Amstetten

Erstellt am 04. Juli 2016, 09:05

von Hermann Knapp

Neues Ambulatorium in Amstetten geplant. Bettina Mühlberger will Einrichtung für Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnen und hofft auf Kassenvertrag.

Helle und freundlich eingerichtete Therapieräume sollen garantieren, dass sich die Kinder im Ambulatorium wohl und geborgen fühlen. Foto: privat  |  NOEN

Ergotherapeutin Bettina Mühlberger hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie will in Amstetten ein Ambulatorium für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendpsychiatrie errichten.

Den Bedarf sieht sie in der Region gegeben, sei es in der Nach- und Weiterbehandlung von Patienten psychiatrischer Einrichtungen (Landesklinikum Mauer), von Sonderschülern oder auch von Klienten des Kinderschutzzentrums, um nur einige mögliche Tätigkeitsfelder zu nennen.

Michaela Caroline Fried soll Leitung übernehmen

Bettina Mühlberger plant die Errichtung eines privaten Ambulatoriums in Amstetten. Foto: privat  |  privat

„Die Kompetenzen von R.E.S.E.T., so soll das Ambulatorium heißen, werden bei spezifischen Trainingsprogrammen im Einzelsetting und vor allem in Kleingruppen zur sozialen Kompetenz nach den Elementen aus der Bindungstheorie (sicherer Hafen und sichere Basis) mit der Neuen Autorität nach Haim Omer (Ankerfunktion der Eltern in Krisenzeiten) liegen“, sagt Mühlberger (Foto links).

Das wird die neue Einrichtung auch vom Kinderambulatorium der VKKJ unterscheiden, dessen Schwerpunkt ja auf geistigen und körperlichen Einfach- oder Mehrfachbehinderungen liegt.

Die ärztliche Leitung des Ambulatoriums – sofern es genehmigt wird – soll Michaela Caroline Fried (Foto unten) übernehmen, die derzeit noch als Kinder- und Jugendpsychiaterin in Seitenstetten praktiziert. Derzeit läuft noch das Bedarfserhebungsverfahren. Das Land muss grünes Licht für die Schaffung des Ambulatoriums geben. Der Gemeinderat der Stadt Amstetten hat ihm in seiner Sitzung in der Vorwoche jedenfalls durchaus eine Notwendigkeit bescheinigt.

Michaela Fried soll die auf Kinder- und Jugendpsychiatrie spezialisierte Einrichtung leiten. Foto: privat  |  privat

Stimmt das Land zu, dann muss Mühlberger noch mit der Gebietskrankenkasse verhandeln. Sie wünscht sich natürlich einen Kassenvertrag für das Ambulatorium. „Denn das hieße, dass Eltern unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten mit ihren Kindern zu uns kommen könnten. Da Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeuten mit Kassenvertrag eine Rarität darstellen, müssen sie oft einen Kostenbeitrag leisten, was gerade für sozial Schwächere oft schwierig ist.“

Vier Professionen im Ambulatorium geplant

Vier Professionen sollen im Ambulatorium tätig sein und ein umfassendes Leistungsspektrum abdecken, das von einer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, über Ergotherapie bis hin zur Heilpädagogik reicht. Geplant ist ein Gruppentraining als Soziales Kompetenztraining, ein Gruppentraining für Kinder mit ADHS, ADS oder Konzentrationsschwächen und ein Skills

training, das sich selbst verletzenden Kindern helfen soll, ihre Spannung adäquat abzubauen. „Wichtig ist, dass die Kinder in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben können. Das erreichen wir, indem wir in den Schulen, in den Kindergärten und im häuslichen Umfeld tätig sein werden und Strukturen durch Unterstützung optimieren“, sagt Mühlberger.

Besonderen Wert legt sie auch auf die Einbeziehung der Eltern in die Therapie. „Sie werden bei jeder Stunde dabei sein, denn es ist wichtig, dass sie die Entwicklung und auch die Erfolge ihrer Kinder miterleben.“

Mühlberger hofft, dass spätestens im Herbst ein positiver Entscheid des Landes vorliegt. Standort des neuen Kinder-Ambulatoriums wird in der Reichsstraße 24 (über der Apotheke) sein.