Erstellt am 05. Dezember 2015, 18:18

von Doris Schleifer-Höderl

Zugbegleiter und Nikolaus. Seit dem vergangenen Jahr gibt der Ferschnitzer Robert Reichhard den Nikolaus beim Amstettner Krampus- und Perchtenlauf.

Mit dem großen, roten Buch bereitet sich Robert Reichhard in aller Ruhe auf seine Tätigkeit als Nikolaus vor.  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl

Insgesamt benötigt Robert Reichhard nicht einmal zehn Minuten, bis aus ihm der Heilige Mann aus Myra wird. Ausgestattet mit Mitra, Bischofsstab und rotem Buch begeisterte der Ferschnitzer im vergangenen Jahr Groß und Klein bei seinem Auftritt als Nikolaus beim Amstettner Krampus- und Perchtenlauf. „Ich freue mich schon auf den 5. Dezember, denn da bin ich wieder in Amstetten im Einsatz“, berichtet Robert Reichhart, von Beruf Zugbegleiter bei den ÖBB, und seit sieben Jahren Mitglied der Mostviertler Königsperchten. Im Vorjahr stieg er von der Percht zum Nikolaus auf: „Das ist nicht nur eine Ehre, sondern hat auch große Vorteile! Denn als Percht wiegt die Montur an die 45 Kilogramm, als Nikolaus nur sieben!“

„Dass ich einmal selber in die Rolle des Nikolaus schlüpfen würde, hätte ich mir nie träumen lassen.“ Robert Reichhard über eigene Erinnerungen an den Nikolo

Begonnen hat alles 2013 mit einer Reise in den hohen Norden, wo Robert Reichhard mit seiner Familie in Finnland auch das Santa Claus-Dorf besuchte. „Es hat mir so gut gefallen, dass ich zu meiner Frau sagte, ich würde auch gerne bei uns als Nikolaus den Kindern Freude bereiten!“ Gesagt, getan. Reichhards Schwägerin nahm Maß und fertigte die Kleidung an.

„Natürlich habe ich nicht Nein gesagt"

Was im Grunde als Überraschung für die Nachbarskinder gedacht war, sprach sich in Ferschnitz sofort herum. Der örtliche Sportverein meldete sich, ob der adrett gekleidete Nikolaus nicht bei den Hausbesuchen mitgehen möchte. „Natürlich habe ich nicht Nein gesagt. Und im Vorjahr hat mich dann Rudi König von den Mostviertler Königsperchten angesprochen, ob ich nicht in Amstetten als Nikolaus dabei sein möchte. Freilich sagte ich auch da zu“, erzählt der 47-Jährige.

Der Ferschnitzer nimmt seinen Job als Nikolaus auch sehr ernst. „Als ich ein kleiner Bub war, ist auch immer der Nikolaus gekommen. Irgendwie vergisst man das sein Leben lang nicht. Aber, dass ich einmal selber in seine Rolle schlüpfen würde, hätte ich mir nie träumen lassen.“ Mit einer Größe von 1,98 Meter, schlanker Gestalt und sonorer Stimme ist Robert Reichhard der Prototyp eines Nikolaus. „Bei meinen ersten Auftritten hatte ich aber schon Bammel. Wie würden die Kinder reagieren? Geht alles glatt?“ Doch die Angst war unbegründet.

Große leuchtende Kinderaugen strahlen den Ferschnitzer Nikolaus an, die einen singen ihm sogar etwas vor, die anderen überreichen ihm Zeichnungen. „Das berührt mich sehr. Vor allem dann, wenn die Kleinen sich doch nicht ganz sicher sind, ob es der Nikolaus ist oder wer anderer. Die kleine Tochter unseres Nachbarn meinte etwa, die Stimme käme ihr bekannt vor. Aber das gehe ja nicht, dass der Herr Reichhard der Nikolaus ist, weil der Nikolo ja von weit her kommt“, schmunzelt Robert Reichhard.

Und wie hält es nun Herr Reichhard, einmal Nikolaus immer Nikolaus? „Ich sage immer scherzhaft, da ich Zugbegleiter bin, genieße ich mein Leben in vollen Zügen! Und genauso genieße ich es als Nikolaus Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.“