Erstellt am 07. September 2015, 09:52

von Hermann Knapp

Wachstum: Lisec auf Erfolgskurs. Nach schwierigen Jahren ist das Unternehmen nun wieder eine absolute Größe am Weltmarkt. Schwierig ist es aber Fachleute zu finden. 50 werden derzeit gesucht.

CEO Otmar Sailer freut sich über den wachsenden Glasbedarf. In Europa sind es 2,5 Quadratmeter pro Nase, in Osteuropa knapp zwei - Tendenz aber stark steigend. Foto: Hudler  |  NOEN, NÖN

Bis zum Jahr 2024 will die Lisec-Gruppe ihren Umsatz auf mehr als 400 Millionen Euro verdoppeln.

Dieses ehrgeizige Ziel lässt schon erahnen, dass weltweit auf dem Glasmarkt sozusagen die Post abgeht – mit Steigerungsraten von jährlich bis zu sechs Prozent. Lisec will sich von diesem Kuchen künftig natürlich ein noch größeres Stück abschneiden als bisher schon.

„Osteuropa, Asien, Nordamerika als Hoffnungsgebiete“

„Dazu haben wir eine Wachstumsstrategie bis 2020 entwickelt, die natürlich die Erschließung neuer Märkte vorsieht – Osteuropa, Asien, aber auch Nordamerika sind da für uns Hoffnungsgebiete“, sagt CEO Otmar Sailer. Er schließt zugleich aber auch die Übernahme der einen oder anderen kleineren internationalen Firma nicht aus, wenn diese innovative Produkte herstellt und ins Lisec-Konzept passt.

Längst ist das Mostviertler Unternehmen nicht mehr nur auf die Herstellung von Maschinen zur Isolierglaserzeugung spezialisiert, sondern hat ein breites Portfolio, das Glasverarbeitung in allen möglichen Varianten umfasst: Schneiden, Härten etc.

400 Patente hält das Unternehmen derzeit und ist in Sachen Forschung und Entwicklung weltweit konkurrenzlos. Inzwischen wird in der Branche übrigens auch schon am rahmenlosen Fenster gearbeitet.

Lisec bietet seinen Kunden aber auch ein umfassendes Service an. „Wir wollen die Maschine während ihrer gesamten Lebensdauer begleiten und die Anforderungen werden immer höher. Es gibt durchaus schon Unternehmen, wo die Geräte sieben Tage in der Woche 24 Stunden lang laufen. Da ist die Beanspruchung natürlich enorm und Service wird um so wichtiger“, sagt Sailer.

Servicegeschäft ist ein profitables Standbein

Das Servicegeschäft ist längst zu einem profitablen Standbein für Lisec geworden. Weltweit sind 150 Techniker im Einsatz. Vor allem in Österreich ist es aber schwierig, Personen für diese Aufgabe zu finden.

„Wir würden qualifizierte Leute sofort aufnehmen, allerdings erfordert diese Aufgabe natürlich hohe Flexibilität und hohe Mobilität“, sagt Sailer. Aber nicht nur im Servicebereich tut sich Lisec schwer Facharbeiter zu finden, sondern auch in den Bereichen Technik und Automation.

Derzeit werden insgesamt etwa 50 Leute gesucht. In anderen Ländern sei das viel einfacher. „In Rumänen oder Polen sind qualifizierte Leute in kürzester Zeit zu finden. Wenn wir glauben, wir hätten in Österreich am Sektor Ausbildung noch einen Vorsprung, dann ist das eine Illusion“, betont Sailer. Seine Botschaft an die Politik lautet in diesem Zusammenhang: Weniger Bürokratismus und mehr unternehmerischer Geist.

Natürlich sind auch die Lohnkosten in östlichen Ländern niedriger als in Österreich. Sailer gibt dennoch ein klares Bekenntnis zum Standort im Mostviertel. Und das Lisec hier verwurzelt ist, zeigen ja auch die Investitionen, die getätigt wurden und werden.

In Hausmening hat die Firma fünf Millionen Euro in ihr neues Forum investiert, um Methoden der Glasverarbeitung zu erproben. In den Standort Seitenstetten werden in den nächsten drei Jahren rund 16 Millionen Euro gesteckt. Unter anderem entsteht dort ein neues Servicecenter – die NÖN berichtete bereits:

Dass sich Lisec das alles leisten kann, dafür sorgen die vollen Auftragsbücher. Den größten Deal der Firmengeschichte zog man kürzlich übrigens in Polen an Land – mit einem Volumen von 12 Millionen Euro.

„Die Herausforderung für uns besteht darin, die immer komplexer werdenden Wünsche unserer Kunden in immer kürzerer Zeit umzusetzen“, sagt Sailer.


Die Lisec-Gruppe

Lisec hat weltweit 1.500 Mitarbeiter (60 Prozent in Österreich) und insgesamt 20 Standorte.

Der Umsatz beträgt derzeit rund 220 Millionen Euro, soll bis 2024 aber auf 400 Mio gesteigert werden.

Die Eigenkapitalquote des Unternehmens liegt bei satten 39 Prozent.