Erstellt am 12. Dezember 2014, 00:01

Weiberweihnacht. Eine Weihnachtsgeschichte von Brigitte Handlos.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
Bei uns zu Hause war Weihnachten eine reine Weiberpartie. Immerhin hatte meine Mutter sechs Schwestern. Mit zwei von ihnen kam sie ganz gut aus, mit den anderen vieren lag sie sich ständig in den Haaren. Und eines steht fest: Die, die während des Jahres das Nervenkostüm meiner Mutter besonders strapaziert hatten, die mussten das zu Weihnachten büßen.

Die wurden also quasi beim Christkind „angezeigt“ und das hatte folgenschwere Auswirkungen auf die Auswahl der Geschenke und die Sitzordnung am festlichen Gaben- und Esstisch. Denn egal wie gram die Schwestern einander waren, Weihnachten wurde eisern gemeinsam gefeiert!

DA gab es kein Pardon. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass wie meine Mutter noch zwei weitere Schwestern bereits verwitwet waren; der  nderen war der Ehemann schon zwei Jahre nach der Hochzeit und einem gemeinsamen Kind „abhanden“ gekommen (über ihn wurde kein weiteres Wort mehr verloren und er tauchte erst Jahre später wieder auf, als er meiner Cousine ein Haus in Ungarn vermachte, mit dem niemand etwas anfangen konnte. Also ein überheblicher Hallodri mit einem Hang zur Extravaganz. Ungarn! Geh
bitte!).

Die älteste Schwester meiner Mutter redete mit ihrem Ehemann seit zweieinhalb Jahrzehnten kein Wort und Onkel Sepp, der Mann von Tante Hanni, der mit Abstand am lebenslustigsten meiner sechs Tanten, war nicht sooo gerne gesehen bei den Festen. (Was eventuell damit zu tun hatte, dass die circa 90 Kilo wiegende, resolute Tante gelegentlich ihr „Veilchen“ hinter einer dicken Sonnenbrille verstecken musste, wenn sie zum sonntäglichen Kaffee kam. Und dieser Sonntagskaffee fiel niemals aus!) Man blieb also lieber unter sich. Und fuhr auch gemeinsam auf Urlaub.

Dort fingen die  Streitereien so richtig an. Die eine wollte um sechs essen, die andere erst um acht. Die eine wollte noch ein Eis essen gehen im Café an der Strandpromenade, die andere warf sich ins Kartenspiel mit „Artfremden“, die sie bei einem Spaziergang einfach so wieder einmal angequatscht hatte. Bitte, wieso redet die Hanni immer mit fremden Leuten, wo sie doch uns hat?

Meine Mutter teilte sich das Zimmer mit einer ihrer beiden Lieblingsschwestern, die allerdings so arg schnarchte, dass meine Mutter aus die- sen Urlauben zumeist mit einem veritablen Schlafdefizit nach Hause kam. Auch diese Lieblingsschwester hatte dann zu Weihnachten nicht viel zu lachen. Anfang Dezember begannen also die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Es fand immer bei einer anderen der sechs Schwestern statt, die mit Ausnahme einer, die es nach Wien verschlagen hatte, alle im Umkreis von 25 Kilometern wohnten. Die meisten konnte man mit dem Rad erreichen! „Was schenk ich der Hanni heuer?“, fragt meine Mutter.

„Na, wie wär‘s mit einem schönen Schal?“, antworte ich und stoße sofort auf Ablehnung. „Geh bitte, was braucht die Hanni einen Schal! Der ist eh immer nur heiß. Nein, die kriegt sechs Handtücher. Oder drei tun‘s auch! Die redet eh immer nur mit fremden Leuten, wenn wir auf Urlaub sind. Aber die Peppi, also die bekommt heuer von mir was Besonderes. Er redet ja nichts mit ihr, kein Wort! Das hat sie sich nicht verdient“, resümiert meine Mutter. Das riecht für mich nach  einer großen Kollektion von 4711: Seife, Kölnischwasser, Körperspray. Die ganze Palette.

Für die weiter anreisende, geliebte Schwester aus Wien gibt’s zwei Taschentücher. Altes Mühlviertler Leinen, selbst umhäkelt mit Seidengarn. Für die anderen drei haben wir eine Auswahl an Vasen, Geldbörsen, Obstschalen, Teetassen: Alles Geschenke von anderen Verwandten, die wir a) nicht brauchen und die b) wirklich nicht schön sind und überhaupt nicht in unsere Wohnung passen.

Das bitte hätten die aber auch sehen können, so oft, wie die bei uns zum Essen waren. Ehrlich! Aber von der Verwandtschaft meines verstorbenen Vaters ist nichts anderes zu erwarten. Kein Geschmack, kein Stil. „Also, ich finde, das Christkind hat sich heuer wieder besonders zusammengerissen!“, sagt meine Mutter mit einem Blick auf die bunten Päckchen unter dem Weihnachtsbaum. „Und eins sag ich dir: Wenn mir die Hanni heuer wieder Handtücher schenkt, dann kann sie die gleich wieder mitnehmen.“ Meine Mutter ist aufgeregt vor dem Fest. Ich schaue hinaus auf den schwarzen Himmel und kann‘s fast nicht glauben: Da zwinkert mir das Christkind hinterm Mond schelmisch zu und winkt.

