Erstellt am 16. September 2014, 00:03

von Desiree Haselsteiner

"Ja" zur Vorschule. 81 Prozent der NÖN-Leser stimmen für eine Vorschulpflicht. Über eine neue Schnittstelle Schule-Kindergarten wird diskutiert.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
„Die Vorschule ist eine wertvolle Einrichtung für Kinder und sollte fixer Bestandteil jeder Schule sein“, so Roswitha Weber, Direktorin der Volksschule Grillparzer I in St. Pölten.

Auch die Mehrheit der NÖN-Leser äußert sich für eine allgemeine Vorschulpflicht. Nur 19 Prozent sind generell gegen ein verpflichtendes Vorschuljahr.

"Auch intelligente Kinder sind oft noch nicht schulreif"

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wünscht sich einen sanfteren Übergang zwischen Kindergarten und Volksschule. Laut Heinisch-Hosek wäre dafür die Vorschule bestens geeignet, doch die wird wiederum von den Eltern meist abgelehnt. Volksschuldirektorin Eva Wurzer aus Persenbeug weiß, warum: „Wenn es um das eigene Kind geht, sehen das die Eltern differenzierter und haben oft das Gefühl, sie hätten etwas verabsäumt, weil ihr Kind nicht schulreif ist. Viele denken, Schulreife hat etwas mit Intelligenz zu tun, das stimmt aber nicht. Auch intelligente Kinder sind oft noch nicht schulreif.“

Derzeit ist die Regelung wie folgt: Alle Kinder, die bis 31. August ihr sechstes Lebensjahr erreicht haben, sind nach dem Gesetz schulpflichtig.

Die Idee der Bildungsministerin Heinisch-Hosek ist, einen sanften Wechsel zwischen Kindergarten und Vorschule zu schaffen unabhängig vom Alter der Kinder. In der Volksschule Grillparzer I in St. Pölten wird versucht, mittels Portfoliogesprächen (Eignungsgespräche) herauszufiltern, ob das jeweilige Kind schon reif genug für die Schule ist. Landesrätin Barbara Schwarz zum Thema Portfolio: „Darin werden Stärken, Interessen und Begabungen der Kindergartenkinder gesammelt. Diese kann von Eltern freiwillig an die Volksschule übergeben werden.“

Als ersten Schritt kooperieren mit Beginn des Schuljahres 35 Standorte mit einem oder mehreren Kindergärten. Die Volksschule in Ybbs ist eine dieser Schulen.


Stimmen aus NÖ

Gerhard Handl, Purgstall:
„Der Umstieg vom Kindergarten in die Volksschule bedeutet eine große Veränderung. Trotzdem denke ich, dass die Kinder gut darauf vorbereitet werden und so eine Vorschule überflüssig ist.“

Andrea Bürgmayr-Posseth, Amstetten:
„Das Hauptaugenmerk sollte auf das verpflichtende Kindergartenjahr gerichtet werden. Würde man den Kindergärten mehr Ressourcen zusprechen, reicht dies für eine optimale Förderung aus.“

Katharina Heger, Wiener Neustadt:
„Ich finde nicht, dass jedes Kind verpflichtend die Vorschule besuchen sollte, weil ich der Ansicht bin, dass Eltern selbst entscheiden sollten, was für ihre Kinder das Beste ist.“

Margit Höfinger, Weiten:
„Bei sprachlichen Defiziten ist die Vorschule sinnvoll, aber nur auf freiwilliger Basis. Es soll Raum für die kreative Entfaltung bleiben.“