Erstellt am 22. Dezember 2014, 00:01

Thomastag. Weihnachtsgeschichte von Alexander Hofer.

 |  NOEN, BilderBox.com (www.BilderBox.com)
Warum ich gerade einen Julitag mit lähmenden 37 Grad gewählt habe, um mich für eine winterlich- weihnachtliche Geschichte an die Computertastatur zu setzen, werde ich wohl Wochen später nicht mehr genau sagen können.

War vielleicht das Arbeitszimmer mit dem Computer am Tisch der einzig wirklich kühle Ort im Haus? Oder war es die schläfrig machende Hitze, die diese seltene Ruhe im Haus entstehen ließ, die man zum Nachdenken und Schreiben einer Geschichte braucht? Oder waren es meine Söhne, die unter dem Eindruck der tropischen Temperaturen kürzlich von den Vorzügen der kalten Jahreszeit geschwärmt haben? Ich weiß es nicht mehr ... Ich weiß nur, dass ich nach dem  Entschluss zu schreiben die Tür des Arbeitszimmers geschlossen und den tagelang verdunkelten Raum mit künstlichem Licht erhellt habe.

Dann habe ich mich erst einmal zurückgelehnt. Ist schon komisch! In sechs Monaten wird dieses Zimmer wieder Sperrzone sein. Auf den Bücherschränken werden bunt verpackte Geschenke gestapelt, die Reste des Einpackpapiers werden am Boden liegen. Unzählige Sackerl und Taschen werden einen nur schmalen Weg von der Türe zum Fenster freilassen. Und die Türe wird versperrt sein. Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der kindlich-weihnachtlichen Illusion.

Für meine Frau und mich war immer klar, unseren Kindern jenen Zauber der Weihnacht zu gönnen, den auch wir in Kindheitstagen erlebt haben. Gerade in einer Zeit, die kaum Platz lässt für Fantasie und unerklärbare Phänomene, die geprägt ist von Statistik, Zahlen und Erklärungsmodellen für alles, muss für die Kleinen dieser Rest an Geheimnisvollem erhalten bleiben. Das geht ja ohnehin nur kurze Zeit ... Während ich mich an Vorweihnachtstage der letzten Jahre zurückerinnere, an hektische letzte Besorgungen und an jenes kurze, aber berührende Gefühl, das sich zur Bescherung vor dem hell  erleuchteten Christbaum dann doch noch einstellt, wird es plötzlich kühl im Raum.

Draußen wütet die Mittagssonne und drinnen muss ich zum Pullover greifen – seltsam. Ich gehe also aus dem Zimmer ... und traue meinen Augen nicht. Es schneit! Es schneit dicke Flocken vom Himmel! Das kann nicht  wahr sein! Ich öffne die Haustür und gehe in den Garten. Alles weiß! Die Äste der Bäume biegen sich unter der Schneelast und das Wasser in der Regentonne ist gefroren. Ich stapfe durch den kniehohen Schnee in den Garten und habe das Gefühl, von einem Schneemann gegrüßt zu werden.

"Frohe Weihnachten!“, sagt er tatsächlich, rümpft die Karottennase und beutelt sich den Schnee aus der Tannenreisigfrisur. „Wie bitte?? Frohe Weihnachten ...??“, frage ich mich leise und gehe an ihm vorbei zum Gartentor. „Ihnen auch und lieben Gruß an die Familie!“, ruft die Nachbarin über den Zaun und winkt mit dem Strohstern, der sich nicht und nicht an der Spitze eines Christbaums  befestigen lassen will. Ich winke zurück und bringe kein Wort heraus. Ich öffne die Gartentüre und stehe am Gehsteig. „Sie werden sich verkühlen, so wie Sie daherkommen!“, scherzt ein Mann aus dem Autofenster, der, den Spuren im Schnee nach zu schließen, schon mehrmals versucht hat, mit allzu viel Gas sein Fahrzeug aus der Parklücke zu manövrieren.

„Ich helfe Ihnen ...“, murmle ich und  versuche mit ruckartigen Schüben am Heck, das Fahrzeug aus dem Schneeloch zu schaukeln. Ich bemerke, dass meine Hilfe in kurzer Hose, Leiberl und Flip- Flops nicht zum erwünschten Erfolg führen wird und biete an, Rollsplitt aus dem Keller zu holen, um den Autoreifen das Durchdrehen zu verleiden. Auf dem Weg in den Keller werfe ich einen kurzen Blick auf unseren Wandkalender ... 24.12., Heiliger Abend!

Der Sack mit dem Streugut steht gleich hinter der Kellertür. Ich schleppe ihn die Stiegen hinauf, hinaus in den Garten, muss immer wieder Pause machen und schaffe es schnaufend bis zum Gehsteig. „Versuchen Sie es noch einmal, diesmal vielleicht mit weniger Gas ...!“ Nach dem zweiten Mal Vollgas vergraben die Reifen die beiden kiloschweren Rollsplitthügel endgültig in der Eisrinne, der Motor heult auf, aber das Fahrzeug ist aus der Lücke. „Vielen Dank und frohe  Weihnachten! Und ziehen Sie sich was an!“, ruft der unbekannte Lenker lachend.