Soll wohl heißen: „Ach, nimm‘s nicht so schwer. Weihnachten geht auch vorbei.“ Danke liebes Christkind. Fein für dich, dass du hinterm Mond lebst.
 

Alle Geschichten des NÖN-Adventkalenders sind folgenden Büchern entnommen:

Hat das Christkind Hosen an?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg

Heitere Weihnachtsgeschichten für große Kinder.
21 Euro, 192 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

 
Es gibt ihn doch, den kleinen Unterschied! Und er wurde auch schon hinlänglich und in allen nur erdenklichen
Facetten erforscht. So sind Frauen zum Beispiel eher Rechtshänderinnen und seltener farbenblind. Ihr Sehfeld ist größer als das der Männer. Männer sehen dafür schärfer. Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen. Männer werfen und fangen besser, sind im Durchschnitt um zehn Prozent größer, um 20 Prozent schwerer und um 30 Prozent stärker als Frauen, besonders am Oberkörper ...

Eine ganz wesentliche Frage wurde freilich bislang noch nie gestellt: Wie unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrer Auffassung vom Christkind?

Dieses letzte aller noch verbliebenen Weihnachtsgeheimnisse aufzudecken, ist die Mission des dritten Bandes der erfolgreichen Christkindanthologie. Nachdem sich in den Vorjahren Journalistinnen aus ganz Österreich himmlischen Lifestyle-Themen gewidmet haben und Fragen nachgegangen sind wie "Ist das Christkind wirklich blond?" oder "Lebt das Christkind hinterm Mond?", offenbaren uns nun Österreichische Top-Journalisten ihr ganz persönliches christkindliches Verständnis. Sie bescheren uns tief(sinnig)e Einblicke mit ihren Betrachtungen zu "Hat das Christkind Hosen an?" Manch einer mag so weit gehen, zu fragen: Ja, ist es am Ende etwa gar ein Mann ...

Lebt das Christkind hinterm Mond?

x  |  NOEN, zVg/Verlag Anton Pustet Salzburg

Noch mehr heitere Weihnachtsgeschichten.
21  Euro, 180 Seiten,
Verlag Anton Pustet Salzburg

Das Leben ist voller Christkindmomente. Weißt du, wo das Christkind wohnt? Hinterm Mond? Und doch kommt es so weltoffen und geistreich daher, ist so fest verortet im Hier und Jetzt. Es ist da, immer dann, wenn es uns gelingt, anderen eine Freude zu machen, jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder einfach nur für einen Augenblick innezuhalten und zuzuhören.

Das Leben ist voller berührender, lustiger, tiefgründiger, verworrener, liebenswerter, stimmiger, unglaublicher, fantastischer ... Christkindmomente. Es gilt nur sie aufzuspüren. Viele davon wohnen in uns, sind eingeschrieben in unser gemeinsames Gedächtnis. Wie die langen, nicht enden wollenden Stunden erwartungsvoller Vorfreude, die sich dann im Nachhinein vielleicht als die schönsten erweisen. Wie die Freude am Schenken, die oft um so vieles größer ist, als die darüber, beschenkt zu werden. Wie die eingespielten Traditionen und Bräuche, die wir zeitlebens mit Inbrunst verwünschen, obwohl wir doch genau wissen, nicht ohne sie sein zu wollen.

„Steht das Christkind vor der Tür? Das Licht-ins-Dunkel-Weihnachtsbuch“

x  |  NOEN, Verlag Anton Pustet

Barbara Brunner,  Caroline Kleibel, 144 Seiten, 22 Euro, Verlag Anton Pustet

Steht das Christkind vor der Tür? Aber ja doch! Alle Jahre wieder wollen wir das Christkind oh so fröhlich hereinbitten und voller Vorfreude willkommen heißen. Die Tür zu wunderbaren Weihnachten öffnen uns dieses Mal Menschen, die wir alle kennen und schätzen. Menschen, die in ihrem Leben schon viel erreicht haben, was zählt. Uns wiederum reicht das von ihnen Erzählte.

In diesem stimmungsvollen Sammelband geben Künstlerinnen und Künstler, Medienschaffende und prominente Persönlichkeiten ihre denkwürdigsten Weihnachtserinnerungen preis. Einmal heiter, dann wieder besinnlich, nostalgisch und zuweilen auch durchaus kritisch.  Sind die Türen erst einmal weit offen, bleiben auch die Herzen nicht verschlossen. Mit dem Kauf jedes einzelnen Buches unterstützen Sie die Aktion Licht ins Dunkel!