Erstellt am 21. Dezember 2015, 11:09

von Wolfgang Zarl

Wie "Profis" feiern. Bei den Franziskanerinnen in Seitenstetten sind am Heiligen Abend Besinnlichkeit und Gemeinschaft angesagt

Hausoberin Schwester Theresia Schwentner, Schwester Marzema Dzikowska und Schwester Michaela Gehart schmücken den Baum in ihrem Esszimmer für die NÖN ausnahmsweise schon vor dem 24. Dezember.  |  NOEN, Wolfgang Zarl

Seit einigen Jahren leben und wirken elf Franziskaner Missionarinnen Mariens (FMM) in Seitenstetten. „Für uns ist der Heilige Abend ein besinnlicher Tag, weil wir uns die Vorbereitungen immer gut einteilen“, erzählt Hausoberin Schwester Theresia Schwentner. Der 24. Dezember beginnt mit der Heiligen Messe in der Stiftskirche und anschließender Laudes.

Dann gibt‘s Frühstück und anschließend gehen alle ihrer Arbeit nach. „Zwischendurch haben wir Anbetung“, so Schwester Theresia. Um 11.45 Uhr gibt es das Mittagsgebet und das Essen: Fisch. Dann werden die letzten Vorbereitungen auf das Fest gemacht. Um 17.30 Uhr feiern die Frauen die Vesper und die Haussegnung – also das bekannte „Ausräuchern“ in allen Räumen.

Als Festspeise gibt es immer eine kalte Platte und Punsch. Heuer feiert eine Ordensschwester aus Polen mit und bringt Schmankerl aus ihrer Heimat mit. Um Mitternacht feiern die Klosterschwestern die Weihnachtsmette im Stift mit. Dann geht’s zurück in das Ordenshaus, das am Fuße des Stifts liegt. Nach dem Weihnachtsgottesdienst sitzen sie bei Kakao zusammen und musizieren gemeinsam. Da werden alle Talente eingebracht: Gitarre, Flöte oder Zither. Die Ordensoberin Schwester Theresia: „Wir versuchen, diesen Tag, an dem wir die Geburt Jesu feiern, als Tag der Freude zu leben.“ Dazu zähle, Hektik zu vermeiden.

Geschenke werden erst am 25. Dezember geöffnet

Die Geschenke werden am 25. Dezember geöffnet. Die Frauen bekommen viele Packerl von Verwandten, von Seitenstettnern oder von Eichgrabnern, wo die Schwestern früher lebten. Schwester Theresia erzählt: „Wir geben alle Packerl auf den Tisch und öffnen sie gemeinsam und da wir keinen persönlichen Besitz haben, wird alles verteilt, so wie es jede eben brauchen kann. Meist sind es Kerzen, Bücher oder Gewand“, sagt Theresia Schwentner.

Besonders viel zu tun hat am Heiligen Abend Schwester Michaela Gehart, die seit Herbst Pastoralassistentin in Seitenstetten und St. Michael ist. Sie feiert mit Kindern aus St. Michael eine Krippenandacht und in Seitenstetten am Vormittag die „Kinderkirche“, zu der immer besonders viele Menschen kommen. Dann beschenkt sie vier Flüchtlingsfamilien, die sie mitbetreut, singt mit ihnen auch Weihnachtslieder.

Bei aller Freude über Traditionen und Brauchtum ist ihr aber auch eines wichtig: den Inhalt des Weihnachtsfestes zu erkennen. Sie war früher im Missionseinsatz in Mauretanien. Und dort feierten sie in einem schlichten Zelt und hatten nur ein paar Figuren der Krippe. Damals hat sie begriffen: „Es geht bei Weihnachten nicht so sehr um das Rundherum, sondern um das Wesentliche: um die Menschwerdung Gottes und die Geburt von Jesu – dem Erlöser!“