Erstellt am 28. September 2015, 09:39

von Hermann Knapp

Viele Ängste, Ablehnung aber auch Hilfsbereitschaft. Diskussionsabend in Mauer bei Amstetten über die Aufnahme von Flüchtlingen spiegelte den Riss wider, der in dieser Frage die österreichische Gesellschaft entzweit.

Rund 400 Bürger und Bürgerinnen kamen zur Infoveranstaltung über die Aufstellung von Containerdörfern für Flüchtlinge in Waldheim und Mauer. Dabei wurde teilweise sehr emotional diskutiert. Foto: Hudler  |  NOEN, Hudler/Kapf

Heftig prallten beim Informationsabend über die Aufstellung von Containern für 60 Flüchtlinge auf dem Areal der Bundesforste in Waldheim und 90 Flüchtlinge am Gelände des Landesklinikums Mauer die Meinungen aufeinander.



Rund 400 Bürger waren in den Turnsaal der Neuen Mittelschule gekommen und schon vor Beginn war die Spannung im Saal zu spüren. Prompt kamen denn auch gleich anfangs die erwarteten „kritischen“ Anfragen.

„80 Prozent der Flüchtlinge sind ohnehin Wirtschaftsflüchtlinge. Außerdem kommen viele mit Waffen ins Land und niemand nimmt sie ihnen ab“, glaubte eine älterer Besucher zu wissen. Beteuerungen von Andreas Pechter, von der Abteilung Staatsbürgerschaft des Landes, dass die Asylwerber, die nach Amstetten kommen, sicher keine Waffen bei sich haben werden, konnte ihn von seiner vorgefassten Meinung nicht abbringen.

Thema Sicherheit beschäftigt die Menschen

Das Thema Sicherheit wurde aber von vielen Diskussionsteilnehmern angesprochen. Die Palette reichte dabei, vom Schutz der Kinder, die an den Containern vorbei zur Schule gehen müssten, bis zur Sorge vor Einbruch und Diebstahl. Ein Bürger meinte sogar: „Waldheim ist ein Naherholungsgebiet. Aber künftig wird sich dort keiner mehr spazieren gehen oder laufen trauen.“

Bürgermeisterin Ursula Puchebner betonte daher einmal mehr, dass die Flüchtlinge ja keine Schwerverbrecher oder Kinderschänder seien. „Es sind Menschen, die alles verloren haben und Hilfe suchen. Ich verspreche aber auch, dass die Stadtpolizei in Kooperation mit der Bundespolizei die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten wird“, erklärte die SP-Politikerin.

Asylwerber, die sich etwas zu Schulden kommen lassen, fallen aus der Grundversorgung und werden nach Traiskirchen zurückgeführt, betonte Pechter. Und Ortsvorsteher Anton Ebner versicherte, dass er immer zur Verfügung stehen werde, sollte es tatsächlich zu einem Problem kommen. „Dann könne Sie mich ruhig auch um zwei Uhr früh anrufen!“

Wolfgang Gaigg von der Diakonie, die in NÖ-West für die Flüchtlingsbetreuung zuständig ist, berichtete, dass in etwa 60 Gemeinden bereits rund 3.200 Asylwerber aufgenommen worden seien. „Und es hat bisher keine einzige Straftat gegeben!“ Die Diakonie wird in Amstetten zwei Anlaufstellen einrichten – für Asylwerber und für Menschen, die bereits den Asylstatus haben.

Rund-um-die-Uhr-Betreuung

In den Containerdörfern wird es eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Flüchtlinge geben. Dazu hat das Land die Betreiberfirma SLC-Europe verpflichtet.

Christian Kogler, als Vertreter des Unternehmens, sicherte auch zu, dass bestimmt nicht mehr Flüchtlinge im Containerdorf Unterschlupf finden könnten, als dafür vorgesehen seien - wie einige Diskussionsteilnehmer befürchteten. Ebenso wenig könnten sich Asylweber einfach aus dem Quartier entfernen. „Denn es wird täglich eine Standeskontrolle durchgeführt. Fehlt jemand unerlaubt, fällt das also sofort auf“, versicherte er.

