Erstellt am 09. Februar 2016, 05:18

von Sabine Hummer

Wird Swingerclub zum Flüchtlingsheim?. Die Gerüchteküche brodelt: Im Ramingtalerhof könnte bald ein Asyl- Großquartier entstehen. Gemeinden und nahe Schule setzen dagegen alle Hebel in Bewegung.

Direktorin Siegrid Wörfel, Bürgermeisterin Annemarie Wolfsjäger aus St. Ulrich und Bürgermeister Karl Josef Stegh hoffen auf eine gute Lösung im Ramingtalerhof. Foto: Hummer  |  NOEN, Sabine Hummer

In den letzten Tagen liefen bei Bürgermeister Karl Josef Stegh die Telefone heiß. „Seit den ersten Meldungen in den Medien, dass der Swingerclub im Ramingtalerhof geschlossen werden soll und dort möglicherweise ein Großquartier für Asylwerber eingerichtet wird, geht es rund“, erzählt der Behamberger Ortschef (

und ganz unten).

„Es ist schon merkwürdig. Auf positive Berichte, wie die Hilfsinitiative Willkommen Mensch, gibt es kaum eine Reaktion, bei negativen Nachrichten überschlagen sich hingegen die Meinungen“, bedauert Stegh.

Mietverhältnis mit Swingerclub-Pächter gelöst

Dabei gebe es derzeit noch keine offizielle Mitteilung, ob der Ramingtalerhof wirklich zum Asylquartier umfunktioniert werde. Derzeit seien es nur Gerüchte, die gestreut werden.

Und die Gerüchteküche brodelt gewaltig: Der Besitzer – ein in Steyr wohnhafter Pensionist – soll den Ramingtalerhof im Drei-Gemeinden-Ort Kleinraming (gehört zu Behamberg, St. Peter/Au und zu St. Ulrich/Steyr in OÖ) dem Land NÖ als Wohnheim für Asylwerber angeboten haben.

Das Mietverhältnis mit dem Pächter des Swingerclubs sei bereits gelöst, das schreibt er auch auf seiner Homepage: „Ich bin nun leider gezwungen, den Club mit 1. Februar zu schließen. Mein Bemühen um Fortführung durch einen Pächter ist leider gescheitert, da verschiedene Vertragspunkte nicht eingehalten wurden.“

Der Pächter wiederum hält die Vertragslösung für ungerechtfertigt. Noch vor Ablauf der Kündigungsfrist sei man vor die Tür gesetzt worden. Vertragsbrüche habe es, seiner Meinung nach, keine gegeben. Er vermutet das Ansinnen des Besitzers, ein Flüchtlingsquartier zu errichten als eigentlichen Grund für die Kündigung.

Kontakt mit Erwin Pröll aufgenommen

Bis zu 60 Asylwerber könnten also bald in dem ehemaligen Gasthof einziehen. „Als wir davon gehört haben, haben wir sofort Kontakt mit dem Eigentümer und dem Land NÖ aufgenommen“, informiert der Behamberger Ortschef. „Es gab bereits mehrere Gespräche mit dem Besitzer, in denen wir klar gemacht haben, dass wir so ein Großquartier auf keinen Fall wollen. Denn es wäre voll und ganz gegen unsere erfolgreiche Linie, Flüchtlinge in kleinen, überschaubaren und gut betreuten Einheiten unterzubringen. Auch mit dem Verantwortlichen des Landes NÖ für Asylquartiere habe ich persönlich gesprochen und unsere Position erklärt. Er war allerdings bereits vor Ort und hat sich das Lokal angesehen“, lautet Steghs aktueller Wissensstand.

Obwohl es in dieser Causa also noch gar keine Entscheidungen gibt, hat die Gemeinde Behamberg in Kooperation mit der Gemeinde St. Ulrich und der Landwirtschaftlichen Fachschule Kleinraming, die sich zirka 50 Meter gegenüber des Ramingtalerhofes auf oberösterreichischer Seite befindet, die Initiative ergriffen.

