Erstellt am 22. Oktober 2015, 06:02

von Daniela Führer

Zuhause für Flüchtlinge: Start in ein neues Leben. Seit zwei Wochen lebt die Familie Alush in Ferschnitz. Die Burschen gehen bereits zur Schule und zum Fußball. Vater Mohammed will rasch Arbeit finden.

Ein freiwilliges Team rund um Gemeindeärztin Ulrike Stierschneider (l. vorne), Kathrin Keiblinger, Bürgermeister Michael Hülmbauer, Initiatorin Ingrid Schwarzenbacher und Gabi Bösendorfer (hinten) unterstützen Ali, Mohammed und Hussein Alush (v.l. vorne). Foto: Schlemmer  |  NOEN, Daniela Schlemmer

„Von ganz klein bis groß, Männer und Frauen, alle sind so gut zu uns“, betont Mohammed Alush beim NÖN-Besuch in der Vorwoche. Dabei strahlt er über das ganze Gesicht. Ebenso wie seine Söhne Ali (17) und Hussein (16), die einem sofort herzlich die Hand schütteln.

Alle drei fühlen sich schon sichtlich wohl in ihrer neuen Wohnung im Haus der Familie Reschauer in Ferschnitz. Seit gut zwei Wochen haben sie hier ein richtiges Zuhause gefunden – nach Monaten der Flucht und des Wartens auf einen positiven Asylbescheid.

Ortschef schmunzelt: „Mohammed hat eine richtige Arbeitswut“

Im Gespräch mit der Familie Alush wird schnell klar: Sie blicken nach vorne. Ali und Hussein besuchen mittlerweile die Handelsschule in Amstetten und spielen beide schon Fußball in Ferschnitz.

Vater Mohammed möchte so rasch wie möglich Arbeit finden. In Syrien war er Autohändler und Chauffeur. „Er hat eine richtige Arbeitswut“, schmunzelt Bürgermeister Michael Hülmbauer. „Daher hält er einstweilen, bis er eine Arbeit gefunden hat, gemeinnützig für die Gemeinde den Friedhof in Schuss. Das macht er mit großem Einsatz, bei jedem Wetter.“

Dass sich die Familie in Ferschnitz schon so wohl fühlt und sich gut integrieren kann, dafür setzt sich eine freiwillige Helfergruppe rund um Initiatorin, Pädagogin Ingrid Schwarzenbacher mit Herzblut ein.

„Unsere Gruppe hat sich ganz schnell gebildet. Wir sind eine richtig tolle Konstellation und es ist wirklich schon viel geschehen. Bis auf den Bürgermeister sind wir zwar nur Frauen in der Gruppe, aber da haben die drei überhaupt kein Problem damit, sie sind wirklich sehr offen“, erklärt Ingrid Schwarzenbacher. Neben der Unterstützung bei der Arbeitssuche und bei Behördengängen möchten die Helfer auch rasch regelmäßigen Deutschunterricht am Nachmittag für die Männer organisieren.

Ehefrau, Tochter und ein Sohn wurden bei Anschlag getötet

Dass die Familie Alush jetzt ihr neues Leben in Ferschnitz beginnen kann, grenzt an ein Wunder. Heuer im Juni starteten sie ihre Flucht aus Daraa, nahe Damaskus, in Syrien. Eine Bombe hatte das Haus der Familie Alush völlig zerstört. Vater Mohammed war bei der Arbeit, Ali und Hussein in der Schule. Daher entgingen sie dem tödlichen Anschlag.

Doch Mohammeds Frau, seine 18-jährige Tochter Zainab und Sohn Waleed (24) wurden getötet. Mohammed wollte nicht auch noch seine Söhne verlieren und so machten sie sich auf in Richtung Europa. Nach zwei Wochen Fußmarsch erreichten sie die Türkei. Von dort fuhren sie in einem Schlauchboot nach Griechenland. Durch eine hohe Welle wurde Sohn Ali über Bord gespült und wäre fast ertrunken.

Es folgten weitere 45 Tage zu Fuß durch Europa bis Österreich. Hier wurden sie zuerst nach Traiskirchen und schließlich mit anderen Asylwerbern nach St. Georgen/Ybbsfelde gebracht. Vier Monate später halten sie nun ihren positiven Asylbescheid in den Händen und starten in ihr neues Leben.