Erstellt am 07. Juli 2014, 00:01

von Madeleine Kopitschek

Nachhilfe ist zu teuer. In den Ferien sind viele Eltern auf der Suche nach leistbaren Lernbetreuern für ihre Kinder. NÖN-Leser fordern Gratis-Nachhilfe.

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Die Schule ist vorbei, aber dennoch ist für viele Schüler keine Lernpause in Sicht. Denn viele müssen die Ferien nützen, um den gelernten Stoff zu wiederholen und zu vertiefen. Die Suche nach einer leistbaren Lernbetreuung ist nicht einfach, denn Nachhilfe ist teuer.

Die Stadt Wien will deshalb ab kommendem Jahr eine Gratis-Nachhilfe anbieten, auch in Niederösterreich werden Forderungen in diese Richtung lauter. Ebenso wünschen sich die NÖN-Leser Gratis-Lernbetreuer für ihre Kinder. Bei der Online-Umfrage stimmten 70 Prozent für Gratis-Nachhilfe.

Bildungsexperten sehen das Thema Gratis-Nachhilfe allerdings kritisch. Stefanie Halbwachs vom St. Pöltner Nachhilfeinstitut „!Biku“ betont: „Es gibt noch zu viele Fragezeichen, um zu sagen, ob es sinnvoll ist. Für welche Schultypen soll sie gelten, gibt es Einzel- oder Gruppenbetreuung und wer finanziert das?“

Großteils sind Lehrer für Gratis-Nachhilfestunden, aber man müsse den Gründen nachgehen, warum ein Kind überhaupt Nachhilfe benötigt. Einer davon ist die falsche Schulwahl. Günther Czetina, Direktor des Gymnasiums Gmünd: „Viele Schüler werden zu einer Ausbildung gedrängt, die nicht zu ihnen passt oder die ihnen nicht gefällt. Deshalb sollte man das Ansehen von Berufen ohne Matura heben.“

„Die Schüler sind nicht dümmer geworden, sondern das Lernumfeld hat sich massiv verändert, sicher auch durch die neuen Medien“, gibt BORG-Direktor Josef Kirchner in Krems zu bedenken.

Vor allem bei den Eltern ist der Wunsch nach leistbarer Lernbetreuung aber groß. Heidemarie Erdner, Obfrau des Elternvereins der Neuen Mittelschule Horn: „Es ist traurige Realität, dass viele Kinder Nachhilfe brauchen. Vor allem für sozial schwache Familien ist das schwer leistbar.“


Stimmen aus NÖ:

Dominik Schneeweiss, St. Pölten: „Die Nachhilfe soll für Schüler, die gefährdet sind und Unterstützung brauchen, gratis sein. Auch für Schüler, die im Unterricht schwer mitkommen, wäre Gratis-Nachhilfe gut.“

Herta Bauer, Eichberg: „Diese Regelung gehört unbedingt eingeführt. Dadurch erhalten alle Kinder die gleiche Chance und jene von einkommensschwachen Familien werden nicht benachteiligt.“

Marion Weber, St. Pölten: „Nein, denn es geht um die Qualität. Wenn die Nachhilfe gratis ist, sind die Gruppen zu groß, was nicht sinnvoll ist. Man könnte einen einheitlichen Preis für die Nachhilfestunden einführen.“

Anna Gottschall, Horn: „Es klingt gut, wenn man Nachhilfestunden gratis bekommt. Aber wer soll das zahlen? Ältere Schüler bieten das derzeit ja an, um sich das Taschengeld etwas aufbessern zu können.“