linz die Matura ablegen.

Angesichts der Klosterschließungen stellte es 1940 ein großes Wagnis dar, nun als Novize ins Stift einzutreten. Nach nur drei Wochen kam auch schon die Einberufung zum paramilitärischen Arbeitsdienst, und dann folgten fünf Jahre in der Deutschen Wehrmacht beim Panzer-Nachrichtenregiment.

„Ich müsste drei bis vier Mal tot sein“

„Unsere Waffe war die Morsetaste“, schildert der Pater, der den Russlandfeldzug erlebte. „Ich müsste drei bis vier Mal tot sein, bei Smolensk habe ich einem Russen und er mir das Leben gerettet“, erzählt er.

Bis 1945 musste er ganz Osteuropa durchstreifen, ehe er bei Spielfeld wieder heimatlichen Boden betrat. Nur knapp entging er dem Kriegsgericht, weil er einen „Feindsender“ gehört hatte, er wurde dann aber doch im Juli 1945 in Bischofshofen von den Amerikanern entlassen. Freilich sollte er nicht in die russische Besatzungszone übertreten, trotzdem wagte er die Flucht zurück nach Wolfsbach.
Bald meldete er sich im Stift zurück, „das Noviziat war für mich nach dem Krieg wie der Himmel auf Erden“, betont er. Nach seinem Theologiestudium in Innsbruck wurde er 1950 in Rom zum Priester geweiht.

Es folgten Kaplansjahre in Stiftspfarren bis er von Abt Theodor Springer für 30 Jahre zum Stiftsschaff(n)er bestellt wurde. Dort galt es, die Landwirtschaft zu modernisieren und Wiesen trocken zu legen, damit Felder – erstmals wurde auch Mais angebaut – maschinell bestellt werden konnten. Und es wurden rund 50 Kilometer Forstwege in den Stiftswäldern angelegt.

„Wenn wir unsere Herzen dem
Glauben öffnen, dann kann Friede
sein und wird vieles gut.“
Credo von Pater Raphael

65-jährig wurde Pater Raphael sein Wunsch nach Seelsorge erfüllt: Er durfte in Wolfsbach noch 20 Jahre als Pfarrer wirken, wo er noch heute zweimal in der Woche Gottesdienste feiert. Bei Pfarrwallfahrten brachte der reisefreudige und sehr belesene Benediktiner seinen Pfarrangehörigen das christliche Europa näher. Noch als 90-Jähriger unternahm er mit dem eigenen Auto eine Fahrt nach Berlin. „Und doch gab es in meinem Priesterleben keinen einzigen Tag ohne Heilige Messe, was gerade unterwegs nicht immer einfach war,“ erzählt der Jubilar.

Astronomie und Fotografie zählen zu seinen Hobbys, hat er doch schon in den 30er Jahren mit einer Plattenkamera fotografiert. Heute arbeitet er sogar am Computer. Dem naturverbundenen Mönch ist auch die Schöpfung von großem Wert: „Wir dürfen unser ‚Haus‘, in dem wir leben, nicht kaputt machen.“ Sein altersweises Credo angesichts der fortschreitenden Säkularisierung lautet: „Wenn wir unsere Herzen dem Glauben öffnen, dann kann Friede sein und wird vieles gut.“