Erstellt am 16. März 2016, 05:04

Studentin als Forscherin: Wie Musik wirkt. Welchen Einfluss hat Musiktherapie auf Wachkoma-Patienten? Dieser Forschungsfrage ging Astrid Maria Heine in ihrer Masterarbeit für ihren Abschluss an der IMC Fachhochschule Krems nach und wurde dafür mit dem Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet.

 |  NOEN, Carina Rambauske

„Jeder Musiker bemerkt, was Musik mit einem macht. Das war vermutlich meine Motivation, das auch weiterzugeben.“ Astrid Maria Heine wusste schon früh, dass sie Musiktherapeutin werden möchte, und setzte dieses Ziel um, als 2009 an der IMC Fachhochschule Krems der Studiengang „Musiktherapie“ etabliert wurde.

„Es ist ein sehr ganzheitliches Studium. Egal ob medizinischer, musikalischer oder musiktherapeutischer Bezug – in Krems werden alle Bereiche gut abgedeckt und sehr offen gelehrt“, blickt die Mödlingerin begeistert auf ihr praxisnahes Studium zurück.

Patienten reagierten deutlich auf die Musik

Schon während ihres Bachelorstudiums absolvierte sie ein Praktikum auf der Wachkoma-Station in Hochegg. Von Studienprogrammleiter Gerhard Tucek entstand damals die Forschungsidee, ob während der Musiktherapie Veränderungen im Gehirn festzustellen sind und ob diese die Rehabilitation unterstützen können. „Eine Studie in der Form gab es noch nicht, weshalb sie auf großes Interesse stieß“, erzählt Astrid Heine, die die Studie nach deren Abschluss auch auf internationalen Kongressen vorstellte.

Der Pilotstudie ging eine Menge Vorarbeit voraus, Anträge mussten geschrieben und Daten gesammelt werden, bis schließlich im Juni 2013 die erste PAT-Messung am Patienten durchgeführt werden konnte. Die Patienten wurden drei Mal gemessen: Das erste Mal ohne Musiktherapie, beim zweiten Mal mit Musiktherapie, dann erfolgte eine Pause von fünf Wochen. In dieser Zeit besuchten die Patienten drei Mal in der Woche die Musiktherapie. Nach diesen fünf Wochen wurde erneut eine Messung durchgeführt.

Heine: "Hirnaktivität deutlich gestiegen"

Zusätzlich zu den PET-Messungen nahm die Studentin die Musiktherapiesitzungen auf Video auf. Mit Stimme, Gitarre oder Harfe spielte sie den Patienten 20 bis 30 Minuten lang schlichte – auf den Patienten individuell angepasste – Melodien vor und arbeitete dabei auch viel mit Körperkontakt. „Damit der Patient auch wusste, dass die Musik nicht irgendwo ist, sondern für ihn gespielt wird“, erklärt die junge Forscherin.

Das Ergebnis der Studie: „Die Hirnaktivität ist bei der dritten Messung in allen drei untersuchten Gehirnarealen deutlich gestiegen“, verkündet Heine. Und auch die Videoanalyse, die sie für ihre Masterarbeit durchführte, zeigte erfreuliche Resultate: „Man erkennt deutliche Reaktionen, wenn auch nur auf kleiner Ebene, wie die Patienten auf Musik reagieren.“

Aktuell arbeitet Astrid Heine als Musiktherapeutin in der neurologischen Rehabilitation in Kittsee. „Das Schöne an der Musiktherapie-Forschung ist, dass es in der Praxis geschieht“, weiß Heine, die weiterhin gerne in der Forschung bleiben würde. Ab März geht sie einmal in Babypause und dann, vielleicht, wenn sich ein gutes Forschungsprojekt ergibt, wird das Doktorat angestrebt.