Erstellt am 11. Februar 2016, 03:53

von Doris Schleifer-Höderl

Weigl, der Meister des Schnitzeisens. Seit mehr als zwanzig Jahren fertigt Josef Weigl in seiner Freizeit Madonnen, Heiligenfiguren und Kruzifixe. Zurzeit arbeitet er an einer Büste von Michelangelo Buonarotti.

Josef Weigl mit der Büste Michelangelos. »Ich verehre den italienischen Künstler sehr. Daher bekommt er auch einen besonderen Platz in meinem Wohnzimmer. Foto: Doris Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

Wenn Josef Weigl das Schnitzeisen am Mantelkragen von Michelangelo ansetzt, hört man beinahe eine Stecknadel fallen. Sepp ist völlig in seiner Tätigkeit versunken, nur ganz leise hört man im Hintergrund Radio NÖ und das Schneiden seines Werkzeuges.

Rund 100 Stunden arbeitet der 54-jährige gelernte Tischler bereits an der Büste des wohl bedeutendsten Künstlers der Hochrenaissance. Ein paar Stunden werden schon noch dazu- kommen, bis das Kunstwerk aus Lindenholz das Wohnzimmer des Mostviertlers zieren wird.

„Wenn man so will: Ich zelebriere diese Arbeit“

„Begonnen hat die Leidenschaft zum Schnitzen schon als Bub“, berichtet der zweifache Familienvater und Opa von zwei Enkelsöhnen. „Da habe ich mir schon Messer, Revolver, Gewehre, Pfeil und Bogen sowie einen Tomahawk gemacht. Meine erste Figur war dann eine Marienstatue, die ich mit elf Jahren für unseren Mesner gefertigt habe.“

Der berufliche Weg war somit vorgegeben. „Ich habe Tischler beim Kashofer in Ferschnitz gelernt, legte die Gesellenprüfung ab und nach dem Bundesheer habe ich dann beim Vergolder und Restaurator Friedrich Fuchs in Amstetten angefangen. Herr Fuchs hat mir dann die Bildhauerei nähergebracht. Ihm verdanke ich alles, was ich heute kann.“ Und das kann sich wahrlich sehen lassen.

Das, was Sepp Weigl mit seinen beiden Händen in seiner hauseigenen Werkstatt erschafft, sind wahre Kunstwerke, die durch ihre Dreidimensionalität und präzise Ausarbeitung bis ins kleinste Detail den Betrachter sofort in ihren Bann ziehen.

Täglich trifft man Sepp in seiner Werkstatt an. An die fünf Stunden verbringt er dort abends oder an den Wochenenden. „Für mich ist das Arbeiten mit Holz – ich verwende überwiegend Linde und Zirbe, wegen der Geschmeidigkeit – alles. Wenn man so will: Ich zelebriere es.“ An die zwanzig Kruzifixe, unzählige Madonnen und Heiligenfiguren sind so schon entstanden, die im Freundes- und Verwandtenkreis regen Zuspruch finden.

Skulpturen von Weigl zieren Wiener Museen

Beruflich werkt Josef Weigl mit Sandstein. Seit drei Jahren ist er in einem renommierten Wiener Steinbildhauerbetrieb tätig, fertigt Skulpturen mit dem Schlag- und Lufthammer und verrichtet Stuckarbeiten.

Drei seiner Skulpturen sind auch an bedeutenden Wiener Orten aufgestellt. Diese fertigte Sepp in der Scheune seines Freundes in Krahof. „Das war immer was, wenn die Sandsteinblöcke mit einem Gewicht von fünf bis sieben Tonnen mit dem Kranwagen angeliefert wurden“, erzählt er. Rund 300 bis 350 Stunden Arbeit waren es, bis aus den Sandsteinblöcken überdimensionale Skulpturen entstanden.

Die erste Skulptur befindet sich am Dach des Naturhistorischen Museums, ist 2,70 Meter hoch und zeigt den Botaniker Nikolaus Josef von Jacquin. Die zweite Skulptur, eine drei Meter hohe Replik des in Figur umgesetzten Glaubens, ist am Giebel des Bürgerlichen Zeughauses an der Adresse Am Hof 10 zu bewundern. Und der fünf Meter hohe Soldat, ein Ulane, „bewacht“ das Heeresgeschichtlicher Museum im Arsenal.

Ist man da als Mostviertler nicht auch stolz darauf, sich in der Bundeshauptstadt verewigt zu haben? Da kann der Sepp nur schmunzeln: „Irgendwie schon, aber es ist eben meine Arbeit. Ich freue mich, dass ich meinen Bubentraum vom Schnitzen zum Beruf machen konnte. Vielleicht gerät mir ja einer meiner Enkelsöhne mal nach. Philipp ist erst ein Jahr alt, aber der dreieinhalbjährige Jonas besucht mich schon ab und an in der Werkstatt und schaut mir beim Arbeiten zu.“