Erstellt am 20. April 2015, 06:30

von Maria Haiderer

Bäcker in Bedrängnis. Aufgrund von Aufbackware in Supermärkten sehen auch 77 Prozent der NÖN.at-User immer geringere Chancen für die Bäcker.

 |  NOEN, zvg

Die Luft für die Bäcker scheint immer dünner zu werden. Tag für Tag schießen neue Backshops in den Supermärkten aus dem Boden. Deshalb hat die NÖN nachgefragt: Sind die Bäcker im Vergleich zu Supermärkten chancenlos?

77 Prozent der insgesamt 2.345 auf NÖN.at abgegebenen Stimmen lauten auf „Ja“, 23 Prozent stimmten mit „Nein“. Kleine Bäckereien geraten also auch nach Meinung der NÖN.at-User immer mehr in Bedrängnis. Die wesentlichen Unterschiede: Preis und Qualität.

„Als kleiner Bäcker kann man preislich mit den Ketten nicht mithalten. Damit können wir nicht einmal das Material finanzieren“, hält Michael Singraber, Bäcker aus Kaumberg, dazu fest.

Christian Bogner, Bezirksvertrauensmann der Bäcker in Baden, sagt über die Situation der Bäcker: „Mit Brot und Semmeln allein lässt sich kein wirtschaftlicher Gewinn mehr machen.“

Was viele Konsumenten nicht wissen: Auch die Frische der Ware ist unterschiedlich. „Frisch gebacken bedeutet in der Bäckersprache einen Teig frisch zuzubereiten und dann in den Ofen zu geben, aber nicht als tiefgekühlten Rohling oder in Plastik zu lagern und dann aufzubacken“, erklärt Bezirksvertrauensmann der Bäcker aus Ulmersfeld, Klaus Kirchdorfer. „Ich werfe fast nichts weg, bei uns werden viele Sachen wiederverwendet – auch das ist in einem Supermarkt nicht selbstverständlich“, so der Mödlinger Bäcker Jörg Kolm. Im Handel muss alles jederzeit bereitliegen.

Spezielle Kundenbetreuung kann ein Erfolgsrezept sein: „Bei uns ist es so, dass wir auch noch ‚ins Gei’ fahren, also unsere Produkte in die Ortschaften ausliefern“, meint Andreas Wögen stein, Bäcker in Altenburg. Oder man setzt auf Nischenprodukte, wie Wolfgang Fröschl aus Zwettl: „Bei uns gibt es das Landbrot oder das Kuenringer stangerl, bei dem mein Vater damals das Rezept entwickelte.“


Stimmen aus NÖ

Eva Wadura, Hohenberg:
„Wir persönlich bemühen uns, auch beim örtlichen Bäcker und beim Fleischhauer einzukaufen. Im Supermarkt siegt halt bei vielen die Bequemlichkeit, weil man alles aus einer Hand bekommt.“

Markus Weiß, Michelhausen:
„Nein, man muss sich auf Qualität und die Produkte spezialisieren, die man im Supermarkt nicht bekommt. Leute, die Wert auf Qualität legen, werden weiter zum Bäcker gehen.“

Anja Scherzer, Amaliendorf:
„Supermärkte produzieren große Mengen maschinell, während viele Bäcker noch händisch backen. Man sollte aber an die Qualität und das persönliche Service denken: Hier sind Bäcker im Vorteil.“

Regina Vonkilch, Mödling:
„Ich hoffe, dass sich am Ende die Qualität durchsetzt. Trotzdem glaube ich, dass einzelne Bäcker nicht wirklich eine Chance haben, weil die Konkurrenz schon so überwältigend ist.“