Ich bleibe zurück mit einem halbleeren Sack, verschwitzt in T-Shirt und Sommerschlapfen. „Frohe Weihnachten ...“ Ich ziehe den Plastiksack über den verschneiten Gartenweg zurück vor die Haustüre, der freundliche  Schneemann lächelt mild ... „Papa, Papa! Wir rufen dich schon die ganze Zeit! Hörst du uns nicht?“ Meine Söhne schütteln mich, ich schrecke aus dem Schreibtischsessel auf und muss entgeistert dreingeschaut haben. „Die Mama will wissen, ob wir genügend Grillkohlen für den Abend haben?“ Schneemann, Rollsplitt, Grillkohlen??

Ich stehe auf, gehe ans Fenster und reiße die Jalousie auf. Ich spüre die beißende Sonne im Gesicht. Ich laufe zum Wandkalender ... 3. Juli, Festtag des heiligen Thomas.

„Es ist Sommer!“, rufe ich. Die Kinder sehen mich an und sagen nichts. „Sebastian! Benjamin! Hat das Christkind Hosen an?“ Ich beuge mich zu meinen sechsjährigen Söhnen hinunter und erwarte nicht sofort eine Antwort. So etwas muss wohl überlegt sein. Ohne Zögern sagen die Buben: „Natürlich, sonst wäre ihm im Winter ja kalt beim Herumfliegen ...“ Das ist eine Antwort! Sicher, sonst wäre ihm ja kalt beim Herumfliegen! „Oder gehst du im Winter mit Sommersachen in den Garten?“, fragen sie.„... nein, Kinder, natürlich nicht ...!“
 
Alle Geschichten des NÖN-Adventkalenders sind folgenden Büchern entnommen:

Hat das Christkind Hosen an?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Heitere Weihnachtsgeschichten für große Kinder.
21 Euro, 192 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

 
Es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied! Und er wurde auch schon hinlänglich und in allen nur erdenklichen
Facetten erforscht. So sind Frauen zum Beispiel eher Rechtshänderinnen und seltener farbenblind. Ihr Sehfeld ist größer als das der Männer. Männer sehen dafür schärfer. Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen. Männer werfen und fangen besser, sind im Durchschnitt um zehn Prozent größer, um 20 Prozent schwerer und um 30 Prozent stärker als Frauen, besonders am Oberkörper ...

Eine ganz wesentliche Frage wurde freilich bislang noch nie gestellt: Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Auffassung vom Christkind?

Dieses letzte aller noch verbliebenen Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken, ist die Mission des dritten Bandes der erfolgreichen Christkindanthologie. Nachdem sich in den Vorjahren Journalistinnen aus ganz Österreich himmlischen Lifestyle-Themen gewidmet haben und Fragen nachgegangen sind wie "Ist das Christkind wirklich blond?" oder "Lebt das Christkind hinterm Mond?", offenbaren uns nun Österreichische Top-Journalisten ihr ganz persönliches christkindliches Verständnis. Sie bescheren uns tief(sinnig)e Einblicke mit ihren Betrachtungen zu "Hat das Christkind Hosen an?" Manch einer mag so weit gehen, zu fragen: Ja, ist es am Ende etwa gar ein Mann ...

Lebt das Christkind hinterm Mond?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg
Noch mehr heitere Weihnachtsgeschichten.
21  Euro, 180 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

Das Leben ist voller Christkindmomente. Weißt du, wo das Christkind wohnt? Hinterm Mond? Und doch kommt es so weltoffen und geistreich daher, ist so fest verortet im Hier und Jetzt. Es ist da, immer dann, wenn es uns gelingt, anderen eine Freude zu machen, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder einfach nur für einen Augenblick innezuhalten und zuzuhören.

Das Leben ist voller berührender, lustiger, tiefgründiger, verworrener, liebenswerter, stimmiger, unglaublicher, fantastischer ... Christkindmomente. Es gilt nur sie aufzuspüren. Viele davon wohnen in uns, sind eingeschrieben in unser gemeinsames Gedächtnis. Wie die langen, nicht enden wollenden Stunden erwartungsvoller Vorfreude, die sich dann im Nachhinein vielleicht als die schönsten erweisen. Wie die Freude am Schenken, die oft um so vieles größer ist, als die darüber, beschenkt zu werden. Wie die eingespielten Traditionen und Bräuche, die wir zeitlebens mit Inbrunst verwünschen, obwohl wir doch genau wissen, nicht ohne sie sein zu wollen.

„Steht das Christkind vor der Tür? Das Licht-ins-Dunkel-Weihnachtsbuch“

x  |  NOEN, Verlag Anton Pustet
Barbara Brunner,  Caroline Kleibel, 144 Seiten, 22 Euro, Verlag Anton Pustet
Steht das Christkind vor der Tür? Aber ja doch! Alle Jahre wieder wollen wir das Christkind oh so fröhlich hereinbitten und voller Vorfreude willkommen heißen. Die Tür zu wunderbaren Weihnachten öffnen uns dieses Mal Menschen, die wir alle kennen und schätzen. Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, was zählt. Uns wiederum reicht das von ihnen Erzählte.

In diesem stimmungsvollen Sammelband geben Künstlerinnen und Künstler, Medienschaffende und prominente Persönlichkeiten ihre denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen preis. Einmal heiter, dann wieder besinnlich, nostalgisch und zuweilen auch durchaus kritisch.  Sind die Türen erst einmal weit offen, bleiben auch die Herzen nicht verschlossen. Mit dem Kauf jedes einzelnen Buches unterstützen Sie die Aktion Licht ins Dunkel.