Erstellt am 26. Mai 2015, 05:00

von Maria Haiderer

Keine Fast-Food-Steuer. Experten fordern vermehrt eine Steuer auf ungesunde Nahrungsmittel. Die klare Mehrheit der NÖN.at-User ist aber dagegen.

 |  NOEN, Matthias Schrader (dpa)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht rot: Untersuchungen zeigen, dass Übergewicht und Fettleibigkeit bei Männern und Frauen in Europa bis 2030 dramatisch ansteigen werden. Die WHO spricht gar von einer „Übergewichtskrise enormer Ausmaße“. Forderungen nach höheren Steuersätzen für ungesunde Lebensmittel werden laut. Die NÖN hat ihre Online-User nun dazu befragt, ob es höhere Steuern auf ungesundes Essen geben soll.

Das Ergebnis ist klar ausgefallen: 94 Prozent (von insgesamt 5.315 abgegebenen Stimmen) lauten auf „Nein“. Nur sechs Prozent (333 Stimmen) entfielen auf „Ja“. Doch was sagen Ärzte und Ernährungsexperten zu dem Vorstoß?

„Wir haben heute Achtjährige, die über 100 Kilo wiegen“, bringt Heinz Zickero, Diabetes-Fachmann aus Baden, die Situation auf den Punkt. Vor allem ein Mangel an Bewegung und falsche Ernährungsgewohnheiten sind dafür ausschlaggebend.

"Schwierige Bewusstseinsbildung bei Eltern und Kindern"

Der St. Pöltner Diätologe Johann Grassl kann dem nur zustimmen. Bei Ernährungsprojekten in Kindergärten und Schulen musste Grassl feststellen, dass nur etwa die Hälfte der Kinder einen Karfiol erkennt. „Rettich konnte schon niemand mehr benennen“, sagt Grassl.

Der Purkersdorfer Allgemeinmediziner Harald Ruth hält wenig von höheren Steuern für ungesunde Nahrung. „Gewisse Dinge der Politik wären unterstützend, beispielsweise eine Regulierung, dass nur eine gewisse Menge an Salz bei Fast-Food-Ketten in Gerichten sein darf.“ Auch für mehr Sport in den Schulen sollte die Politik eintreten, so Ruth.

Die Mistelbacher Diätologin Cornelia Romstorfer-Bauer weiß, wie schwierig Bewusstseinsbildung bei Eltern und Kindern ist. Sie fordert Standards bei der Verpflegung von Schulen oder Kindergärten. „Aus einem dicken Kind wird oft ein dicker Erwachsener“, sagt die Expertin.


Stimmen aus NÖ

Angelika Wille, Berndorf:
„Eine solche Maßnahme geht entschieden zu weit. Das grenzt an Diskriminierung. Mehr Aufklärung wäre das beste Mittel, um für mehr Bewusstsein in Sachen gesunder Ernährung zu sorgen.“

Gerhard Wiesinger, Reith:
„Ich bin für die höhere Besteuerung der ungesunden Lebensmittel. Vermutlich greifen dann mehr Leute zu den gesunden Lebensmitteln, weil diese billiger sind.“

Astrid Wessely, Gablitz:
„Ich halte nichts davon, alles zu reglementieren. Das würde eindeutig zu weit gehen. Der Mensch soll sich frei entscheiden können, wie er sich ernährt und etwaige Folgen in Kauf nehmen.“

Alois Burger-Eder, Merking:
„Ich denke, dass höhere Steuern auf ungesunde Nahrungsmittel nicht nötig sind. Wer entscheidet, welche Nahrung ungesund ist? Außerdem ist bekannt, dass die Dosis das Gift macht.“