Erstellt am 13. Oktober 2014, 00:05

von Teresa Sturm

Schlechteres Deutsch. NÖN-Leser haben zum Thema der Woche eine klare Meinung: 85 Prozent befürchten schlechteres Deutsch durch die neuen Medien.

Symbolbild  |  NOEN, www.BilderBox.com
Man kennt das Bild. Eine Gruppe Jugendlicher steht in einem Kreis zusammen, keiner spricht miteinander. Alle starren auf ihr Smartphone und sind via Facebook, Instagram oder Whatsapp verbunden.

Doch führt diese digitale Kommunikation wirklich zu schlechterem Deutsch? Und ist eine Umbenennung des Faches in „Deutsch und Literatur“ – wie sie von den IG Autorinnen gefordert wird – notwendig, damit Goethe, Schiller und Brecht wieder Platz in den Klassenzimmern finden?



„Schüler müssen sich auch heute mit Klassikern befassen“, sagt Johann Brandstötter, Deutschlehrer am Ostarrichi-Gymnasium Amstetten, „Jugendliche sind aus dem Alltag durch SMS, E-Mails und Kurzberichten großteils kurze Texte gewöhnt. Für manche ist es durchaus eine Herausforderung, sich mit umfangreichen, literarischen Texten zu befassen.“

Ein weiteres Problem sieht Johannes Hiller, BORG-Direktor in Neulengbach, in der Zentralmatura: „Man muss die Schüler auf die neuen Prüfungsformate vorbereiten. Das geht auf Kosten der Literatur.“

Leise Kritik an der Forderung der IG Autorinnen kommt von Gernot Blieberger, Deutschlehrer an der HLW-Horn, da man nicht die Zeit habe, „Ganztexte“ zu lesen, denn der Lehrplan setze andere Schwerpunkte voraus.

Abkürzungen sind nicht nur negativ

Franz Himmler, Bezirkslesebeauftragter aus St. Veit, betont, dass sich durch die exzessive Nutzung von neuen Medien eine reduzierte Sprache entwickelt habe. Daran scheitert dann oft der Umgang mit anspruchsvollen literarischen Texten.

Obwohl auch NÖN-Leser finden, dass sich das Deutsch durch die neuen Medien verschlechtert, denken viele, dass nicht jede Veränderung – wie die Verwendung von mehr Abkürzungen – auch gleich eine Verschlechterung darstellt. Immerhin hat sich die Sprache immer verändert und auch weiterentwickelt.


Stimmen aus NÖ:

Reinhard Bauer, Biberbach:
„Meiner Meinung nach sollte Sprachförderung zu Hause oder in den Schulen stattfinden. Man möge den Jugendlichen in den neuen Medien doch ihre Sprache lassen.“

Bettina Buder, Waidhofen:
„Auffallend ist, dass Jugendliche SMS untereinander meistens im Dialekt und mit Abkürzungen schreiben. Das kann sich natürlich auf die Rechtschreibung auswirken, aber die Sprache muss dadurch nicht unbedingt schlechter werden.“

Aurelia Littig, Bad Vöslau:
„Literatur-Wissen ist ein Teil der Allgemeinbildung und darf nicht zu kurz kommen. Facebook und Co. beeinflussen die Sprache negativ, Jugendliche verwenden heutzutage zu viele Kürzel.“

Lisa Schuth, Zwettl:
„Ich glaube nicht, dass das Deutsch der Jugendlichen durch die neuen Medien schlechter wird. Durch die Kommunikation via Social Media wird die Sprache eher gefördert."