Erstellt am 18. Mai 2015, 09:48

von Hermann Knapp

Wirbel um „Stasi“-Sager: FP-Mandatar verbal entgleist. In Debatte über Einladung des Rappers Nazar nach Amstetten bezeichnete Manuel Ingerl SP-Mann Dangl als „Obmann der Privatstasi“!

Franz Dangl forderte Ingerl zum Rücktritt auf. Foto: Kovacs  |  NOEN, Kovacs

Bei der Diskussion um die Einladung von Rapper Nazar zum Jugendtag im August gingen im Gemeinderat die Emotionen hoch – NÖN.at hatte berichtet:



Die FPÖ erklärte erneut, dass jemand der Parteichef HC Strache als „Hurensohn“ bezeichnet und bei der Verleihung des Austrian Music Awards behauptet habe, in der österreichischen Politik gebe es „ein paar Hurenkinder“, nicht eingeladen werden solle.

„Sind Sie sich eigentlich Ihrer Verantwortung für die Jugend bewusst, wenn Sie solche Leute holen?“, fragt FP-Stadträtin Kashofer in Richtung SPÖ.

„Offenbar ist in Amstetten schon eine Privat-Stasi
mit Obmann Dangl am Werk“
FP-Gemeinderat Manuel Ingerl
zu SP-Gemeinderat Franz Dangl

SP-Parteiobmann Gerhard Riegler ließ daran keinen Zweifel. „Wir lehnen solche Formulierungen strikt ab. Nazar wurde aber für seine Aussage verurteilt und hat Strafe gezahlt, damit ist die Sache erledigt. Wir wollen unserer Jugend auch etwas bieten und der Rapper ist nun einmal ein Star der Szene. Auch die Regionalbanken als Sponsoren haben keine Einwände gegen seinen Auftritt.“

x  |  NOEN, Kovacs
So richtig Zündstoff brachte SP-Gemeinderat Franz Dangl in die Debatte. Er war auf Facebook auf ein Posting von FP-Mandatar Manuel Ingerl gestoßen, der dort den Ausdruck „wohlstandsverwahrloste Fotzen“ gebrauchte (siehe ganz unten).

Dangl fragte bei der FPÖ an, wo denn der Unterschied zwischen „Fotzen“ und „Huren“ sei. „Ich will sicher nicht eine verbale Entgleisung durch eine andere entschuldigen. Aber eine Partei die Leute in ihren Reihen hat, die solche Ausdrücke verwenden, hat das moralische Recht zur Kritik verwirkt.“

Dangl forderte Ingerl auch zum sofortigen Rücktritt auf. Er sei als Gemeinderat der Stadt Amstetten nicht länger tragbar.

Gründstadtrat Haag fordert auch Rücktritt

x  |  NOEN, Kovacs
Manuel Ingerl verteidigte sich, dass er das Posting als Privatperson getätigt habe und auch nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehe wie Rapper Nazar.

Er distanzierte sich zwar vom Wortlaut, leistete sich in der Sitzung aber gleich die nächste Entgleisung.

Verwundert darüber, wie Dangl überhaupt auf das Posting gestoßen ist, verkündete der FP-Mandatar, dass in Amstetten offenbar eine „Privat-Stasi mit Obmann Dangl“ am Werk sei.

Für Grünmandatar Gerhard Haag – der übrigens die Einladung Nazars ebenfalls befürwortet hatte, weil dieser ja seine Strafe bekommen habe – sind solche Aussagen im Gemeinderat ebenso wie das Posting des FP-Mannes untragbar.



„Als Amstettner Mandatar repräsentiert er die Stadt. Ich schließe mich daher der Forderung von Gemeinderat Dangl an. Herr Ingerl ist rücktrittsreif“, so Haag.

