Erstellt am 06. Oktober 2014, 00:05

von Teresa Sturm

Arztberuf unattraktiv. Nicht mehr attraktiv und doch unentbehrlich – so sieht die Mehrheit der NÖN-Leser trotz aller Probleme den Beruf des Arztes.

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Obwohl Ärztemangel und Ärzteflucht am Land zu großen Problemen führen, geben viele Mediziner nach wie vor an, gerne in ihrem Beruf zu arbeiten.

Karl Belza, Arzt aus Manndorf, meint: „Der Arztberuf kann nicht unattraktiv werden, wenn man gerne Medizin macht.“ Er sehe jedoch den hohen Verwaltungsaufwand kritisch und mache sich Gedanken über die immer schwierigere Finanzierbarkeit des Systems.



Allerdings bemerken auch viele, die im medizinischen Bereich arbeiten, inzwischen Verbesserungen, wie die geplante finanzielle Unterstützung von Medizinstudenten im Klinisch-Praktischen Jahr.
Die Arbeitszeit sei in den letzten Jahren, wie zum Beispiel im Kremser Spital, schrittweise reduziert worden und betrage mittlerweile im Schnitt 45 Stunden, freut sich Primar Heinz Jünger, ärztlicher Leiter des Universitätsklinikums Krems. „Auch das familienfreundliche Modell der Teilzeitarbeit wurde in unserem Klinikum bereits sehr gut umgesetzt und angenommen“, so der Primar.

Gespalten sehen Ärzte das Engagement der Politik für die Verbesserung der Situation des Berufsstandes. Eine bald strengere Ausbildung für Fachärzte und Allgemeinmediziner würde allen Patienten zugute kommen, laut St. Aegyds Mediziner Alexander Kober.

Merten Gareiß, Allgemeinmediziner in Lilienfeld, meint jedoch, dass die Politik im medizinischen Bereich noch kaum Verbesserungen gebracht habe.

Herbert Haschkovitz, Arzt in Traisen, sieht den Grund für die Auswanderung ins Ausland von Jungmedizinern in der „beschämenden Honorarsituation“ und der „mangelhaften Aus- und Weiterbildung“.
66 Prozent der NÖN-Leser finden den Beruf des Arztes zwar nicht mehr attraktiv. Viele halten ihn aber trotzdem für unentbehrlich und sehen Handlungspotenzial in der Politik.

Stimmen aus NÖ

Gertrude Thiel, St. Pölten:
„Ich glaube schon, dass er noch attraktiv ist. Aber Ärzte sind überfordert und zu schlecht bezahlt. Ich war selbst lange im Krankenhaus und konnte sehen, wie die Zustände dort sind.“

Cornelia Wagner, Krems:
„Ansehen und hohe Verantwortung machen den Beruf des Arztes attraktiv. Landarztstellen sind ohne Hausapotheke unattraktiv. Die Bedingungen für Spitalsärzte finde ich fatal.“

Claudia Gurmann, Rohrbach:
„Zu helfen, ist interessant, aber aufgrund von Bürokratie, Zeitmangel, abnehmender Wertschätzung durch manche Patienten und familienfeindlicher Arbeitszeiten wird er unattraktiver.“

Franz Forstner, Hollenstein:
„Für viele junge Mediziner ist vor allem der Beruf als Landarzt nicht mehr attraktiv, obwohl genau die benötigt werden. Sie erwarten sich in Spitälern günstigere Arbeitsbedingungen.“