Erstellt am 25. September 2015, 14:00

Mobiler Gebärdensprachdolmetscher startet im Oktober. Für die rund 8.000 österreichischen Gehörlosen - weitere bis zu 15.000 sind hochgradig schwerhörig - steht ab Oktober eine neue Gebärdendolmetsch-App zur Verfügung.

 |  NOEN, APA 8dpa/Archiv)

Die Live-Video-Anwendung soll vor allem weitverbreitete Missverständnisse zwischen Arzt und Patient verhindern. Die Verantwortlichen hoffen auf eine Ausweitung auf 24 Stunden, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Gebärdensprache ist seit dem 1. September 2005 in Österreich explizit als eigenständige Sprache anerkannt. Allerdings gibt es derzeit viel zu wenig qualifizierte Übersetzer, kurzfristige Termine wie medizinische Notfälle können oft nicht abgedeckt werden. Betroffenen steht nun wochentags zu "Bürozeiten" mobil eine effiziente Unterstützung zur Verfügung. Im Fokus steht dabei derzeit die medizinischen Primärversorgung. Testläufe im Spitalsbereich haben sich als vielversprechend erwiesen.

"Verstehen und verstanden werden,
ist ein grundsätzliches Menschenrecht"

"Rund ein Drittel des Dolmetsch-Bedarfs kann derzeit nicht erfüllt werden", erläuterte die Leiterin der Plattform für Patientensicherheit, Maria Kletecka-Pulker. Laut UN-Behindertenrechtskonvention besteht das "Recht auf kommunikative Barrierefreiheit in allen Abschnitten des täglichen Lebens". Die Ausbildung dauert mehrere Jahre und wird derzeit nur an wenigen Standorten angeboten. In Österreich existieren mehrere Gebärdensprach-Dialekte.

Anlässlich des Internationalen Tags der Gehörlosen am 27. September wurde der "Gebärdensprachdolmetscher am Display" präsentiert, der ab Oktober vor allem im ländlichen Raum kurzfristig, mobil und eindeutig die Kommunikation erleichtern soll. "Verstehen und verstanden werden, ist ein grundsätzliches Menschenrecht", mahnte Patientenanwalt Gerald Bachinger. Er verwies als Beispiel auf die unzähligen eindeutigen Adjektive, die herangezogen werden können und müssen, um Schmerzen zu beschreiben. Zu den Grundpfeilern einer erfolgreichen Behandlung zählen neben regem Informationsaustausch Vertrauen und "Compliance" (Therapietreue).

Für Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) bedeutet die Innovation, an der seit 2013 gearbeitet wird, erstmals einen wichtigen Schritt in Richtung gesundheitliche Chancengleichheit. Das Tool, abzurufen unter , wird nun von Betroffenen und Experten getestet und weiterentwickelt.