Die Diskussion in Mauer spiegelte letztlich die Fronten wieder, die derzeit die österreichische Gesellschaft spalten. Jene Menschen, die den Flüchtlingen mit Ablehnung begegnen (zum Teil auch auf sehr tiefem Niveau, wie Zwischenrufe, man solle die Container doch in der Wüste Gobi errichten, beweisen) und jene, die helfen wollen. Denn auch diese meldeten sich bei der Info-Veranstaltung zu Wort. „Ich frage mich, wo in Amstetten die Solidarität geblieben ist. Ich spüre hier so viel Ablehnung, dabei gibt es ja sehr viele Leute, die diesen Menschen helfen wollen“, merkte eine Frau an und erntete kräftigen Applaus.

Ebenso jener Mann, der für den goldenen Mittelweg plädierte: „Ich glaube ebenfalls, dass wir den Flüchtlingen helfen müssen, aber sie müssen im Gegenzug auch eine Garantie abgeben, dass sie sich an unsere Werte halten und unsere Gesetze respektieren. Nur dann kann Integration funktionieren.“ Dieser Aussage konnten, an der Lautstärke des Beifalls gemessen, offenbar fast alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Infoveranstaltung zustimmen.

Familien aber auch Einzelpersonen

Sorgen machen sich die Anrainer auch darüber, welche Asylwerber nun tatsächlich nach Mauer und Waldheim kommen. „Wir haben die Zusicherung, dass es eine Durchmischung geben wird. Es werden also Familien kommen, aber auch Einzelpersonen“, erklärte dazu Stadtchefin Puchebner.

Die Frage einer Bürgerin, wie man die Flüchtlingskinder in den Schulunterricht integrieren könne, beantwortete Bezirksschulinspektorin Michaela Stanglauer: „Wir sind darauf vorbereitet. Die Zahl der Kollegen und Kolleginnen, die für Sprachförderung zuständig sind, wurde aufgestockt. Wir werden auch gemeinsam mit der Stadt schauen, in welchen Schulen und Klassen noch Platz für die Kinder ist. Wir stehen ja nicht zum ersten Mal vor der Herausforderung Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache zu integrieren.“

Dankbar ein Teil von Amstetten zu sein

Zu Wort meldete sich bei der Diskussion auch der syrische Arzt Osama Abo Rshdan. Er ist vor etwa einem Jahr nach Österreich gekommen und arbeitet nun im Landesklinikum Mostviertel. Innerhalb kurzer Zeit hat er sich beträchtliche Sprachkenntnisse angeeignet. „Ich bin dankbar ein Teil von Amstetten zu sein und will positiv zur Gesellschaft beitragen“, betonte er. „Dasselbe gilt auch  für meine Landsleute“, ist Abo Rshdan von deren Integrationswillen überzeugt.

Pater Michael Prinz, Pfarrer in Öhling, berichtete von seinen Erfahrungen mit Flüchtlingen in seiner Pfarre. Auch diese seien vor allem dankbar für die Hilfe und willig, sich in die Ortsgemeinschaft einzufügen.

Natürlich konnten an diesem Abend längst nicht alle Fragen geklärt und alle Ängste ausgeräumt werden. Ortsvorsteher Anton Ebner bat denn auch die Kritiker um ein paar Monate Zeit. „Jene, die helfen wollen, lade ich ein mit uns Kontakt aufzunehmen.

Jene, die den Flüchtlingen ablehnend gegenüberstehen, bitte ich zumindest still zu halten. Zu Weihnachten können wir dann vielleicht schon eine erste Bilanz ziehen. Der Ortsteil Mauer-Waldheim-Greinsfurth zeichnet sich durch Zusammenhalt und Nachbarschaftshilfe besonders aus. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, die Flüchtlinge in unsere Gemeinschaft aufzunehmen.“