Erstellt am 16. Juni 2014, 11:02

von Madeleine Kopitschek

Sparen wurde Brauch. Umfrage | Für viele Menschen gehört die Mitgliedschaft im Sparverein zur Tradition. Hälfte der NÖN-Leser hält solche Vereine für unwichtig.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
Neue, internationale Vorschriften sorgen für Aufregung unter Sparern: Um Geldwäsche besser bekämpfen zu können, muss ab sofort jedes Mitglied eines Sparvereins bei der Bank einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Einige Sparvereine wurden wegen dieser Vorschriften nun schon aufgelöst.


Die NÖN-Leser sind sich beim Thema Sparvereine und deren gesellschaftlichen Wert nicht einig. Knapp über die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer hält Sparvereine für nicht wichtig. 48 Prozent sagen allerdings, dass ein Sparverein für eine Gesellschaft unersetzbar ist.

Neue Bestimmung wäre Ende vom Sparverein

Sparvereinsobleute und Wirte sind nicht erfreut über die neue EU-Richtlinie. Josef Pfannhauser, stellvertretender Sparvereinsobmann und Wirt im Bezirk Hollabrunn: „Ich höre erstmals von dieser EU-Bestimmung. Es wäre für unseren Verein und für mein Wirtshaus eine Katastrophe und, so wie es aussieht, das Ende vom Sparverein. Außerdem werden im Wirthaus die Hände gewaschen und kein Geld.“

„Eigentlich ist es ja zum Lachen“, sagt Martin Windbichler, Wirt aus Bromberg und Sparvereinsobmann. „Aber es macht die ganze Sache sehr kompliziert, ich glaube, das ist der Tod für viele Sparvereine. Man sollte nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“

"Wichtig, die Tradition weiterleben zu lassen"

Die neue Richtlinie bringt auch einen Mehraufwand für die Banken mit sich. Christian Weinberger, Prokurist der Raiffeisenbank Waidhofen an der Ybbs: „Wir werden auch darüber diskutieren müssen, ob wir unter diesen Umständen als Bank den Service Sparverein weiter anbieten können. Der Aufwand ist nun auch für uns höher, und wir verdienen dabei nichts. Natürlich wäre es für uns aber auch wichtig, die Tradition weiterleben zu lassen.“
Gerhard Maschler, Wirt in Traiskirchen, zieht ein Resümee: „Wir leben schon in einem richtigen Überwachungsstaat.“

Stimmen aus NÖ

Maria Altenburger, Schöngrabern: „Ja, meiner Ansicht nach sind Sparvereine schon wichtig. Man kann sich mit anderen zusammensetzen, plaudern und dabei auch soziale Kontakte knüpfen. Ich bin aber nicht bei einem Sparverein dabei.“

Tobias Roberts, Wiener Neustadt: „Ich denke nicht, dass Sparvereine für die Gesellschaft wichtig sind. Auch die finanzielle Sicht befinde ich für nicht wirklich relevant.“

Kevin Veith, Jetzles: „Ich finde, jeder Verein ist wichtig für die Gesellschaft. Besonders ältere oder alleinstehende Menschen können in einem Sparverein wieder Anschluss an eine Gemeinschaft finden.“

Dietmar Kwech, Traiskirchen: „Die schöne Tradition der Sparvereine ist schon in den letzten Jahren weniger geworden. Es war immer nett, wenn sich die Vereinsmitglieder am Stammtisch getroffen haben. Leider werden solche Bräuche immer weniger.“