Gemeinsam setzt man sich für eine gute Lösung für das Ramingtal ein. „Wir sind nicht gegen Asylwerber und wollen keine Hetze. Wichtig ist, dass wir alle Beteiligten und die Bevölkerung für die Sache vor Ort sensibilisieren“, betont Stegh. Der Behamberger Gemeinderat (Foto unten) hat deshalb ein Sonderblatt des Gemeindekuriers an die Bevölkerung ausgeschickt sowie in einem Brief Kontakt mit Landeshauptmann Pröll aufgenommen.

x  |  NOEN, privat


„Dieses Vorhaben steht in großem Widerspruch zu unseren kleinen, überschaubaren Einheiten und hat negative Auswirkung auf die Gesamtsituation. Eine Zerstörung der bisherigen positiven Aufbauarbeit in Sachen Integration mit der Bevölkerung ist zu befürchten, weil ein derartiges Großquartier auch auf ein völliges Unverständnis in der Bevölkerung, der angrenzenden Fachschule und der Nachbargemeinde St. Ulrich stößt“, heißt es in dem Schreiben, das von allen Gemeinderäten aller Fraktionen unterzeichnet wurde.

Tägliche Anrufe von besorgten Eltern

Parallel dazu hat die Direktorin der Fachschule das Land Oberösterreich über die Vorgänge informiert, das diese Angelegenheit sehr ernst nimmt und ebenfalls bereits agiert. „Ich habe dem Land Oberösterreich als Schulerhalter Bescheid gegeben, dass in der Nähe der Schule ein Flüchtlingsquartier eingerichtet werden könnte“, sagt Direktorin Siegrid Wörfel im NÖN-Gespräch. Die Schulleiterin bekommt täglich Anrufe von beunruhigten Eltern.

„Durch die immer wieder in den Tageszeitungen kolportierten Meldungen von Übergriffen männlicher Flüchtlinge auf junge Frauen ist diese Angst natürlich berechtigt“, ist Wörfel besorgt, dass Eltern vielleicht davon Abstand nehmen, ihre Töchter in die Fachschule zu schicken, die derzeit von 240 Schülern, davon 225 Mädchen, besucht wird. „Wir sind eine erfolgreiche Schule und haben den Schul- und Internatsbetrieb immer konfliktfrei geführt. Das werden wir auch in Zukunft tun“, beruhigt die Direktorin.

x  |  NOEN, Sabine Hummer


Mit im Boot sitzt außerdem die Bürgermeisterin der Gemeinde St. Ulrich, Annemarie Wolfsjäger. Auch sie unterstützt die Bemühungen der Gemeinde Behamberg, dass das Land im Fall des Falles eine überschaubare Personenanzahl im Ramingtalerhof einquartiert. „Unserer Erfahrung nach ist es sehr wohl möglich, die Personenanzahl zu lenken“, sagt Wolfsjäger. „Je größer eine Unterkunft ist, desto schwieriger. Wenn alles in vernünftigen Bahnen läuft, bin ich sehr zuversichtlich.“

Vom Land NÖ gibt es mittlerweile eine Zusage, dass es ohne Verbindung mit der Gemeinde Behamberg keine Entscheidung geben werde. Und es besteht noch ein Hoffnungsschimmer: Der Besitzer hat den Ramingtalerhof über eine Internetplattform zum Verkauf angemeldet. Scheinbar gibt es einen Interessenten aus dem Mühlviertel, der an diesem Standort einen Mostheurigen eröffnen will.


Zahlen & Fakten

  • Im Gegensatz zu anderen Gemeinden beherbergt Behamberg bereits Asylwerber, die in gemeindeeigenen Quartieren untergebracht sind und von einem ehrenamtlichen Mitarbeiterteam von „Willkommen Mensch in Behamberg“ betreut werden. Drei Familien mit 12 Personen werden aktuell betreut und sind gut integriert. Derzeit ist die Gemeinde mit Haus- und Wohnungseigentümern im Gespräch und sucht weitere geeignete Unterkünfte.

  • Nähere Infos: „Willkommen Mensch“-Koordinator Erwin Wiesner (0650/ 7475920; erwin.wiesner@aon.at); Bürgermeister Karl Stegh (buergermeister@behamberg.gv.at; 07252/31000-16).