Erstellt am 11. April 2016, 15:52

von Daniel Lohninger

Wahlgeschenke-Test: Was wirkt wirklich?. Konrad Godec sieht im St. Pöltner Wahlkampf "echte Highlights, viele Klassiker und wenige Ausreißer nach unten."

 |  NOEN, Stadt St. Pölten

Nur mehr wenige Tage bis zur Gemeinderatswahl – und eines steht schon fest: Es war wieder eine große Materialschlacht. Aber mit welchem Giveaway punktet man bei den Wählern, mit welchem weniger? Mit dieser Frage setzte sich für die NÖN einer auseinander, der es wissen muss: Konrad Godec, Präsident des Verbands österreichischer Werbehändler. Er bilanziert den St Pöltner Wahlkampf so: „Insgesamt liegen die wahlkämpfenden Parteien hinsichtlich Qualität und originellen Ideen sicher im oberen Drittel. Es gibt ein paar echte Highlights, viele Klassiker und nur wenige Ausreißer nach unten.“

Generell gelte: Ein gutes Giveaway vermittelt zwar eine Botschaft, hat für den Beschenkten aber einen wesentlichen Zusatznutzen. Wenig sinnvoll seien deshalb Giveaways wie die von der FP verteilten Armbänder. Godec: „Sie haben keinen Nutzen. Außer Hardcore-FP-Fans wird sie niemand tragen.“

Zuckerl und Schokolade haben auch Nachteile

Unverzichtbar seien Klassiker wie Feuerzeug, Luftballon und Kugelschreiber. Im Detail könnten sich aber beispielsweise Kugelschreiber rasch als Image-Bumerang erweisen, so Godec: „Der Kostendruck bringt mit sich, dass die Mine oft nur zu 15 oder 20 Prozent gefüllt ist.“

„Die wahlwerbenden Parteien liegen hinsichtlich Qualität und originellen Ideen im oberen Drittel.“ Konrad Godec, Präsident der Werbehändler

Gehe dem Kugelschreiber rasch die Tinte aus, werfe das auf den „Schenker“ kein gutes Licht. Auch süße Geschenke hätten Tücken: Bei Zuckerl, wie sie die FP verteilt, bestünde die Gefahr, dass nach Veranstaltungen hunderte „Papierl“ herumliegen – für das Image der Partei sei das nicht gut. Schokolade, wie sie VP und SP verteilen, wäre bei Wählern zwar gern gesehen, es sei allerdings problematisch, dass sie bei direkter Sonneneinstrahlung auch im April schmelze. Die SP habe gegenüber der VP aber einen Vorteil, so Godec: Die SP-Schokogrüße wurden in der GW von Menschen mit Behinderung an Türhängern angebracht. „Dieser soziale Mehrwert wird von Kunden stärker honoriert.“ Ähnliches gilt auch für Schlüsselanhänger, die VP-Stadtrat Markus Krempl-Spörk bei Emmaus produzieren ließ.
 

Die originellsten Ideen nach Ansicht des obersten Werbeartikelhändlers Österreichs:

Brillenputztuch mit aufgedrucktem Stadtbus-Plan (SP): „Jung bis Alt braucht ein Putztuch, weil Brillen inzwischen ein Mode-Accessoire sind. Dieses Produkt hat durch den Stadtbus-Plan für jeden einen Nutzen.“ Das gelte auch für die Brillenputztücher der FP – der Zusatznutzen der SP-Tücher fehle aber.

Grüner Honigsenf (Grüne): „Sehr spezielle Idee, weil es die Partei abhebt, ein Hingucker ist und zu dem Spruch ‚Wir geben unseren Senf dazu‘ passt. Wichtig ist gerade bei den Grünen, dass das Produkt, wie in diesem Fall, aus der Region ist.“

Sonnenblumenkerne (Grüne): „Die Verbindung von Natur und Grünen passt immer. Wichtig ist auch hier die Herkunft.“

Honig (VP): „Sensationelle Idee, zumal der Honig aus der Region kommt.“

Pinke Sonnenbrille (NEOS): „Kennen wir aus anderen NEOS-Wahlkämpfen. Farbe ist witzig und trendig, das passt.“

Apfel (SP, VP): „Eine knackige Werbe-Idee, die Gesundheit fördert und Energie liefert. Ohne Branding – also Logo oder Schriftzug – eher nicht so gut.“

Schlüsselanhänger mit Einkaufswagen-Chip (FP): „Idee ist nicht neu, aber gut, weil der Artikel lang genutzt wird. Das Partei-Branding spielt keine Rolle, der Nutzen steht im Vordergrund.“