Auch VP-Vizebürgermeister Dieter Funke hat kein Verständnis für derartige Entgleisungen: „Ich habe Herrn Ingerl das nach der Sitzung auch gleich persönlich gesagt. Es war seine erste Wortmeldung im Gemeinderat und die war sehr, sehr hart an der Grenze.“

„Nazars Wortwahl ist grundsätzlich zu verurteilen“

Die ÖVP spricht sich allerdings ebenso wie die FPÖ gegen die Einladung Nazars aus. „Solch eine Wortwahl ist grundsätzlich zu verurteilen, denn dahinter steht ja vielleicht auch ein entsprechendes Gedankengut.“

Und der Rapper habe ja offenbar aus der Strafe nichts gelernt, sonst hätte er nicht bei der Music-Award-Verleihung nachgelegt. „Wenn er sagt, dass es in der Politik einige Hurenkinder gibt, dann verunglimpft er die Politik insgesamt. Daher ist es entbehrlich, dass dieser Herr nach Amstetten kommt!“

Bürgermeisterin Ursula Puchebner ist erschüttert über die Verbal-Entgleisung von FP-Mandatar Ingerl. „Ich habe ihm im nicht öffentlichen Teil der Sitzung deswegen einen Ordnungsruf erteilt.“ Auch ihr gibt der Facebook-Eintrag zu denken.

Ingerl könne sich nicht darauf berufen, dass er das privat gepostet habe. „Wenn jemand etwas ins Netz stellt, ist es nicht mehr privat. Wer ein öffentliches Amt ausübt, muss sich darüber im Klaren sein, das er ein Gelöbnis geleistet hat, zum Wohl der Stadt zu arbeiten. Mit solchen Einträgen schadet er ihr. Herr Ingerl hat sein wahres Gesicht gezeigt und man weiß nun, in welche Richtung er denkt.“

FP-Parteichefin Brigitte Kashofer sieht keinen Grund ihren jungen Kollegen zur Ordnung zu rufen oder gar für einen Rücktritt desselben. Sie attackiert stattdessen SP-Gemeinderat Franz Dangl: „Es ist ihm ja nichts zu dumm, er schnüffelt in allen möglichen Internetforen herum, ob junge Leute einmal einen Blödsinn gemacht haben. Manuel Ingerl ist ein normaler Mensch, der fleißig arbeitet, aber eben impulsiv ist und sehr, sehr akzentuiert formuliert.“


Das Posting

Ein von einer Journalistin geschriebener kritischer Artikel über Treibjagden (über dessen Qualität und Objektivität man natürlich geteilter Meinung sein kann) verleitete FP-Gemeinderat Manuel Ingerl am 16.3. dazu, auf Facebook zu posten: „LOL (laughin out loud) wohlstandsverwahrloste fotzen schreiben über Treibjagden. Mehr Desinformation geht nicht.“


Leserforum: „Das ist unterstes Sprachniveau ...“

Leserbrief zum Artikel „FPÖ hellauf empört: Nazar kommt“ in Woche 20.

Leider bedienen sich Rapper immer einer gewalttätigen, oft auch sexistisch-frauenfeindlichen Sprache. Die Geschichte zeigt, dass Gewalt und Ausgrenzung immer auch in bzw. mit der Sprache beginnen – wie z.B. Victor Klemperers Analyse der Sprache des Dritten Reiches anschaulich belegt. Umso bedauerlicher finde ich es, dass man in Amstetten anscheinend nicht so genau und so sensibel hinschaut und hinhört, wenn die Wortwahl eines offiziell eingeladenen Musikers dem politischen Gegner gilt – ist dann die Bezeichnung „Hurensohn“ plötzlich tolerabel? So sollte niemand qualifiziert werden, das ist unterstes, menschenverachtendes Sprachniveau! Aber ich gehöre als Germanistin und Deutschlehrerin auch zu den „Altmodischen“, die die Wortwahl einer SPÖ-Jugend-Aussendung (lieber bekifft f...... ) ebenso niveaulos und zutiefst ablehnenswert empfinden. Eine solche Wortwahl desensibilisiert und sollte unserer Jugend nicht als „cool“ und nachahmenswert präsentiert werden!

 G. Hinterhofer, 3300 Amstetten