Erstellt am 02. März 2016, 01:09

von Daniela Führer

Vizebürgermeister dankt ab: "Musste sich was ändern". VP-Vizebürgermeister Rupert Jäger legt seine Funktion aus zeitlichen Gründen zurück. Im NÖN-Gespräch blickt er auf sieben ereignisreiche Jahre zurück.

Sieben Jahre war Rupert Jäger Vizebürgermeister von St. Georgen/Ybbsfelde. In seinem Rücktrittsschreiben an die Marktgemeinde hält er fest, dass er die Funktion mit 20. März zurücklegt.  |  NOEN, Foto: Daniela Schlemmer

"Ich hoffe einfach, meine Zeit in Zukunft bewusster umsetzen zu können", sagt St. Georgens Vizebürgermeister Rupert Jäger.

In knapp drei Wochen, am 20. März, legt er seine Funktion offiziell zurück und setzt einen Schritt, den er schon vor zwei Jahren erstmals angedacht hat. „Ich hatte damals eine Chemotherapie und mir wurde einfach klar, irgendetwas muss sich in meinem Leben ändern.“

Seine vielen Ämter und Funktionen mit dem Betrieb der eigenen Landwirtschaft unter einen Hut zu bringen, war eine ständige Herausforderung und kostete ihn viel Kraft. „Für mich war eines immer klar: Wenn ich mich um etwas annehme, dann zu hundert Prozent. Und das habe ich auch immer durchgezogen. Aber irgendwann geht es nicht mehr und daher habe ich schweren Herzens den Entschluss gefällt, meine Funktion als Vizebürgermeister zurückzulegen“, erklärt der 52-Jährige.

Volle Konzentration auf Landwirtschaft

Er möchte sich nun in erster Linie auf seine Landwirtschaft konzentrieren, denn: „Es gibt ständig neue Richtlinien und Gesetze umzusetzen und das ganz Jahr viel zu tun.“

In Rupert Jägers Ära als Vizebürgermeister ist in der Gemeinde St. Georgen/Ybbsfelde viel geschehen. „Ich bin sehr dankbar, dass ich bei der Umsetzung vieler kleiner und großer Projekte federführend dabei sein durfte.“ Besonders in Erinnerung ist ihm dabei der Bau des Heizwerkes Bioenergie 2009. „Die Umsetzung war damals ein Gewaltakt – neben einem arbeitsintensiven Betrieb auch noch dieses Projekt als Obmann zu stemmen“, sagt er rückblickend. Doch heute ist er sehr stolz, dass dieses zukunftsträchtige Projekt gelungen ist.

„Brauchen ein zweites betreubares Wohnen“

Aber auch an sein erstes Projekt als St. Georgens Vizebürgermeister erinnert er sich noch genau: „Das war eigentlich eine kleine Sache. Die Bushütte in Matzendorf musste versetzt werden. Die Buschauffeure wollten nicht mehr durchs Dorf fahren. Es war dann ein Sachverständiger da und ich, ganz neu im Amt, dachte mir, ich müsste das jetzt unbedingt durchdrücken. Ich redete auf den Sachverständigen ein, schlug ihm verschiedene Standorte auf unserem eigenen Grund ybbsseitig vor“, schildert er. „Bis dann zur Sprache kam, dass das Wartehäuschen durch die Fahrtrichtung der Busse ja eigentlich auf der anderen Seite errichtet werden musste“, schmunzelt Jäger.

Weitere Projekte unter seiner Federführung betrafen die Errichtung der Ampel in Hart, die Neugestaltung des St. Georgner Ortsplatzes samt Errichtung eines neuen Schuleingangs oder zuletzt den Ideenfindungsprozess für den neuen „Georgssaal“ im Zuge der Pfarrheimsanierung sowie das gemeindeübergreifende Wasserversorgungsprojekt mit Ferschnitz.

Raumordnung: Um- und Weiterdenken

„Ich habe immer versucht, weiterzudenken. Zum Beispiel schufen wir im Rahmen der Ortsplatzneugestaltung auch gleich die Infrastruktur für eine Elektro-Tankstelle, die jetzt auch bald kommen wird“, erklärt er.

Unbedingt ein Um- und Weiterdenken müsse seiner Meinung nach auch bezüglich Raumordnung der Zukunft stattfinden: „Wir müssen beginnen, in die Höhe zu bauen, sonst gehen uns irgendwann einmal die Flächen aus“, ist er überzeugt. Speziell für St. Georgen hält er die Errichtung eines zweiten betreubaren Wohnens für notwendig: „Die Nachfrage ist groß und das Thema wird in Zukunft auch immer wichtiger.“

Jäger betont auch die stets gute Zusammenarbeit in der ÖVP-Fraktion: „Es wurde immer offen und lange diskutiert und ich bin sehr stolz, dass wir immer den Konsens für alle gefunden haben – ohne Fraktionszwang.“ Wer ihm als neuer Vizebürgermeister ins Amt folgt, entscheidet der Parteivorstand in seiner Sitzung nächste Woche.


Tätigkeiten

Von 2003 bis 2005 war Rupert Jäger erstmals im Gemeinderat von St. Georgen/Ybbsfelde.

Nach einer zweijährigen Pause stieg er 2007 wieder ein. Nach zwei Jahren als Gemeinderat wurde er 2009 Vizebürgermeister.

Jäger bleibt Obmann des Heizwerkes sowie im Vorstand des Lagerhauses Amstetten und der Milchgenossenschaft NÖ. Als Obmannstellvertreter des Imkervereins St. Georgen hofft er jetzt auf mehr Zeit für die Bienen.